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Lokales Asisi arbeitet am Mikrokosmos für Leipzig
Leipzig Lokales Asisi arbeitet am Mikrokosmos für Leipzig
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00:39 28.05.2018
Yadegar Asisi in seinem Atelier in Berlin-Kreuzberg. Dort arbeitet er derzeit am Entwurf für das neue Panorama „Ein Paradies auf Erden – Carolas Garten“, das ab dem Frühjahr 2019 in Leipzig zu sehen sein wird. Quelle: Mathias Orbeck
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Leipzig

Die Höhe erklimmen, in die Tiefe tauchen, in der Zeit zurückreisen – seit 2003 nimmt Yadegar Asisi in Leipzig im Panometer in der Richard-Lehmann-Straße seine Besucher mit perfekten Illusionen mit. Die nächste Bilderreise führt in den Mikrokosmos. Ein Garten am Stadtrand von Leipzig will der Panoramakünstler aus Sicht einer Biene zeigen. „Ein Paradies auf Erden – Carolas Garten“ heißt das neue 360-Grad-Panorama, an dem der Künstler in seinem Berliner Atelier im Stadtteil Kreuzberg gerade arbeitet. Er wagt erneut ein Experiment, will ab Frühjahr 2019 den Mikrokosmos eines Gartens wie durch ein gigantisches Mikroskop betrachten und eine Welt entstehen lassen, die für den Betrachter völlig neuartig erscheint. Aus Sicht eines Pollenkorns beobachten die Gäste dann eine gigantische Biene beim Bestäuben der Blüte. An vielen Details wird noch gefeilt. Im Juni kommt Asisi wieder nach Leipzig, um weitere Skizzen und Fotoaufnahmen anzufertigen.

„Das wird so räumlich, dass Sie ausflippen werden. Denn es ist schwierig, sich in diese Welt hineinzudenken“, sagt der Künstler, dessen Erfolgsgeschichte mit den Panoramen vor 15 Jahren in Leipzig begann, bei einem Atelierbesuch nahezu euphorisch. Damals wagte Asisi mit „Everest“ ein Experiment, dessen Ausgang ungewiss war. Er wollte den höchsten Berg der Welt auf das größte Panorama-Bild der Welt bannen und dabei mit dem Panorama ein Medium der Massenunterhaltung aus dem 19. Jahrhundert in die Moderne bringen. Eröffnung war am 24. Mai 2003.

Das erste Mal kam der in Wien geborene Künstler, der iranische Wurzeln hat, in Leipzig aufwuchs und inzwischen in Berlin lebt, Anfang der 1990er-Jahre für ein Ausstellungsprojekt in Bonn mit dem Medium Panorama in Berührung. Damals entwarf er die Ausstellungsarchitektur für die Bundeskunsthalle Bonn. Er malte nach einer Schwarz-Weiß-Vorlage eine farbige Variante von Rom 312. Grundlage war ein 1888 in München ausgestelltes Rom-Panorama mit dem Triumphzug Kaiser Konstantins, das der Schweizer Architekt Josef Bühlmann und der ungarische Historienmaler Alexander von Wagner gefertigt hatten. Das Original gab es längst nicht mehr. „Damals hatte ich die Idee, solche Panoramen in die heutige Zeit zu holen.“ Für einen Wettbewerb über die Neugestaltung des Berliner Alexanderplatzes bis zum Potsdamer Platz entwickelte er vier kleinere Berlin-Panoramen in Kooperation mit dem „Stern“. „Die Leute haben das erste Mal gesehen, wie ihre Stadt eigentlich geplant wird. Visualisierungen gab es da noch nicht“, erinnert er sich. Bis es zum „Everest“ – anlässlich des 50. Jahrestages der Erstbesteigung am 29. Mai 2003 – kam, folgte ein steiniger Weg mit einigen Projekten und Rückschlägen. Auch ein Rechtsstreit mit einem Mann, der in Oberhausen ein Everest-Projekt auflegen wollte, gehörte in jene „wilden Jahre“. Was Asisi für seine Riesen-Panoramen fehlte, war natürlich ein geeignetes Gebäude. Von einem Investor ganz zu schweigen. Schließlich entstanden Kontakte zu den Leipziger Stadtwerken, die ein verfallenes Gasometer in Connewitz besitzen. Dafür interessierten sich damals einige – doch die Konzepte scheiterten.

Sechs Projekte realisierte Yadegar Asisi bisher in Leipzig – ein Überblick:

Leipzig als Experimentierwerkstatt

„Sie sehen mich bemüht, nicht fasziniert zu sein“, sagte ein Stadtwerkemitarbeiter, als Asisi seine Idee vortrug. Das war aber keine Garantie. „Drei Wochen vor Eröffnung wusste ich nicht, ob ich das Geld zusammenbekomme.“ Er hatte weder die notwendige Technik noch Mitarbeiter. Was siegte, war ein ungeheurer Pioniergeist. Vorausgesagt wurde, das maximal 30 000 Besucher das Bild sehen wollten. „Wenn das so eingetreten wäre, müsste ich bis heute Schulden abbezahlen“, konstatiert der 63-Jährige. Es wurden 500 000 Besucher.

„Ich hatte Glück und Menschen, die an mich geglaubt haben. Und das hatte auch etwas mit den Leipzigern zu tun, die sehr neugierig und offen sind und solche neuen Projekte unbedingt sehen wollen.“ Das spätere Panometer im Leipziger Süden wurde dank Unterstützung durch die Stadtwerke seine Experimentierwerkstatt – hier folgten die Panoramen „Rom 312“, „Amazonien“, „Leipzig 1813 – In den Wirren der Völkerschlacht“, „Great Barrier Reef“ und das aktuelle 360-Grad-Panorama „Titanic“. Dort führt er den Betrachter in seinem monumentalen Rundbild auf eine Unterwasser-Reise in den Nordatlantik. Das Panorama zeigt auf 3500 Quadratme-tern das tragische Schiffsunglück vom 15. April 1912.

Von Leipzig aus gingen die Panoramen in die Welt – nach Dresden, Berlin, Rouen, Pforzheim, Lutherstadt Wittenberg und Hannover. Interesse gibt es auch in anderen Ländern. „Expansion ist aber nicht mein Ziel. Mich interessiert das nur, wenn alles inhaltlich passt“, bekennt Asisi, hinter dem ein Team mit derzeit 45 angestellten Mitarbeitern in Leipzig, Dresden und Berlin steht. Dort ist aktuell das Projekt „Die Mauer“ zu sehen. Am Checkpoint Charlie thematisiert er an einem fiktiven Herbsttag in der 1980er-Jahren mit dem Blick von Kreuzberg im Westen auf die Stadtmitte im Osten die deutsche Teilung.

Crew mit vielen Experten

Zur Kerncrew, die die künstlerische Arbeit nach seinen Ideen übernimmt, gehören bis zu 15 Menschen aus Bereichen wie kreative Gestaltung, Ausstellungsdesign, 3-D-Modeling, Matte Painting oder Kostümdesign. Dabei setzt er auf die Hilfe von Experten – bei „Carolas Garten“ auf den Biologen Mirko Wölfling und den Nanofotografen Stefan Diller. Denn es kommen völlig neue Techniken zum Einsatz; zum Beispiel Nano- und Makrofotografie, ein Raster-Elektronenmikroskop sowie Foto-Stacking, um Aufnahmen mit großer Schärfentiefe zu erhalten. Dabei kommt es – wie in allen Arbeiten – auf Präzision an. „Manche Szenen habe ich fünf-, sechsmal überarbeitet, damit die innere Logik stimmt. Oft wusste ich nicht, ob ich es überhaupt hinbekomme.“ Was ihn nicht überzeugt, wird gecancelt.

Asisi konzentriert sich auf künstlerische Arbeit

Die anderen Projekte organisiert er nicht mehr selbst. Asisi konzentriert sich auf die Bilder. „Damals musste ich als Künstler ins kalte Wasser springen. Wie ein Opernsänger, der sich seine Bühne selbst bezahlt.“ Mittlerweile bespielt er Häuser, die die Partner finanzieren und betreiben. Asisi Panorama International macht die Verträge und beantwortet Anfragen. So ist der Regenwald „Amazonien“ im Panometer am Zoo Hannover neu entstanden. In Wittenberg kann sich der Besucher auf eine Zeitreise zu „Luther 1517“ in die Jahre der Reformation begeben. Im französischen Rouen wird hinab ins australische „Great Barrier Reef“ getaucht, in Pforzheim gibt es den Eindruck von „Rom 312“. „Mich fasziniert, dass ich mir selbstbestimmt Themen suchen kann.“ Und dabei geht der 63-Jährige immer mehr dazu über, die eigene Sicht auf die Welt zu zeigen. Deshalb gebe es weniger Raum für wissenschaftliche Erklärungen. „Ich werde Bilder malen, Zeichnungen hinhängen, Filme machen. Die Ausstellung soll zum Sinnesrausch und zur Farbenpracht werden.“

Künstler hat kein Lieblingsprojekt

Ein Lieblingsprojekt hat er nicht. „Bei jedem bin ich so aufgeregt. Diese Aufregung brauche ich, um diese Zeit überhaupt auszuhalten“, sagt er und beschreibt, wie die Bilder sich ihm später entfremden. „Ich kann mich den Bildern dann immer wieder mit neuem Blick und neuer Leidenschaft nähern.“ Deshalb gibt es bei einer „Neuauflage“ eines Themas auch immer wieder andere Sichten. Parallel zu „Carolas Garten“ arbeitet er an der Rückkehr seines Pergamonprojektes nach Berlin.

Neues Pergamonprojekt in Berlin

Das Kunstwerk soll noch realistischer und größer als die Version von 2011 werden. Derzeit entsteht gegenüber dem Bode-Museum ein temporäres Ausstellungsgebäude. Der berühmte Pergamonaltar ist frühestens 2024 im Original zu sehen, weil das Museum saniert wird. Das Besondere: Das Panorama ist in den Rundgang in der Mitte des temporären Baus integriert. Der Besucher passiert 80 antike Skulpturen sowie multimediale Visualisierungen des Pergamonaltars. Das Bild ist realistischer, erzählt der Künstler. Das Dionysos-Fest, welches es schon 2011 zu sehen gab, müsse man sich eher als „wilde Party“ vorstellen. Gezeigt werden jetzt aber auch Szenen von Armut und Sklaverei sowie Szenen, in denen Tiere geschlachtet werden.

Dauerhaftes Völkerschlacht-Panorama wäre toll

Er wäre begeistert, wenn sein phänomenales Völkerschlacht-Panorama dauerhaft zu sehen sein würde. Entsprechende Initiativen im Stadtrat gibt es bereits. „Ich bin dabei, das ist aber nicht meine Entscheidung.“ Wenn die Stadt es haben will, wäre es kein Problem.

Von Mathias Orbeck

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