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Lokales Asylbewerberheim in der Leipziger City geplant: Haus für 200 Flüchtlinge in der Johannisgasse
Leipzig Lokales Asylbewerberheim in der Leipziger City geplant: Haus für 200 Flüchtlinge in der Johannisgasse
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16:17 30.10.2014
In der Johannisgasse 26 in der Leipziger Innenstadt (links im Bild) soll ein neues Asylbewerberheim entstehen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Die Kommune mietet die Immobilie unweit des Johannisplatzes für fünf Jahre als Unterkunft für Flüchtlinge an.

Der Vorschlag der Verwaltung wurde am Donnerstag in der Dienstberatung von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) beschlossen. Wie die Stadt mitteilte, sollen im Laufe des Novembers die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung eingeladen werden. Ein Termin hierfür steht jedoch noch nicht fest. „Es wird auch hier eine soziale Betreuung für die Flüchtlinge geben, welche zugleich Ansprechpartner für Nachbarn ist“, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Stadt zahlt mehr als eine halbe Millionen Euro Miete pro Jahr

Voraussichtlich ab Dezember sollen bereits die ersten Bewohner einziehen, sagte Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst gegenüber LVZ-Online. Bevor Betten und Schränke angeliefert werden, müssen jedoch noch einige Umbaumaßnahmen in dem derzeit leerstehenden Gebäude durchgeführt werden. „Es werden Gemeinschaftsküchen und -sanitäranlagen entstehen. Der Umbau ist aber nicht so aufwändig wie in anderen Gebäuden. Die Büroräume sind von den Grundrissen her bereits gut geeignet“, so Kador-Probst.

Die Herrichtung des Fünfgeschossers – genutzt werden sollen der Gebäudeflügel an der Johannisgasse und das dahinter liegende Quergebäude – wird durch den Eigentümer durchgeführt. Die Stadt zahlt für die Immobilie nach Informationen von LVZ-Online jährlich mehr als eine halbe Million Euro Miete.

Früher Sitz der Fakultät für Mathematik und Informatik

Zuletzt war das Gebäude von der Uni Leipzig als Sitz der Fakultät für Mathematik und Informatik genutzt worden. Auch eine Zweigestelle der Universitätsbibliothek und das Uni-Rechenzentrum waren hier zwischenzeitlich als Interim untergebracht.

Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD). Quelle: André Kempner

Leipzig rechnet in diesem Jahr mit mehr als 1400 Asylbewerbern – gut doppelt so vielen wie im Vorjahr (658). Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) appellierte deshalb am Donnerstag noch einmal an die Leipziger „die Flüchtlinge willkommen zu heißen, so dass sie sich bei uns gut aufgenommen fühlen“. Aufgrund der enormen Nachfrage ließen sich nicht schnell genug ausreichend Plätze in kleineren Häusern oder in dezentral gelegenen Wohnungen schaffen. „Deshalb benötigen wir diese Notunterkunft“, so Fabian zu der neu geplanten Einrichtung.

Zwei weitere Flüchtlingsunterkünfte sollen bis Ende des Jahres ebenfalls bezugsfertig sein. In ein ehemaliges Bürogebäude in der Riesaer Straße in Paunsdorf können ab Ende November 60 Bewohner einziehen. In der Zschortauer Straße in Eutritzsch steht ab Anfang Dezember ein weiteres Bürohaus für 200 Menschen zur Verfügung. Der Umbau der geplanten Einrichtungen in der Blücherstraße in Möckern (42 Plätze) und in der Stöckelstraße in Dölitz-Dösen (60 Plätze) dauert nach Angaben des Sozialamts noch bis zum Sommer 2015.

Am Freitag meldete sich auch Stadträtin Juliane Nagel (Die Linke) zu Wort. Bei der Unterbringung von Flüchtlingen dürfe der Paradigmenwechsel nicht aus dem Blick verloren werden, so die Politikerin. Vielmehr müsse man an einer kleinteiligen und dezentralen Unterbringung festhalten.

Juliane Nagel von den Linken in Leipzig. Quelle: Wolfgang Zeyen

Mit der Eröffnung der neuesten Leipziger Notunterkünfte werde das 2012 beschlossene Konzept „Wohnen für Berechtigte nach Asylbewerberkonzept“ infrage gestellt. Im November vergangenen Jahres hatte die Linksfraktion einen Prüfantrag eingereicht. Dieser sieht vor, dass die Stadt Leipzig mit den großen Wohnungsunternehmen der Stadt und privaten Eigentümern über die Bereitstellung von Wohnungskontingenten für Flüchtlinge verhandeln soll.

Auf Basis eines solchen Modells könnten mehr Asylbewerber in eigene Wohnungen ziehen, so Nagel. Zudem sprach sich die Stadträtin für die Lockerung der Kriterien für dezentrale Unterbringung durch das Land, die schnellere Bearbeitung von Anträgen sowie ein größeres Engagement der Wohnunternehmen aus.

Robert Nößler/boh

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