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Lokales Auf Leipzig bewegt sich eine Hochwasserwelle zu
Leipzig Lokales Auf Leipzig bewegt sich eine Hochwasserwelle zu
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20:01 14.01.2019
Im Elsterbecken wurde gestern Aushub abtransportiert. Besondere Vorkehrungen seien nicht notwendig, hieß es dort. Hochwasserschützer sehen das anders. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die Landestalsperrenverwaltung hat am Montag ihre Aussagen zur Hochwasserlage revidiert: Nachdem in der vergangenen Woche zunächst verlautbart worden war, dass in Leipzig keine Hochwassergefahr besteht, wird jetzt von einer „Hochwasserwelle“ gesprochen, die sich auf das Stadtgebiet zubewegt. Ihr Eintreffen wird für heute erwartet. Betroffen sein werden die Weiße Elster und die Pleiße.

Gera hat Hochwasserstufe 2

„Über das Wochenende hat sich eine Hochwasserwelle gebildet“, skizzierte gestern Mittag Axel Bobbe, Bereichsleiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) des Freistaates, die Lage. Entstanden sei diese im Gebiet zwischen dem Oberlauf Gera und Leipzig – vor allem wegen des Regens und des tauenden Schnees. Wegen dieser Welle sei in Gera am Sonntag die Hochwasserwarnstufe 2 ausgerufen worden. „Dort ist das Wasser der Elster über das Bett getreten und hat auch die Deiche erreicht“, so Experte Bobbe. Dies sei aber nicht so dramatisch, wie es sich anhört, betonte er. „Es gibt insgesamt vier Hochwasserstufen und dort ist erst die Stufe 2 festgelegt worden.“

Trotzdem beobachten die Experten die Hochwasserwelle genau. Denn die Wassermassen benötigen nur eineinhalb Tage, um vom Oberlauf Gera bis ins Leipziger Stadtgebiet zu gelangen; von Zeitz sind es sogar nur 18 Stunden. In Zeitz führe die Weiße Elster bereits 65 Kubikmeter Wasser in der Sekunde, hieß es gestern Mittag. Am Pegel Kleindalzig wurden zeitgleiche 41 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. „Bei Mittelwasser führt die Weiße Elster etwa 16 Kubikmeter in der Sekunde“, beschrieb Bereichsleiter Bobbe die Lage. „Das heißt, es wird in Leipzig in den nächsten 24 bis 36 Stunden einen steilen Anstieg der Fließgeschwindigkeit geben.“ Die Weiße Elster wird auch in Leipzig voraussichtlich „zwischen 60 und 70 Kubikmeter Wasser“ pro Sekunde führen. „Betroffen sein werden vor allem die Stadtteile Schleußig und Plagwitz“, so Bobbe. „Dort wird es aber nicht kritisch und auch nicht dramatisch werden. Vielleicht bekommen wir in Leipzig die Hochwasserwarnstufe 1.“ In der Pleiße wurde gestern Mittag eine Fließgeschwindigkeit von 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gemessen – der normale Mittelwert liegt dort bei sechs Kubikmeter pro Sekunde.

Jahreshochwasser erwartet

Im Elsterbecken – wo die Weiße Elster und die Pleiße zusammenlaufen – dürften aktuell und in den nächsten Stunden noch mehr Wassermassen unterwegs sein. „Dort rechnen wir mit etwa hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde“, so der Experte. Diese Menge werde intern bereits als „Jahreshochwasser“ eingestuft, berge für die Stadt aber kaum Gefahren. „Beim großen Hochwasser im Januar 2011 gab es dort Fließmengen von fast 300 Kubikmeter in der Sekunde.“

Die LTV soll deshalb intern entschieden haben, die dort mit dem Ausbaggern beschäftigten Schub- und Baggerboote so am Ufer zu befestigen, dass sie von den Fluten nicht losgerissen werden können. Diese Anweisung war aber offenbar bis gestern Mittag noch nicht an die mit den Booten beschäftigten Mitarbeiter durchgestellt worden. Als der LVZ-Fotograf dort vor Ort war, hieß es, für dieses geringe Hochwasser treffe man keine Vorkehrungen, da könne nichts geschehen.

Nasse Böden nehmen keine Niederschläge mehr auf

Sachsens Hochwasserschützer betonten gestern, dass es auch aktuell keine Wetterlage gibt, „vor der wir Angst haben müssten“. Aber dies könne sich ja ähnlich schnell ändern wie in der vergangenen Woche. „Durch den vielen Regen sind die Böden überall gesättigt und nehmen kein Wasser mehr auf“, sagte Bobbe. „Dadurch versickert fast kein Wasser mehr, es läuft alles direkt in die Flüsse.“ Deshalb sei momentan „kein großer, starker Katastrophenregen“ notwendig, um die Flüsse weiter ansteigen zu lassen.

Von Andreas Tappert

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