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Lokales Aufschrei aus 1000 Kehlen: Streik am Frauentag in Leipzig
Leipzig Lokales Aufschrei aus 1000 Kehlen: Streik am Frauentag in Leipzig
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21:09 08.03.2019
Aufschrei der Frauen bei der Demo zum Frauentag auf dem Richard-Wagner-Platz in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Zwei Leipziger Bündnisse haben am Internationalen Frauentag gemeinsam gegen Ungerechtigkeit gegenüber Frauen demonstriert. Im Chor von mehr als 1000 Stimmen vereint: das Frauenstreikbündnis und das Feministische Streikbündnis. Beide Gruppierungen hatten die Frauen für den 8. März zum Streik aufgefordert.

Nicht nur gegen Geschlechter-Ungerechtigkeit, sondern auch gegen Wind und Wetter kämpften die Streikenden am Freitagmittag an. Starke Windböen zerrten an den Zelten auf dem Richard-Wagner-Platz. Das Frauenstreikbündnis Leipzig organisierte dort einen Ausstand mit Kundgebungen und Informationsständen bis 17 Uhr.

Verschiedene Leipziger Vereine boten Infos

„Ich möchte, dass meine Freundinnen, meine Mutter, meine Schwester, meine Tochter in Frieden leben können“, sagte Caroline Dalibor, Sprecherin des Bündnisses. Deswegen hatte die 29-jährige Bibliothekarin ihre Arbeit für einen Tag niedergelegt und engagierte sich für die Rechte von Frauen. Verschiedene Vereine und Gruppierungen boten auf dem Wagner-Platz diverse Informationen an. Angefangen vom Verein Frauen für Frauen, über den ASL (Anti Sexistischer Support Leipzig), den Frauenverband Courage bis zur Freien Arbeiterinnen Union (FAU): Überall standen engagierte Frauen und Männer, die zusammen kämpfen wollen.

Und das Wort „kämpferisch“ fiel sehr oft an diesem Tag – wild sollte er sein, der Frauentag. Musik lief über Lautsprecher, unterbrochen von Texten von Frauen, die ihre Forderungen aussprachen und erklärten, warum sie den Streik unterstützten. Zu Beginn fanden diese Texte allerdings nur wenig Zuhörer, denn die Laufkundschaft traf zögerlich ein.

Die Leute sollen ihre Stimme erheben

„Wir hoffen, dass bis zum Aufschrei um 17 Uhr noch mehr Leute kommen und ihre Stimme erheben“, sagte Caroline Dalibor am frühen Nachmittag. Der zu diesem Zeitpunkt mangelnde Zulauf lag wohl daran, dass viele Frauen um diese Zeit noch berufstätig waren und es sich nicht erlauben konnten, ihre Arbeit niederzulegen – nicht zuletzt aus Angst, den Job zu verlieren.

Am 8. März 2019 – dem internationalen Frauentag – fanden drei Demos in Leipzig statt.

Aber das änderte sich tatsächlich. Denn gleich einem Stern vereinten sich gegen 17 Uhr vier verschiedene Demo-Züge des Feministischen Streikbündnisses. Sie kamen aus dem Norden, Osten, Süden und Westen der Stadt und trafen am Goerdelerring aufeinander. Das Ziel der Demonstrantinnen und Demonstranten: ein gemeinsamer Aufschrei innerhalb von 100 Sekunden, der bundesweit in über 40 Städten stattfinden sollte. Charlotte Hitzfelder vom Feministischen Streikbündnis moderierte die Aktion: „Wir wollen unserer Wut über die Ungerechtigkeit Ausdruck verleihen.“ Punkt 17 Uhr brach die Hölle los. Über 1000 Menschen begannen laut zu schreien, dass es von den Wänden der Blechbüchse nur so widerhallte.

Aufschrei auf dem Richard-Wagner-Platz

Nach 100 Sekunden – die für 100 Minuten unbezahlter Frauenarbeit in Westeuropa standen – war auch schon wieder Schluss und der Zug setzte seinen Weg fort zur finalen Kundgebung beider Bündnisse auf dem Augustusplatz. Banner und Schilder ragten aus der Menge heraus, oft war von „219 a“ zu lesen – denn ein großes Thema der Demonstration war die Forderung nach einem selbstbestimmten Umgang der Frauen beim Thema Abtreibung. Außerdem lautstark gefordert: eine größere Anerkennung unbezahlter Pflegeleistungen, die beispielsweise im Familienkreis erfolgen.

Von Katharina Stork

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