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Lokales Aufbruch zu neuen Strukturen
Leipzig Lokales Aufbruch zu neuen Strukturen
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06:00 10.02.2018
Porträt von Jugendamtsleiter Nicolas Tsapos in Leipzig. Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Probleme beim Kita-Bau, ein belastetes Verhältnis zu einigen Freien Trägern, verspätete Auszahlungen an Tagesmütter – das Amt für Jugend, Familie und Bildung ist in die Schlagzeilen geraten. Stadträte sprechen inzwischen öffentlich von einer Baustelle (die LVZ berichtete). „Mit dem Amtsleiter habe ich die Kritik ausgewertet“, sagt Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) auf LVZ-Nachfrage: „Ich gehe davon aus, dass es eine proaktive Kommunikation mit den Freien Träger als Grundlage einer guten Zusammenarbeit geben wird.“

Domizil im Russischen Pavillon auf der Alten Messe im Gespräch

Daran ist auch Nicolas Tsapos, der seit 2014 das größte Amt bei der Stadtverwaltung leitet, interessiert. Das entstand 2011 aus einer Fusion von Jugend- und Schulverwaltungsamt und beschäftigt derzeit gut 500 Mitarbeiter im Kernamt (ohne die Erzieher in den städtischen Kindertagesstätten). „Bei aller Kritik: Das Amt befindet sich in einem umfassenden Veränderungsprozess, um die Defizite zu beseitigen und um neuen Anforderungen zu entsprechen“, sagt er. So habe die stadteigene BBVL eine umfangreiche Organisationsuntersuchung vorgelegt. Die Neuausrichtung der Behörde wird seit 2016 schrittweise umgesetzt. „Es gab Workshops auf allen Ebenen, wir haben gemeinsam unsere neue Struktur entwickelt. Und wir haben uns damit befasst, wie wir die Zusammenarbeit im Amt gestalten wollen“, erklärt Tsapos. Derzeit sei das Amt dabei, der internen Organisation „den letzten Schliff“ zu geben. Perspektivisch sollen die Standorte Naumburger Straße, Ratzelbogen sowie Wahrener Rathaus aufgegeben werden, ein neues Domizil im ehemaligen Sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe ist im Gespräch. „Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung gefördert werden und ihre Familien bei Bedarf Unterstützung finden. Hierfür gestalten wir eine moderne, bürgerfreundliche und effektiv arbeitende Verwaltung“, so der Amtsleiter.

Viele Stellen von Abteilungsleitern, und Sachgebietsleitern und Mitarbeitern waren lange unbesetzt, weil etliche in den Ruhestand gewechselt sind oder sich einen anderen Job gesucht haben. Es hat gedauert, bis alle ausgeschrieben und neu besetzt werden konnten. Oft hat sich zunächst kein geeigneter Bewerber gefunden. Ab 1. März wird mit Björn Uhrig, der aus Jena nach Leipzig wechselt, wieder ein Abteilungsleiter Jugendhilfe das Team ergänzen. „Jetzt werden wir zeigen, dass unsere neuen Strukturen und die Veränderungen in den Prozessen funktionieren“, so Tsapos.

Ein Beispiel dafür sei der Bereich Hilfen zur Erziehung, der von etlichen Stadträten immer wieder kritisiert wird, weil er Jahr für Jahr sein Budget überzieht. Das liegt an gestiegenen Fallzahlen und Kosten für die Betreuung (auch gestiegene Tarife), aber auch an fehlenden Personalressourcen zur Einzelfallsteuerung in den Sozialbezirken. Deshalb sind mit dem Doppeletat 2017/18 insgesamt 20 zusätzliche Stellen bewilligt worden, von denen die letzten in diesem Jahr besetzt werden. “In den einzelnen Sozialbezirken können so mehr Sozialarbeiter Fälle bearbeiten und steuern. Sie werden zudem durch Verwaltungsangestellte von Schreib- und Verwaltungstätigkeiten etwas mehr entlastet“, erklärt Tsapos. Für neue Mitarbeiter, die von der Fachhochschule kommen, wird ein Trainee-Konzept eingeführt. Die jungen Leute werden ein halbes Jahr begleitet und eingearbeitet, bevor sie dann eigenverantwortlich arbeiten. „Wir haben auch das Controlling der Finanzen verbessert.“ Dafür gebe es jetzt eine eigene Haushaltsabteilung, die das Budget von gut 400 Millionen Euro überwacht. Fehlern wie in der Jugendhilfe aus dem Jahr 2016, bei der in den letzten beiden Jahren Etat und die bewilligte Fördersumme nicht übereinstimmten, wird so effektiv entgegengewirkt, ist sich der Amtsleiter sicher. Dafür gebe es jetzt eine eigene Haushaltsabteilung, die das Budget von gut 400 Millionen Euro überwacht. Ein jeweils eigenes Sachgebiet kümmert sich inzwischen um den Bau von Schulen und Kitas mit in der neuen Abteilung Infrastruktur mit insgesamt knapp 30 Mitarbeitern. „Ich freue mich darüber, dass sich viele Mitarbeiter trotz der hohen Arbeitsbelastung aktiv an unserem Veränderungsprozess beteiligen“, so Tsapos und glaubt, dass der Aufbruch zum neuen Jugendamt erfolgreich absolviert werden kann. Und die „Baustellen“ sich bald erledigt haben.

Von Mathias Orbeck

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