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Architekt Anuschah Behzadi: Ein Leipziger baut in aller Welt

Architekt Anuschah Behzadi: Ein Leipziger baut in aller Welt

Dass zwischen "jetzt" und "gleich" ein riesiger Unterschied bestehen kann, hat Anuschah Behzadi in Lissabon gelernt. Der Leipziger Architekt baut wie kein Zweiter im Ausland, hält aber auch seiner Heimatstadt die Treue.

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Teheran: Zweimal im Jahr fliegt Anuschah Behzadi in seine persische Heimat, um familiäre Bande zu pflegen.

Quelle: Privat

Leipzig. Von seinem Büro in der Nikolaistraße stammten erst jüngst die Kita der Internationalen Schule in Plagwitz und die Sporthalle am Rabet. Ohne seine 17 Mitarbeiter - das betont der 55-Jährige immer wieder - wäre die Erfüllung seines größten Traums niemals möglich geworden.

"Ich wollte schon immer auch im Ausland bauen. Bereits das Thema meiner Diplomarbeit noch zu DDR-Zeiten lautete: Planen und Bauen in heißtrockenen Zonen Irans", erzählt er. Vor fünf Jahren öffnete sich dann ein Fenster. Behzadi + Partner lernten bei einem Projekt in Berlin Fachleute vom Auswärtigen Amt kennen, die wiederum suchten einen Planer zur Sanierung der Residenz des Botschafters in Portugal. Dessen Villa steht in Lissabon etwas außerhalb - mit Blick auf den Tejo. Es musste schnell gehen: Behzadi war Feuer und Flamme.

Obwohl er anfangs überhaupt kein Portugiesisch verstand, gelang es ihm, die Residenz mit örtlichen Baufirmen fristgemäß zu erneuern. "Viele Dinge im bautechnischen Bereich, die in Deutschland selbstverständlich sind, gibt es dort gar nicht. Es ist ein wenig wie früher in der DDR. Dafür sind sie gut im Improvisieren. Wenn erforderlich, liegt mir das auch." Der Architekt strahlt, wenn er erzählt, wie manche Arbeiter in der Schubkarre Siesta hielten, aber auch sofort einen Laster aus Bad Düben entluden, obwohl sie das nicht gemusst hätten. Einige der Tagelöhner hätten vor Freude Tränen in den Augen gehabt, als sie der Botschafter zum Abschluss zum Essen einlud. "Das kannten sie nicht. Wichtig ist nur, bei einer Aufgabe ,jetzt' zu sagen. Bei ,gleich' reagiert lange Zeit niemand."

Das Auswärtige Amt war mit dem Ergebnis so zufrieden, dass man Behzadi bald darauf um eine bauliche Einschätzung für die Residenz in Madrid bat. Und um Gutachten für zwei deutsche Schulen in Ägypten und Thailand. In den 1970er-Jahren war die alte Bundesrepublik - gestützt durch ihren wirtschaftlichen Erfolg - stärker auf die internationale Bühne zurückgekehrt. Damals richtete sie weltweit viele Botschaften und Kulturinstitute ein, die 40 Jahre später nun sanierungsbedürftig sind.

Das nächste größere Projekt für den Leipziger, der bei der Haustechnik-Planung auf feste Partner und Freunde an der Pleiße zurückgreifen kann, spielte wieder in Lissabon. Diesmal war es das Goethe-Institut am zentrumsnahen Campo dos Mártires da Pátria, das in den Siebzigern als Neubau hinter der historischen Fassade eines alten Palais entstanden war. Bei laufendem Betrieb wurden in dem Viergeschosser nicht nur Brandschutz, Treppen, Elektrik erneuert, sondern auch der Caféteria und Bibliothek ein zeitgemäßes Innendesign gegeben.

An der Botschaft in Malawi begannen die Arbeiten gerade, für das Goethe-Institut in Togo wurde bereits die Entwurfskonzeption erstellt. Ungleich größer als in Afrika war für Behzadi aber die kulturelle Umstellung in Japan, wo er vergangene Woche die frisch sanierte Residenz des Botschafters - in einem früheren Samureipark - pünktlich vor dem 3. Oktober komplett saniert übergab. Die bis zu 16-stündigen Beratungen ohne Pause, besondere Riten zum Wohlgefallen der Geister oder die hohen Anforderungen zur Taifun- und Erdbebensicherheit im Reich der Mitte seien jedoch eine echte Herausforderung gewesen.

Dennoch sieht der Architekt das Bauen in fernen Ländern als wunderbare Bereicherung für sein Leben. "Die Welt ist bunt. Wer das so hautnah miterleben darf, fragt sich schon, warum in Berlin in manchen Straßenzügen jede Steinfassade gleich aussehen muss." Diesen Sommer durfte er "als dritten Streich" auch noch mit der Sanierung der deutschen Botschaft in Lissabon beginnen. Und in Kürze geht sein größter Herzenswunsch in Erfüllung: ein Bauauftrag in Teheran.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2014

Rometsch, Jens

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