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Lokales Arktis-Expedition unter Leipziger Leitung nutzt jetzt Eisscholle als Forschungsbasis
Leipzig Lokales Arktis-Expedition unter Leipziger Leitung nutzt jetzt Eisscholle als Forschungsbasis
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00:18 11.06.2017
Forscher bei Untersuchungen auf der Scholle in der Arktis: Im Hintergrund liegt die Polarstern an der Eiskante. Quelle: Foto: Alfred-Wegener-Institut
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LEIPZIG

Eisscholle geentert, Camp aufgebaut und bemannt: Wissenschaftskapitän Professor Andreas Macke, der normalerweise an Land das Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) leitet, funkt jetzt erste Erfolgsnachrichten von Bord des deutschen Schiffes Polarstern. Wie berichtet, war es am 23. Mai von Bremerhaven aus in See gestochen und steuerte dann auf die zwischen Spitzbergen und Grönland gelegene Framstraße zu. Zur 55-köpfigen Expeditionsmannschaft des Unternehmens mit der Kennung PS-106-1 gehören 18 Experten vom Tropos und drei vom hiesigen Uni-Institut für Meteorologie. Kernziel der Mission ist es, mit modernster Technik die komplexen Wechselwirkungen im Klimasystem der Arktis zu erkunden und so herauszufinden, warum das dortige Meereis immer mehr dahinschmilzt.

Bereits bei der Anfahrtsphase zum eigentlichen Operationsgebiet war die Crew um Macke viel beschäftigt. Von Deck der Polarstern aus sondierten Tropos-Spezialisten per Lichtradar den Himmel, bei Schlauchbooteinsätzen wurden die Grenzschicht zwischen Wasser und Luft sowie das Strahlungsgeschehen unter die Lupe genommen. Sieben Bojen und Floats, die automatisch ozeanografische Daten sammeln, setzte das Team bei der Tour in Richtung hoher Norden aus. Regelmäßig stiegen ein mit Instrumenten bestückter Fesselballon sowie ein ebenso mit Geräten versehener Drachen auf. Zum Programm gehörte auch ein Waffentraining – als Prävention, falls es zu Eisbärenangriffen kommen sollte. Jetzt, wo die heiße Phase der Forschungsreise in kalter Umgebung eingeläutet ist, besteht diese Gefahr durchaus.

Am letzten Sonnabend wurde eine große Eisscholle gesichtet, die wie geschaffen schien, um darauf ein Basislager einzurichten. Die Polarstern dockte an den weißen Riesen an, das Terrain wurde eingehend geprüft und binnen zwei Tagen jede Menge Equipment installiert. Höchstes sichtbares Zeichen der Inbesitznahme ist ein zehn Meter aufragender Turbulenzmast. Inmitten der Gerätschaften steht eine rote Schutzhütte. Ihren Namen hat sie schon weg: Tomate. Kurz nach dem Anlegen an der Scholle schlug zum Leidwesen der Expeditionäre das Wetter um. Macke: „Während der Fahrt war es herrlich, jetzt herrschen Wolken vor und wir sehen die Sonne nur noch selten.“ Dem Tatendrang tut das keinen Abbruch. Die in spezielle Anzüge eingemummelten Polarfüchse sind emsig mit ihren verschiedenen Aufgaben beschäftigt. Vom Mini-Airport starten Forschungsdrohnen, besondere Schlitten sind für Schneemessungen im Einsatz, ein Tauchroboter agiert unter der Scholle. Einige Areale auf ihr sind allerdings abgesperrt. Nicht, weil sie mögliche Eisbären-Reviere sind, sondern weil dort die Eiskonsistenz während der gesamten Schmelzsaison automatisch beobachtet wird. Insgesamt zwei Wochen wird die Polarstern im Verbund mit der Scholle und den dort stationierten Fachleuten durch die launige Framstraße driften. Strömungsgetrieben und rund 500 Kilometer von Spitzbergen entfernt, wo ein weiteres Team sein Quartier im Ort Ny Alesund aufgeschlagen hat.

Professor Manfred Wendisch, der Direktor des Meteorologie-Institutes der Leipziger Uni, führt diese Gruppe an. Ihr Auftrag: Mit den Propellerflugzeugen Polar 5 und 6 die Polarstern-Expedition wissenschaftlich flankieren. Kontinuierlich sind die zwei fliegenden Observatorien des in Bremerhaven ansässigen Alfred-Wegener-Institutes von Spitzbergen aus als Daten- und Probensammler unterwegs. „Sie haben uns bei ihren Atmosphärenerkundungen in letzter Zeit fast täglich besucht“, so Macke. Wie seine Polarstern-Truppe berichtet auch die von Wendisch in einem Internetblog über das aktuelle Geschehen. Fotos von faszinierenden Wolken- und Eisformationen posteten die Flugzeugbesatzungen auch schon. Letzten Sonnabend hatten sie frei und klinkten sich in den Spitzbergen-Marathon ein – auf der Zehn-Kilometer-Strecke. Ein tolles Erlebnis sei das gewesen und sogar ein Eisbär dagewesen. Der war friedfertig, es handelte sich um eine Eisbärenskulptur mit Zeitanzeige.

Von MARIO Beck

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