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Augusteum-Galerie: „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“

Neue Ausstellung Augusteum-Galerie: „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“

Als Ouvertüre für das Fest rund um den Dies academicus eröffnet die Kustodie in Zusammenarbeit mit Universitätsarchiv am Donnerstag in der Galerie im Augusteum die Ausstellung „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“

Am Donnerstag in der Augusteum-Galerie die Ausstellung „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“ eröffnet.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Im April 2002 trat Rudolf Hiller von Gaertringen, damals 40 Jahre alt, sein Amt als Kustos der Leipziger Universität an. Er erinnert sich noch an jenen Tag, als er im Dienstzimmer von Rektor Volker Bigl saß und der ihm ins Stammbuch schrieb: „Ich verstehe nichts davon, kümmern Sie sich darum …“ Es ging um die Kunstwerke der Universitätskirche, die im Mai 1968 in hektischer Eile geborgen werden mussten. Am 30. Mai war dann die Kirche gesprengt worden, die meiste Kunst, darunter die Epitaphien, wurde über viele DDR-Jahre mehr schlecht als recht eingelagert.

„Kümmern Sie sich darum“ – die Worte von Rektor Bigl hatte Hiller in den vergangenen 15 Jahren wohl ständig im Ohr. Sie waren für ihn und sein Team quasi Auftrag geworden. Wenn nun am 1. Dezember die Universität mit einem Festakt das „Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli“, so der offizielle Titel des Baues, eröffnet, ist das Ereignis für den Kustos „ein ganz großer Tag“. 26 Epitaphe wurden restauriert und zieren den Chorraum des Paulinum. 1,2 Millionen Euro mussten dafür aufgewandt werden, wobei Sponsoren 800 000 Euro, unterem die Porsche AG, der Ostdeutsche Sparkassenverband und Einzelspender wie die mit der Alma Mater im besonderen Maß verbundene Familie Olearius, zur Verfügung stellten.

Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv

Als Ouvertüre für das Fest rund um den Dies academicus eröffnet die Kustodie in Zusammenarbeit mit Universitätsarchiv am Donnerstag in der Galerie im Augusteum die Ausstellung „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“, die auch anhand der verschiedenen Fassaden hin zum Augustusplatz zum Ausdruck kommt. Die Schau lässt die Baugeschichte dieses Ortes Revue passieren und thematisiert die Rettung und Wiederanbringung des wertvollen Kunstinventars aus der zerstörten Universitätskirche. Ein Teil der Ausstellung trägt die Überschrift „In Limbo“, abgeleitet vom lateinischen Limbus, deutsch Rand, Saum, Umgrenzung. Dazu Hiller von Gaertringen: „Im übertragenen Sinne bedeutet der Titel einen qualvoll undefinierbaren Zustand der Stagnation. Damit ist die Lage der im Mai 1968 notgeborgenen Kunstwerke treffend beschrieben. Man hatte sie unmittelbar vor der Sprengung innerhalb weniger Tage überhastet entnommen und anschließend improvisiert im Keller des ehemaligen Reichsgerichtes eingelagert. Ausgewählte Spitzenstücke vor allem der Kunst des Mittelalters konnten auf Initiative der Denkmalpflege unter anderem auf das Museum der bildenden Künste im einstigen Reichsgericht, das Museum für Geschichte der Stadt, die Albrechtsburg Meißen und die Thomaskirche verteilt werden.“

Abschlussarbeit nicht veröffentlicht

Ansonsten, so Hiller, unterlag das Kunstinventar der Universitätskirche de facto der Geheimhaltung. So durfte auch die 1972 erstellte Abschlussarbeit der Kunstgeschichtsstudentinnen Karin Asche und Irene Persch unter keinen Umständen publiziert werden. Während die SED bemüht war, die Erinnerung an den unliebsamen Kirchenbau zu tilgen, wurde in Kreisen der Kirche und der Denkmalpflege die weitere Verteilung der Werke auf Leipziger Kirchen erwogen. Das konnte aber in nennenswertem Umfang nur im Hinblick auf die Thomaskirche realisiert werden, wo auch 1983 der Paulineraltar aufgestellt worden war.

Dem Ausstellungskapitel „In Limbo“ folgt der „Aufbruch zu neuen/alten Ufern“. Dabei wird aufgezeigt, wie ab 2002 analog mit dem Wachsen der neuen Architektur die Kunstwerke ein zweites Mal gerettet werden konnten. Getreu Rektor Bigls Vorgabe an Kustos Hiller.

Die Vernissage zur Ausstellung „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“ beginnt am 16. November um 19 Uhr in der Galerie im Augusteum.

Von Tom Mayer

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