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Lokales Anwohner rasseln gegen Krähenlärm im Leipziger Musikviertel
Leipzig Lokales Anwohner rasseln gegen Krähenlärm im Leipziger Musikviertel
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23:00 11.11.2013
Ein Krähenschwarm in Leipzig. Quelle: dpa

Wolfgang Schmidt ist ein liebenswürdiger Zeitgenosse, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Dass im Winterhalbjahr die aus Osteuropa und Asien einfliegenden Saatkrähen jeden Morgen Krach vor den Fenstern seiner Wohnung im Musikviertel schlagen, wollte er aber irgendwann nicht mehr nur erdulden. "Im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 waren wir zu einer kleinen Holzrassel gekommen", erzählt der Marketing-Fachmann. Er habe es mal ausprobiert und siehe da: Es funktioniert.

Wenn sich nun abends die schwarzgefiederten Vögel ihren Schlafplatz in den Bäumen vor der Wohnung im vierten Stock suchen, dann greift Schmidt zur Rassel. Er hält sie aus dem Fenster heraus und schlägt ein- oder zweimal kurz an. Bis die Krähen davon flattern. "Das Timing ist ganz wichtig. Wenn man zu früh rasselt, dann kehren sie bald wieder zurück. Wer hingegen zu spät rasselt, weckt die Vögel nicht mehr auf und bekommt vielleicht Ärger mit dem Nachbarn", warnt er.

Der richtige Zeitpunkt liege oft so gegen 21 Uhr. Wenn Schmidt ihn verpasst, dann setzt am nächsten Morgen, kurz bevor es hell wird, ein lautes Konzert von geschätzt 80 Krähen vor dem Schlafzimmerfenster ein. "Ein Nachbar ist bei uns schon weggezogen. Vor allem, weil er nicht mehr ständig gegen 6 Uhr geweckt werden wollte."

Die geschwätzigen Vögel sind nicht nur im Musikviertel Gesprächsthema. Auch rings um das Stötteritzer Wäldchen, wo eine Brutkolonie existiert, und in vielen anderen Stadtteilen haben sie jetzt wieder ihr Winterquartier bezogen. Schmidt betont, dass die Aasfresser, die sich auch von Obst, Fleisch und allerlei Unrat ernähren, eigentlich harmlos und sogar nützlich sind. Denn sie beseitigen vieles, was Menschen achtlos wegwerfen. "Es hat ja auch was Positives, wenn die Leute im Viertel gemeinsam über den Lärmpegel oder die Kothaufen auf dem Autolack schimpfen", meint er augenzwinkernd. "So lernen sich die Bewohner einer Straße oft erst mal gegenseitig kennen."

Derweil hat Schmidt auch schon aus anderen Fenstern in seinem Stadtteil abends ein kurzes Rasseln gehört. "Gefühlt sind es in den letzten Jahren mehr Rabenvögel in Leipzig geworden, einige Saatkrähen bleiben nach meiner Beobachtung sogar schon im Sommer hier." Der liebenswürdige Zeitgenosse möchte da nicht in die Natur eingreifen, nur morgens ab und zu ausschlafen können. "Einmal war aber auch bei mir das Verständnis vorbei. Als ich an der Universitätsbibliothek nach oben schaute und eine Krähe ihr Geschäft absolut zielsicher auf meiner Brille erledigte", gesteht er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2013

Jens Rometsch

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