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Archäologen finden Skelett und Kaufhaus-Ruinen auf Baustelle zur Leipziger Propsteikirche

Archäologen finden Skelett und Kaufhaus-Ruinen auf Baustelle zur Leipziger Propsteikirche

Überreste eines alten Kaufhauses und des ehemaligen Stadtsteueramtes hatten sie bereits ausgegraben. Jetzt stießen die Archäologen auf der Baustelle zur neuen Leipziger Propsteikirche auf eine weitere Überraschung.

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Bei den Grabungen für die neue Leipziger Propsteikirche sind die Archäologen auf menschliche Knochenreste gestoßen.

Quelle: Dirk Knofe Schulz & Schulz Architekten

Leipzig. In einer zwei Meter tiefen Grube am Leuschnerplatz ragte plötzlich ein skelettierter Menschenfuß aus der Erde.

„Wahrscheinlich ist er durch den Starkregen am Sonntag freigespült worden“, berichtet Grabungsleiterin Petra Schug. Die Archäologin geht davon aus, dass in den nächsten Tagen noch weitere Knochenreste zum Vorschein kommen. Da das Skelett jedoch an der nördlichen Grenze des Baufelds gegenüber des Neuen Rathauses liegt, ist die Ausgrabung schwierig. Die Böschung und der angrenzende Radweg könnten abrutschen.

Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Toten um ein Kriegsopfer aus dem 16. Jahrhundert. Die Pleißeburg – die an der Stelle des heutigen Neuen Rathauses stand – wurde während des Schmalkaldischen Krieges zwischen 1546 und 1547 von römisch-deutschen Kaisertruppen belagert. Die sächsischen Landesfürsten ließen die Vorstadt mit dem alten Kloster, das sich auf dem Grundstück befand, zuvor abreißen.

Skelettfund könnte auf Friedhof hindeuten

„Der Feind hätte hier sonst Deckung gefunden“, erklärt Landesarchäologin Regina Smolnik, die am Mittwoch Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) über das Grabungsfeld führt. Die Politikerin zeigt sich beim Rundgang beeindruckt und spricht gegenüber LVZ-Online von einem „Puzzle, dessen Erforschung wichtig ist, um ein Verständnis für unsere Vorfahren zu entwickeln“.

Möglicherweise gehört der Leichenfund aber auch zu einem Friedhof, der sich neben der lange in Leipzig gesuchten, bisher aber noch nicht gefundenen Peterskirche aus dem 11. Jahrhundert befand. „Dafür müssen wir klären, ob es eine vollständige Bestattung war“, erläutert Smolnik. Für die Grab-Variante spreche, dass der Tote in mittelalterlichen Erdschichten gefunden wurde. „Mit einer Belagerung ist das nicht in Zusammenhang zu bringen“, betont die Landesarchäologin.

Ab dem 17. Jahrhundert entstanden auf der Fläche am südlichen Stadtzentrum Wohn- und Handwerkshäuser mit großen Gärten. „Es war wie ein kleines Dorf“, beschreibt Smolnik. Viele Fundstücke, die ihr zehnköpfiges Team in den vergangenen vier Wochen freigelegt hat, stammen aus dieser Zeit.

Grabungen im Zeitplan - Sensation blieb bislang aus

So sind die Archäologen auf die Ruinen des Stadtsteueramtes gestoßen, das um 1800 herum erbaut wurde und den Bombenangriffen im Dezember 1943 zum Opfer fiel. „Im Keller fanden wir eine Schreibmaschine und ein anderes Gerät, das wahrscheinlich als Rechenmaschine genutzt wurde“, erklärt sie und zeigt auf zwei verrostete Metallklumpen. Auch zahlreiche Münzen, Pfeifen und sogar Musikinstrumente fanden die Grabungsexperten unter der Erde. „Alle Stücke werden gereinigt und kommen ins archäologische Landesamt nach Dresden, wo sie ausgewertet werden“, sagt Smolnik.

An der östlichen Grenze des Grundstücks zum Peterssteinweg, stießen die Archäologen bereits vor Tagen auf die Grundmauern des Lehmannschen Hauses. Das 1713 erbaute Gebäude wurde 1836 vom Bankier Julius Bernhard Lehmann vollständig renoviert. Im Erdgeschoss befand sich das Kaufhaus Drews – auch dieses Gebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört.

Der erhoffte Fund des im 16. Jahrhundert zerstörten Klosters St. Georg blieb bislang jedoch aus. „Wenn wir das jetzt noch finden würden, wäre es eine Sensation“, erklärt Smolnik. Es würde auch den Zeitplan für den 15-Millionen-Euro-Bau gehörig durcheinanderwirbeln: Bis zum 31. Oktober haben die Archäologen noch Zeit für ihre Grabungen. Anschließend soll mit dem Bau begonnen werden.

„Die archäologischen Grabungen sind keine Pflichtaufgabe für uns, sondern gewollt“, betont Propsteipfarrer Gregor Giele, der die derzeit 4200 Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde St. Trinitatis ab Herbst 2013 in dem neuen Gotteshaus begrüßen will. Wo heute noch die Container der Archäologen stehen, soll in gut zwei Jahren der größte Kirchenneubau Deutschlands mit seinem 50 Meter hohen Kirchturm gen Himmel ragen.

Ministerin von Schorlemer: "Kirchenbau erhält viel Zuspruch"

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Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (rechts) lässt sich von Landesarchäologin Regina Smolnik (Mitte) den Stand der Grabungen erläutern.

Quelle: Dirk Knofe

Zusammen mit dem Rathausturm werde für Autofahrer eine Torsituation geschaffen, schwärmt Giele. Von einer der Brücken, die Kirche und Gemeindehaus verbinden, soll ein Wasserfall rauschen. Und vom Innenstadtring aus können Passanten durch ein 26 Meter langes und neun Meter hohes Schaufenster in die Propsteikirche hineinblicken.

Wissenschaftsministerin von Schorlemer bezeichnet den Kirchenneubau gegenüber LVZ-Online als „positives Signal für alle Christen und für die wachsende Gemeinde der Propsteikirche“. Von den Kontroversen um das Projekt an einer solch prominenten Stelle im Leipziger Stadtbild hat sie bislang wenig mitbekommen. „Ich denke, der Kirchenbau erhält viel Zuspruch“, sagt sie und zeigt sich überzeugt, dass das Gebäude eine architektonische Öffnung der Stadt darstellt. „Ich denke, dass es für Leipzig eine schöne Entscheidung ist, an dieser Stelle diese Kirche zu bauen“, meint von Schorlemer.

Robert Nößler

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