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Lokales Auf schmaler Spur vom Auensee bis nach Leutzsch
Leipzig Lokales Auf schmaler Spur vom Auensee bis nach Leutzsch
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09:12 28.12.2016
Dampflok-Doppel zum 65. Geburtstag der Leipziger Pionier-/Parkeisenbahn in diesem Jahr. Die Lokomotiven sind baugleich, stammen von 1925 und gehörten einst der Firma Brangsch in Engelsdorf. Nach dem Krieg kam das rote Mini-Dampfross zur Pioniereisenbahn in Dresden und das schwarze zu der in Leipzig.   Quelle: André Kempner
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Eigentlich sollten schon Ende 1950 die Signale auf Grün gestellt werden. Euphorisch vermeldete am 16. Oktober jenes Jahres die LVZ, dass nunmehr der erste Spatenstich erfolgt sei und spätestens am 15. Dezember erstmalig über die Strecke mit einer Spurbreite von 381 Millimetern „gebraust“ werden solle. Der große Elan aller Beteiligten konnte aber die Materialprobleme nicht gänzlich wettmachen – es kam zu mehrmonatiger Verspätung. Von einer Trümmerbahn im Leipziger Stadtzentrum stammten die Schienen, die Liliputlok (Baujahr 1925) war vor dem Krieg wie ihre zwei Geschwister als Zugpferd bei Ausstellungen gefragt. Eigentlich sollte sie – wie die zwei anderen Exemplare – zur Pioniereisenbahn nach Dresden kommen, wurde dann aber an den Auensee bugsiert.

Durcheinander kam hier anno 1950/51 aber nicht nur der Einweihungsfahrplan – der größte Teil des Gesamtvorhabens wurde sang- und klanglos beerdigt. Zunächst liefen die Überlegungen in Richtung einer Schmalspurbahn für Besucher auf dem Agra-Gelände in Markkleeberg, wo 1950 die erste Gartenbauausstellung der DDR Wurzeln schlug. Die Idee verblühte schnell, dafür kam die Rückbesinnung auf das Gewässer-Areal in Wahren, wo von 1913 bis in die 1930er-Jahre der Luna-Express verkehrte. Aber die DDR-Pioniereisenbahn sollte, so die Intention, nicht nur wie der Luna-Express um den Auensee herumkurven, sondern mit einer 2,2 Kilometer langen Zubringerstrecke bis zum Bahnhof in Leutzsch versehen werden. Spurbreite 600 Millimeter, Dieselloks als Triebfahrzeuge für die Züge – so sollte es quer durch die Burgaue hin zum gerade propagierten „Volkspark Auensee“ gehen. „Die Mittel dafür sind bereits für 1951 im Haushaltplan beantragt“, hieß es optimistisch im LVZ-Spatenstich-Bericht vom 16. Oktober 1950. Danach fand die Streckenführung bis nach Leutzsch keine öffentliche Erwähnung mehr. Um das Vorhaben zu verwirklichen, wären aufwendige und kostspielige Brücken über die Luppe und die Nahle nötig gewesen. Das überstieg offenbar die damaligen Möglichkeiten.

Selbst auf eine Runderneuerung der auf vielen Pfeilern stehenden Brücke am Auensee-Rand, über die einst der Luna-Express zuckelte, wurde beim Bau der Pioniereisenbahn verzichtet. Die neue Bahntrasse ließ die vom Zahn der Zeit gezeichnete und später auch für den Fußgängerverkehr gesperrte Betonbrücke in Fahrtrichtung rechts liegen. Sie ist das einzige Relikt der früheren Vergnügungsbahn, die zu den vielen Attraktionen des 1913 eröffneten Luna-Parkes zählte. Dessen geschäftstüchtige Inhaber bedienten sich aus der Konkursmasse der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Leipzig. Im Oktober 1913 endete sie auf dem Areal der heutigen alten Messe mit einem Schuldenberg. Zum Schnäppchenpreis wurden zwei kleine Dampfloks erworben, die auf der IBA den Zugbetrieb vom Ausstellungsgelände bis zur damals neuen Gartenstadt Marienbrunn besorgt hatten. Wenig später startete mit diesen Lokomotiven der Luna-Express. Allerdings zunächst nur auf einer Seite des Auensees – im Pendelbetrieb mit Drehscheibe.

Erst mit der Vollendung der Betonbrücke im Frühjahr 1914 konnte der Kreisverkehr auf Schienen um den See aufgenommen werden. Vorbei am Strandbad, an Restaurants, am Hippodrom und an einer riesigen Achterbahn mit Alpenkulisse, deren Kernelemente auch aus dem IBA-Nachlass stammten.

Von Mario Beck

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