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Lokales Leipzig: Müllabfuhr kommt nicht mehr, wenn die Straße zu schmal ist
Leipzig Lokales Leipzig: Müllabfuhr kommt nicht mehr, wenn die Straße zu schmal ist
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09:07 09.10.2018
Auch der Rentner Wolfgang Lein aus der Steffenstraße muss künftig sämtliche Tonnen und Säcke selber zur nächsten Hauptstraße transportieren, damit Leipzigs Müllmänner sie entsorgen. Quelle: Kempner
Leipzig

Leipzigs aktualisierte Abfallwirtschaftssatzung birgt für viele Bürger eine unliebsame Überraschung: Anwohner von relativ schmalen Straßen müssen damit rechnen, dass die Fahrzeuge der Müllabfuhr bei ihnen nicht mehr halten. In der Siedlung am Bretschneiderpark herrscht deshalb Aufregung: Die Stadtreinigung hat dort bereits den Anliegern mehrerer Straßen mitgeteilt, dass ihre Abfallbehälter nicht mehr abgeholt werden. Die Sieder sollen ihre Tonnen und Säcke jetzt selber von ihren Grundstücken bis zur nächsten befahrbaren Straße bringen. Vor allem Senioren und Kranke sind verärgert; die Stadtreinigung pocht dagegen auf die Einhaltung der aktuellen Abfallsatzung.

Einer der Betroffenen ist Wolfgang Lein aus der Steffensstraße. „Seit 90 Jahren gibt es unsere Siedlung und seitdem wird der Müll entsorgt“, sagt er. „Die Stadt kann sich hier nicht so einfach aus der Pflicht nehmen.“ Viele Bewohner der betroffenen Straßen sehen das auch so.

Müllfahrzeuge werden immer breiter

Der Senior hat selber recherchiert und dabei herausbekommen, dass die für Leipzigs Müllfahrzeuge beanspruchte Durchfahrbreite immer größer geworden ist. „Unsere Steffensstraße ist 4,55 Meter breit“, hat er ausgemessen. „Im Jahr 2017 forderte die Stadtreinigung für ein Müllfahrzeug schon eine Straßenbreite von 3,05 Meter, seit diesem Jahr sollen es 3,55 Meter sein. Da bleiben von unserer Straße nur noch 90 Zentimeter übrig. Da darf nicht einmal auf einer Seite ein Pkw parken.“

Lein wurmt besonders, dass die Stadtreinigung deutlich mehr Platz für ihre Müllfahrzeuge einplant, als diese eigentlich breit sind. „Hier bei uns fahren Laster mit sieben Kubikmeter großen Containern durch, die sind genauso breit“, erzählt der 69-Jährige. „Das funktioniert. Und bei Müllfahrzeugen soll das nicht gehen?“

Wegen Fragen wie dieser hat er schon in der Stadtreinigung angerufen. „Die haben mir erzählt, dass ihre Berufsgenossenschaft darauf pocht, dass an jeder Seite ihre Müllfahrzeuges noch ein halber Meter zusätzlich Platz sein muss, damit es zu keinen Unfällen kommt“, berichtet der Gohliser. „Damit werden in Leipzig unzählige Straßen für die Müllreinigung unpassierbar gemacht. Das geht doch gar nicht.“

Fußweg wird Bereitstellplatz

In der Siedlung am Bretschneiderpark sollen Betroffene jetzt zum Teil ihre Mülltonnen mehrere hundert Meter weit zur Baaderstraße rollen. „Das betrifft neben den gelben Säcken auch die blauen Papiertonnen, die Tonnen für Hausmüll und die braunen Biotonnen“, listet der Rentner auf. „Die bringen wir dann dorthin und stellen sie auf dem Fußweg oder auf der Straße ab, denn dort gibt es keinen ordnungsgemäß eingerichteten Bereitstellplatz. Das ist doch alles nicht zu Ende gedacht.“

Der Senior ist dafür, dass in den betroffenen Straßen am Tag der Müllabholung ein Halteverbot ausgeschildert wird – um die Durchfahrbreite zu gewährleisten. „Wenn die Stadtreinigung dazu nicht befugt ist, dann muss das eben die Stadt veranlassen“, meint er. „Sie hat vor 90 Jahren die Straßenbreite festgelegt und kann sich jetzt nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen.“

Die Stadtreinigung fühlt sich in der Tat nicht für die Ausschilderung eines zeitlich begrenzten Halteverbots zuständig. Dies müsse die zuständige Verkehrsleitbehörde tun, heißt es in dem stadteigenen Unternehmen. Denn auch die Feuerwehr benötige eine Durchfahrtsbreite von 3,55 Meter. „Die Ordnungsbehörden scheitern an der effektiven Durchsetzung der dann zumeist gebotenen Abschleppmaßnahmen“, schildert Sprecherin Susanne Zohl die Lage aus Sicht ihres Unternehmens. Der Stadtreinigung bleibe deshalb nur die Möglichkeit, einen Bereitstellplatz anzuordnen.

Nachbarn sollen Alten und Schwachen helfen

Siedler, die ihre Tonnen nicht selbst bis zu diesem Bereitstellungsplatz bringen können – weil sie zu alt oder zu krank sind – sollten sich dafür Hilfe organisieren. „Wir empfehlen, nachbarschaftliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, kleinere Tonnen zu beantragen oder Hausmeisterdienste zu beauftragen“, so die Sprecherin.

Sie betont auch, dass ihr Unternehmen nicht verpflichtet sei, die neuen Sammelplätze speziell herzurichten. Denn die aktuelle Abfallwirtschaftsatzung schreibe vor, dass die Bürger ihre Behälter dort am Entsorgungstag so abzustellen haben, dass für Verkehrsteilnehmer oder Passanten keine Behinderung oder Gefährdung entstehen können.

Auch Forderungen, kleinere Fahrzeuge anzuschaffen und damit künftig Siedlungsgebiete mit schmalen Straßen zu entsorgen, erteilt die Stadtreinigung eine Absage: Diese seien auf Grund der erheblich reduzierten Ladekapazität und der daraus resultierenden Zunahme an Fahrverkehr – insbesondere wegen der unterschiedlichen Verwertungswegen – „keine Alternative in einer Großstadt wie Leipzig“, so Sprecherin Zohn. Darüber hinaus würde die Anschaffung solcher Fahrzeuge hohe Anstiege der Müllgebühren mit sich bringen und müsse mit Blick auf alle Gebührenzahler vermieden werden.

Von Andreas Tappert

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