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Aus dem Sekretär ans Licht: die Skizzen- und Tagebücher des Malers Werner Tübke

Aus dem Sekretär ans Licht: die Skizzen- und Tagebücher des Malers Werner Tübke

Leipzig.  "Ich bin das Heft", sagte Picasso - und gab damit kund, welch große Bedeutung für sein Werk seine Skizzenbücher haben. Picasso hat insgesamt 175 solcher Hefte voll mit Unikaten gezeichnet.

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Die Leipziger Universitätsbibliothek erhält als Geschenk der Malerwitwe Brigitte Tübke-Schellenberger (im Bild) 12 Skizzen- und 13 Tagebücher des Künstlers.

Quelle: André Kempner

Werner Tübke, der 2004 verstorbene Meister der hiesigen Malschule, brauchte von 1952 bis 2000 zwölf Bücher. Wichtig waren sie zu jeder Zeit für sein Schaffen - und erhellend werden sie zum Glück auch für die Nachwelt sein, obwohl der bis dato unbekannte Kunstschatz vom Meister selbst nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Da dieses kunstgeschichtliche Gut aber der Allgemeinheit erhalten bleiben soll, schenkt Malerwitwe Brigitte Tübke-Schellenberger die Skizzenbücher und dazu 13 eng beschriebene Tagebücher der Leipziger Universitätsbibliothek.

Der beträchtliche finanzielle Wert des Kompendiums ist unbenommen, manch Auktionator würde sich die Hände reiben, so ein Konvolut auf den Markt bringen zu können. Die mit hunderten, unter anderem mit Bleistift und Kugelschreiber entstandenen Porträts und Landschaftszeichnungen versehenen Skizzenbücher würden die Tübke-Fans auf den Plan rufen. Für die großzügige Gönnerin stellen indes die privaten Fundsachen zuvorderst einen großen ideellen Wert dar. Brigitte Tübke: "Ich will, dass alles zusammen bleibt. Genau das hat auch immer mein Mann gesagt."Dass die Skizzen- und Tagebücher nun doch in die Öffentlichkeit gelangen, ist der Indiskretion der Malerwitwe zu verdanken. Vor gut einem Jahr öffnete sie doch den Sekretär ihres Mannes, an den sie sich zu dessen Lebzeiten und auch die ersten Jahre nach seinem Tod nicht herantraute. Tübke: "Das war bei uns ein ungeschriebenes Gesetz: Ich ging nicht an seinen Schrank und er nicht an mein Fach. Dann habe ich aber diesen Schwur doch gebrochen, habe den Sekretär geknackt und fand die Bücher. Nur vom letzten Skizzenbuch hatte ich Kenntnis. Werner wird mir meine Neugierde verzeihen."Leipzigs Bibliotheksdirektor Ulrich Johannes Schneider freut sich über die Schenkung, ergänzt sie doch den ohnehin reichen Bestand an wertvollen Unikaten. Tübkes Skizzenbücher und Aufzeichnungen werden den gängigen modernen Archivierungsmethoden unterzogen, im Fall der Tagebücher wird zudem wegen der Wahrung von Persönlichkeitsrechten gründlich zu prüfen sein, inwieweit sie zur Nutzung frei gegeben werden können. Für das kommende Jahr hat Schneider auf alle Fälle vor, Skizzen- und Tagebücher in einer kleinen, feinen Ausstellung zu präsentieren.Die Tübke-Verehrer können aber schon jetzt einen Eindruck davon gewinnen, wie es in des Malers Skizzenbuch aussah. In einer bibliophilen Ausgabe ist sein "Grünes Skizzenbuch", entstanden 1952, im Plöttner Verlag erschienen. Mitherausgeberin Annika Michalski weiß von der Tradition von Künstler-Skizzenbüchern: "Schon Leonardo da Vinci empfahl seinen Kollegen, immer ein Büchlein, ein Libretto, dabei zu haben."Brigitte Tübke, die Verleger Plöttner für sein Engagement dankt, trägt mit vielfältigen Initiativen - vor allem mit der von ihr ins Leben gerufenen Maler-Stiftung - dazu bei, das Andenken an ihren Mann zu pflegen. Das geschieht mal kunsthistorisch, mal populär. Bei Plöttner erschien gerade ein Memory-Spiel mit Details aus 35 Gemälden des Malers. Die Motive 1 bis 29 sind Details aus in der Tübke-Stiftung ausgestellten Werken, die Motive 30 bis 35 stammen aus dem Panoramagemälde "Frühbürgerliche Revolution in Bad Frankenhausen". Brigitte Tübke war der Idee des Verlegers gefolgt, obwohl sie mit so einem Merkspiel nichts im Sinn hat: "Wir spielten Mau-Mau."

 

Thomas Mayer

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