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Lokales Asisi zeigt gefährdetes Paradies – und sich selbst im Katzenauge
Leipzig Lokales Asisi zeigt gefährdetes Paradies – und sich selbst im Katzenauge
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16:14 25.01.2019
Ein letzter kritischer Blick: Yadegar Asisi zeigt ab heute im Panometer Leipzig sein neues 360-Grad-Panorama „Carola Garten – Eine Rückkehr ins Paradies“. Quelle: André Kempner
Leipzig

Mit einem Naturphänomen, dem Mount Everest, ging die Erfolgsstory in Leipzig los. 16 Jahre später widmet sich Yadegar Asisi nach Amazonien und dem Great Barrier Reef erneut der Natur, der Schönheit der Erde. „Carolas Garten – Eine Rückkehr ins Paradies“ ist das neue 360-Grad-Panorama überschrieben, das am 26. Januar im Panometer öffnet. Das Besondere: Die Besucher nehmen auf der 15 Meter hohen Plattform die Perspektive eines Insekts ein. Von dort blicken sie auf eine rund 25 Meter große Biene, die eine Kamillenblüte bestäubt und Nektar sammelt. Drumherum fällt ihr Blick auf einen wunderschönen Garten mit riesigen Blumen, Wild- und Nutzpflanzen, Insekten, einem Komposthaufen, einer Katze und vielen Details.

Von Garten am Stadtrand Leipzigs inspiriert

Dabei hat der in Leipzig aufgewachsene Asisi, wie er selbst bekennt, keineswegs den „grünen Daumen“. Doch als Zeichner ist er Beobachter. „Heute weiß ich: Der Garten ist die deutlichste Allegorie für die menschliche Seele. Es ist die tröstlichste Metapher für das menschliche Werden, Wachsen und Vergehen“, bekennt der in Berlin lebende Künstler.

Inspiriert wurde er in einem Garten am Stadtrand von Leipzig, den Carola, eine enge Mitarbeiterin und „gute Seele“ des Teams, angelegt hat. „Wenn ich an einen guten Menschen denke, denke ich an Carola“, sagt er. Als Asisi ihren liebevoll gestalteten Vorstadtgarten voller Blumen und Sträucher sah, war sie allerdings schon einer schweren Krankheit erlegen.

Der 63-Jährige begriff das Geheimnis ihrer Güte, ihrer Energie – und setzte ihr mit dem neuen Panorama, das die großen Fragen des Lebens thematisiert, zugleich ein Denkmal. Dabei schlägt der Künstler ein neues Kapitel seiner künstlerischen Arbeit auf. So nutzt er neben Zeichnungen auch Bildmaterial aus Elektronenmikroskopie, Makrofotografie und Stacking-Technik.

Ein Mikrokosmos wie nie zuvor gezeigt

Entstanden ist die Szenerie eines Mikrokosmos, den es so wohl noch nie gegeben hat, wie der Kunsttheoretiker Bazon Brock sagt. „In den Gärten wird die Erinnerung an das verlorene Paradies wachgehalten.“ Dürer habe die Nahansicht eines Stückchen Rasens festgehalten. Asisi übertrage dies auf alle Lebensformen in einem Garten.

Die neue Ausstellung „CAROLAS GARTEN - Eine Rückkehr ins Paradies“ von Yadegar Asisi wird erstmals im Panometer Leipzig präsentiert. Die Besucher können wie aus Perspektive eines Insekts einen Kleingarten als ihr exotisches Paradies erfahren. Geöffnet ist ab 26. Januar.

Dabei thematisiert das Rundgemälde zwar eine Welt, die jedem bekannt scheint. Es erlaubt in einer hundertfach vergrößert dargestellten Welt Einblicke auf Details, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Es ist ein Kunstwerk. Asisi hat verdichtet und Ereignisse verwoben, die in der Natur nicht zeitgleich zu erleben sind. So wird es möglich, alle vier Jahreszeiten zu erleben. Wer genau hinschaut, entdeckt im Auge einer Katze als Reflexion den Künstler selbst.

Kulturbürgermeisterin: Ein Juwel für Leipzig

Voller Begeisterung reagierte Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Die Linke), die eine längst fällige Geste in Richtung des Künstlers und seines Panometers machte: „Die Stadtverwaltung hat etwas spät erkannt, was wir hier für ein Juwel haben. Deshalb darf ich mich stellvertretend für die Stadt vor Ihrer Arbeit verneigen.“

Asisi betonte, dass er sich bei seiner Arbeit auf ein gutes Team stützen könne. Tierpräparator René Diebitz vom Naturkundemuseum habe zudem Vögel als Modell beigesteuert, die er in der Natur nur schwer hätte beobachten können.

Ausstellung ergänzt das Rundbild

Darüber hinaus entstand eine Ausstellung zu dem Panorama aus gezeichneten und gemalten Bildern und Fotografien von Yadegar Asisi über diese Gartenwelt. Rund 100 Arbeiten, Aquarelle, Zeichnungen, Acrylmalerei, Fotografien und ein 12-minütiger Ausstellungsfilm präsentieren den Garten unter Aspekten wie Mensch und Natur, Werden und Vergehen oder Farbe und Licht.

Das Panometer in der Richard-Lehmann-Straße 114 ist montags bis freitags, jeweils von 10 bis 17 Uhr und am Wochenende jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: vier bis 11,50 Euro.

Von Mathias Orbeck

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