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Lokales Auerbachs Keller Leipzig: Wirt schmeißt hin – aus Frust über die „Planwirtschaft“
Leipzig Lokales Auerbachs Keller Leipzig: Wirt schmeißt hin – aus Frust über die „Planwirtschaft“
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10:12 18.10.2017
Im April 2006 traten Christine und Bernhard Rothenberger als neue Pächter von Auerbachs Keller an. Zuvor waren sie in Münster tätig. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Ab Januar hat Auerbachs Keller einen neuen Pächter: Bernhard Rothenberger (57) und seine Frau Christine (55) ziehen sich vorzeitig aus ihrem Vertrag zurück, der noch bis mindestens 2021 läuft. Zum Jahresende verkaufen sie das Traditionslokal an ihren bisherigen Gastronomischen Leiter René Stoffregen (45), der seit 1996 im „Keller“ arbeitet. In den elf Jahren der Rothenberger-Zeit war das Jahr 2014 das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr. Seit 2015 hat sich bei den Wirtsleuten jedoch gewaltiger Frust aufgebaut über die Rahmenbedingungen, die in der Gastronomie nicht mehr stimmen. Sprich: Das Arbeitszeitgesetz, das den Wirten immer mehr Restriktionen auferlegt, und die ausufernde Bürokratie behinderten eine weitere Aufwärts-Entwicklung. „Ständig muss ich Italienern, Spaniern, Schweizern oder Franzosen erklären, warum es bei uns um 21 Uhr kein Vier-Gänge-Menü mehr gibt. Warum wir Tische oder ganze Bereiche stilllegen müssen, obwohl die Nachfrage da ist. Nicht weil wir nicht wollen, sondern weil unsere Mitarbeiter keine Arbeitszeit mehr zur Verfügung haben“, schimpft Rothenberger.

Der Betriebswirt sieht seine persönlichen Fähigkeiten im Marketing und in der Erschließung neuer ausländischer Kundenkreise. Doch das sei durch das „Deckelgesetz“ nicht mehr gefragt. In seinen Augen ist das Planwirtschaft, für die er als Unternehmer nicht zur Verfügung stehe: „Dafür bin ich nicht in die Gastronomie gegangen“. Deshalb zieht Rothenberger die Konsequenz und hat mit seiner Frau beschlossen, die Staffelstab-Übergabe an einen Jüngeren bereits jetzt zu vollziehen. Beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga stößt er auf Verständnis: „Ich kann ihn verstehen“, so Geschäftsführer Holm Retsch. „Die Politik hat alles dafür getan, dass es zum Kneipensterben kommt.“ Auf dem Land habe es begonnen, und es werde auch die Städte erreichen. Wo gutbürgerliche, inhabergeführte Traditionslokale dicht machen, rücken an ihre Stelle häufig Burgerketten, Systemgastronomie oder ausländische Imbissgaststätten.

Für Auerbachs Keller ist dies freilich nicht zu befürchten. Das Lokal ist wirtschaftlich gesund, auch wenn es zum Leidwesen des Pächters hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Der neue Betreiber René Stoffregen, der die Situation bestens kennt, geht damit gelassen um: „Ich freue mich sehr, je näher die Übernahme rückt. An manchen Stellschrauben werde ich etwas drehen, aber im Großen und Ganzen nicht viel verändern.“ Er übernimmt 96 Mitarbeiter und drei Teilbereiche: den Großen Keller mit 450 Plätzen, die Historische Weinstube mit 150 Plätzen und die Mephisto-Bar mit 50 Plätzen.

Rothenbergers wollen nach ihrem Rückzug in Leipzig bleiben und von dem leben, das sie verdient haben. „Das haben wir uns von Null auf erarbeitet, nicht ererbt und nicht im Lotto gewonnen“, betont Bernhard Rothenberger. Seine Frau und er wohnen in einer Mietwohnung, besitzen weder Luxusauto noch Yacht oder andere Wohlstandssymbole. Immer war es ihnen wichtig, die Tradition von Auerbachs Keller hochzuhalten. Das Lokal ist seit 1525 als Gaststätte bekannt. Zu weltweitem Ruhm gelangte es durch die Erwähnung in Goethes „Faust“.

Von Kerstin Decker

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