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Lokales Aula-Kirche-Bau auf dem Augustusplatz: Paulinum oder Unikirche?
Leipzig Lokales Aula-Kirche-Bau auf dem Augustusplatz: Paulinum oder Unikirche?
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23:59 31.10.2014
Ostern 2015 soll der Aula-Kirche-Bau eröffnet werden. Wie er heißen soll, war eigentlich längst geklärt. Jetzt beginnt der Streit erneut. Quelle: JuergenMichael Schulter

Der sogenannte Harms-Kompromiss sieht als offizielle Bezeichnung die folgende vor: "Paulinum: Aula - Universitätskirche St. Pauli". Ein Wortungetüm, das schwer über die Lippen geht. Deshalb benutzt auch kaum jemand diesen Namen. Und so haben sich Universität und Kirche offenbar wieder hinter ihren alten Begriffen verschanzt, die sie sowieso für die besseren hielten...

Selbst in offiziellen Pressemitteilungen verwendet die Universität den Kompromiss-Begriff nur sehr sparsam, schreibt lieber generell vom "Paulinum", vom "Andachtsraum", von der "Aula im Paulinum" oder vom "Neubau". Kirchenvertreter treibt das auf die Palme. Sie nutzen den mühsam erarbeiteten Begriff selbst aber auch nicht, sprechen von der "Universitätskirche St. Pauli".

Britta Taddiken, erste Pfarrerin an der Thomaskirche, ist empört. Sie vermutet, "dass hier einseitig begonnen wird, den gefundenen Kompromiss zu umgehen und das Wort ,Kirche' klammheimlich wieder auszuschleichen". In der Universität gebe es kirchenfeindliche Tendenzen, was sich in solchen sprachlichen Entwicklungen mehr als deutlich zeige. "Es hat schon groteske Züge, wenn man ein Gebäude, das von innen nichts anderes ist als eine Kirche, um jeden Preis anders zu bezeichnen versucht - denn man will alles, nur keine Kirche."

Uni-Rektorin Beate Schücking erklärt dazu: "Aula/Universitätskirche St. Pauli ist die offizielle Bezeichnung, die von Seiten der Universität verwendet wird, wobei mit Paulinum dann das gesamte Gebäude gemeint ist. Wenn einzelne Personen den Begriff 'Andachtsraum' gelegentlich verwenden, entspricht das nicht der offiziellen Sprachregelung."

Ungeachtet dessen sprechen viele Leipziger ohnehin längst vom Paulinum. Denn auch, wenn das Gebäude von außen durchaus aussieht wie eine Kirche, ist es zugleich als Bestandteil des Campus-Ensembles erkennbar. Außerdem ist der Name griffig. Wer Touristen die Gestaltung erklärt, kommt aber nicht umhin, sich auf die Historie zu beziehen. Denn natürlich erinnert der niederländische Architekt Erick van Egeraat mit seinem Design an die Sprengung der gotischen Universitätskirche am 30. Mai 1968, die damit zwei Weltkriege überstanden hatte, aber eben nicht die DDR.

Seit den ersten Plänen zur Neugestaltung am Augustusplatz gibt es nun schon Streit - über Entwürfe, über Säulen und Gewölbe, über die Kanzel - und eben über den Namen. Der Harms-Kompromiss konnte den Zwist offenbar nur vorübergehend beilegen.

Britta Taddiken stößt aber noch etwas anderes sauer auf. "Am 2. Dezember 2014 findet im Paulinum eine Altargrundsteinlegung statt", heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Die Veranstaltung solle im kleinen Rahmen nur für geladene Gäste über die Bühne gehen, weil sich das Paulinum noch im Bauzustand befinde. Taddiken vermisst das Bemühen um ein öffentliches Ereignis. "Eine Altargrundsteinlegung ist ein liturgischer Akt und daher öffentlich", sagt die Pfarrerin. Sie wolle bei Rektorin Schücking dafür werben, einem breiteren Publikum die Teilnahme an der Veranstaltung zu ermöglichen. Vielleicht können die beiden sich dann ja auch nochmal darüber unterhalten, welchen Namen das Kind denn nun haben soll.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.11.2014

Meine, Björn

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