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Lokales Auf dem Friedhof in Plagwitz sorgt Kater Rüdiger für gute Stimmung
Leipzig Lokales Auf dem Friedhof in Plagwitz sorgt Kater Rüdiger für gute Stimmung
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19:04 29.01.2016
Auf diesem Grabstein liegt Rüdiger oft in der Sonne und hat alle Besucher des Friedhofes fest im Blick.  Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

 Ein Friedhof ist für die meisten Menschen kein Ort, an dem man länger als nötig verweilen möchte. Ist er doch mit negativen Gefühlen wie Trauer und Abschied verbunden. Auf dem Friedhof in Plagwitz ist das ein bisschen anders. Und das liegt an Rüdiger. „Der beste Sozialarbeiter, den wir haben“, sagt Jürgen Süß, Friedhofleiter in Plagwitz, über seinen treuen Begleiter und besten Mitarbeiter. Rüdiger ist schon etwas älter, er ist zwölf Jahre alt und ein rotgetigerter Kater.

Seine Tage verbringt der Vierbeiner auf dem Gelände des Friedhofes. „Am liebsten liegt er irgendwo in der Sonne. Meistens aber auf einer der Bänke am Eingang oder auf seinem Lieblingsgrabstein. So hat er alles im Blick“, weiß Süß. Rüdiger kennt die Besucher des Friedhofes und begleitet viele von ihnen den Weg entlang zum Grab des verstorbenen Ehepartners, der Eltern oder Kinder. „Natürlich hat er dabei Hintergedanken“, gibt der Friedhofsleiter zu. „Vielleicht fällt ja eine Kleinigkeit für ihn ab.“ Denn immer wieder kommt es vor – sogar mehrmals am Tag –, dass Leute vorbeikommen und für Rüdiger Futter da lassen oder ihn einfach nur besuchen wollen. Rüdiger kann nämlich sehr gut zuhören. Oft sitzt er mit auf der Bank am Weg und hört sich die Sorgen und Nöte der Leute an. „Das können wir natürlich gar nicht leisten“, so Jürgen Süß. „Aber viele Leute haben ja auch niemand anderen mehr und wenn Rüdiger ihnen dann ein offenes Ohr schenkt, tut das Vielen sehr gut.“

Als kleiner Kater kam Rüdiger 2004 aus dem Harz, der damalige Verwalter hat ihn mitgebracht. Der Posten ist mittlerweile neu besetzt. Aber Rüdiger ist immer noch da. Jürgen Süß kam 2003 als Leiter auf den Friedhof in Plagwitz und verstand sich mit Kater Rüdiger auf Anhieb. Zu Beginn seiner Karriere war der Kater noch sehr verspielt, trotzdem wusste er von Anfang an, was hier seine Aufgabe sein sollte: Den Leuten den nicht immer leichten Gang auf den Friedhof erträglicher zu machen und sie auf seine Weise zu unterstützen. „Wenn er sich manchmal mit in eine Trauerfeier schleicht oder den Zug zum Grab begleitet, hilft das der Gemeinde, den schweren Gang anzutreten.“

Dass Kater Rüdiger in einem früheren Leben Schauspieler war, darin sind sich alle auf dem Friedhof einig. „Er weiß immer ganz genau, wie er sich zu verhalten hat: Bei einer Beisetzung sitzt er mit betretenem Blick neben dem Grab. Leistet er jemandem Gesellschaft, wird er manchmal zum Clown und heitert jeden auf.“ Nur einmal hat Rüdiger sich etwas daneben benommen: als er während einer Beisetzung sein Geschäft am benachbarten Grab verrichtete.

Ein wirklich schlimmer Moment für alle, die Rüdiger kennen und ins Herz geschlossen haben, war sein Verschwinden vor einigen Jahren. „Eine Kollegin nahm ihn mit auf den Friedhof in Gohlis und dort war er dann plötzlich verschwunden. Wir waren uns sicher, ihn nie wieder zu sehen“, erinnert sich Süß. Die Kollegin verteilte überall Zettel mit der Aufschrift „Katze entlaufen“. Gleichzeitig verbreitete eine Dame Flugblätter mit der Aufschrift „Katze zugelaufen“. Eines Tages bekam eine weitere Frau beide Zettel in die Hände – und nach einigen Wochen auf Abwegen kam Rüdiger wohlbehalten auf seinen Friedhof zurück.

„Der Friedhof ohne Rüdiger, das ist undenkbar!“ findet Süß, der den vierbeinigen Freund täglich an seiner Seite weiß. „Wir hoffen sehr, dass uns Rüdiger noch mindestens fünf Jahre erhalten bleibt. Denn einen Zweiten wie ihn werden wir niemals wieder finden.“ Am schönsten wäre es für den 52-jährigen Verwaltungsleiter, wenn er und Rüdiger gemeinsam in Rente gehen könnten.

Von Tatjana Kulpa

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