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Arbeitskreis Resozialisierung: Helfer brauchen selbst Hilfe

Arbeitskreis Resozialisierung: Helfer brauchen selbst Hilfe

Für das Stadtbild durchaus ein Gewinn - für den Leipziger Arbeitskreis Resozialisierung (ak reso) aber eher ein Verlust: der Hallenabriss auf der Alten Messe. Denn als sich das Projekt Möbelhaus Porta abzeichnete, musste der Verein voriges Jahr sein großes Lager räumen.

Claudia Keller hofft, dass sich doch noch ein Ersatz für die verschwundene Lagerhalle finden lässt.

Quelle: André Kempner

Er konnte dort jahrelang all jene Möbel, Haushalts- und sonstigen Gegenstände unterstellen, die Leipziger gespendet hatten. "Und wir sind ja auf solche Sachspenden angewiesen", sagte Vereinskoordinatorin Claudia Keller gestern. Denn der ak reso, der sich in der Straffälligen- und Obdachlosenhilfe engagiert, betreibt auch ein Wohnprojekt in Volkmarsdorf. In dem Mehrfamilienhaus in der Wiebelstraße leben in Wohngruppen Männer zusammen, die obdachlos geworden waren oder nach der Entlassung aus dem Gefängnis nicht sofort eine Bleibe finden konnten. Kapazität: maximal 23 Personen. "Manche sind nur zwei Tage da, manche anderthalb Jahre", weiß die Sozialpädagogin. "Die Fluktuation ist erheblich, der Verschleiß an Inventar auch."

Andererseits kämen immer wieder Anfragen von Leuten, ob der Verein gebrauchte, aber noch gut erhaltene Betten, Anbauwände, Sessel, Kühlschränke, Geschirr und so weiter benötigen könne. "Aber wir haben schlicht keine Lagerkapazitäten und sind dringend auf der Suche nach geeigneten Räumen am besten im Leipziger Osten oder Südosten, die jemand für ein geringes Entgelt zur Verfügung stellen kann", sagt die 34-Jährige. "Die üblichen Preise können wir aber nicht bezahlen." Momentan nutzt der Verein, der vom Kommunalen Sozialverband Sachsen gefördert wird, ein paar kleine Notunterkünfte für das Mobiliar. "Ein Provisorium."

In dem Mehrfamilienhaus in der Wiebelstraße hat der ak reso, 1991 gegründet, auch seinen Sitz. Aus Geldmangel musste er im Laufe der Jahre bereits seine Außenstellen wie etwa jene in Wurzen wieder schließen. So befindet sich in besagtem Gebäude zudem eine Beratungs- und Anlaufstelle. Sie hilft und betreut auch Frauen in besonders schwierigen Situationen, unterstützt Angehörige von Inhaftierten. Ziel aller Aktivitäten ist deren bestmögliche Wiedereingliederung in die Gesellschaft. So führt Mitarbeiterin Regina Tschirner Gespräche mit Insassen der Justizvollzugsanstalten Leipzig und Torgau lange vor ihrer Entlassung. Sind Betroffene dann draußen, geht es um die Bewältigung alltäglicher Dinge wie Arzt-, Jobcenter- und Behördenbesuche, um Schuldenregulierung. Ein heißes Thema: Zahnarzt-Termine. "Selbst gestandene Männer haben davor Angst", so die Erfahrung Kellers, die seit Ende 2012 Vereinskoordinatorin, aber schon seit 2008 beim ak reso tätig ist. In dessen Diensten betreuen auch Ehrenamtler Knast-Insassen oder arbeiten an einer Gefangenenzeitung mit. Es sei immer schwer, sagte Keller, Leute ob nun für den Vorstand oder den Bundesfreiwilligendienst (von vier Stellen sind derzeit nur zwei besetzt) zu finden, da Vorbehalte gegenüber Ex-Häftlingen offensichtlich groß seien. "Aber weder ich noch meine Kollegen haben je negative Erfahrungen gemacht." Man müsse einfach respektvoll miteinander umgehen.

iak reso, Wiebelstraße 2, Tel. 0341 69953-65/67; Fax: 0341 6995374; E-Mail: akreso@arcor.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2013
Sabine Kreuz

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