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Lokales Aus Eiche wird Eule: Holzbildhauer macht Kunst mit der Kettensäge
Leipzig Lokales Aus Eiche wird Eule: Holzbildhauer macht Kunst mit der Kettensäge
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15:45 18.02.2018
Falk Weinhold und seine Kettensägen machen aus toten Holz Kunstwerke - hier auf dem Leipziger Augustusplatz. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Mit einem etwa 1,30 Meter langen Stück Baumstamm unterm Arm rückte Falk Weinhold am Sonnabend Nachmittag auf dem Augustusplatz an. Ein Stück Eiche, das er erst vor zwei Tagen geschnitten hat: „Die Krone war weggebrochen, deshalb musste der Baum gefällt werden“, erläuterte der Holzfäller und Baumpfleger aus Königswalde bei Annaberg-Buchholz. Er stellte den Stamm auf ein Podest, bearbeitete ihn knapp drei Stunden lang mit zwei Kettensägen, machte tüchtig Lärm und Späne – und plötzlich war aus dem Stück Holz eine erstaunlich filigrane Eule geworden.

Ein bisschen martialisch sah es aus, wie der 36-Jährige – ausgestattet mit Schutzbrille und Ohropax – mit seinem groben Arbeitsgerät um den Stamm herumtänzelte. Erst mit einer groben Säge, dann mit einer feineren, zum Schluss mit einer Schleifscheibe. Die Späne flogen meterweit und setzten sich als „Konfetti“ auf den Haaren der Schaulustigen ab. Weinhold schwitzte ordentlich bei seiner anstrengenden Arbeit, bei der ihm viele Leute zuschauten.

Eigentlich hatte er vorgehabt, bei seiner Vorführung auf dem „Leipziger Eistraum“ ein Herz aus zwei Schwänen zu gestalten. Aber daraus wurde nichts, da ein Spannungsriss durch das Holz ging und einer der beiden Äste abgesägt werden musste. So entschied er sich für eine Eule. „Eine Büchereule“, präzisierte Künstler, denn er ließ den Vogel auf einem Buch sitzen. Da das Holz erst frisch geschnitten war, trat seine Maserung deutlich zutage, die Weinhold durch seine Schnitte noch besonders betonte. Als er zum Schluss sein etwa 50 Kilo schweres Kunstwerk mit Öl einpinselte, trat die Maserung noch klarer hervor. Ein Besucher aus Chemnitz verliebte sich gleich an Ort und Stelle in den Vogel und kaufte die 480 Euro teure Skulptur. Beim neuen Besitzer kann die Eule im Garten stehen: „Das ist Eiche, die überlebt uns alle“, versicherte Weinhold.

Normalerweise hat der Baumpfleger jetzt im Winter gar keine Zeit für Schauvorführungen. „Bis zum 28. Februar ist Fällzeit. Durch den Orkan gibt es im Moment besonders viel zu tun“, erzählte er. Im Sommer hingegen verdient er mittlerweile sein Geld mit den Holzplastiken. Vor acht Jahren hat er damit angefangen: „In einem Baum hing ein aufgeklappter Ast, der wie ein Krokodil aussah. Da habe ich ein Krokodil daraus gemacht.“ Für die Unmengen von Rinde und Spänen, die bei seiner Arbeit anfallen, hat Falk Weinhold übrigens zu Hause eine Holzhäckselheizung.

Von Kerstin Decker

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