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Aus drei mach vier: Bekommt Leipzigs Stadtkonzern eine neue Tochterfirma?

Rumoren vor Sparrunde Aus drei mach vier: Bekommt Leipzigs Stadtkonzern eine neue Tochterfirma?

In Leipzigs Kommunalkonzern LVV rumort es gegenwärtig. Viele Mitarbeiter bei den Stadtwerken, Wasserwerken und Verkehrsbetrieben sind besorgt, weil in Kürze extrem wichtige Entscheidungen über Einsparungen anstehen. So könnte neben den drei genannten Tochterfirmen bald noch eine vierte entstehen, in die 800 bis 1000 Beschäftigte wechseln sollen.

Seit Januar 2016 hat Leipzigs Kommunalkonzern LVV ein einheitliches Erscheinungsbild und Logo. Nun sollen die rückwärtigen Bereiche der drei großen Tochterfirmen – Stadtwerke, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe – vereint werden.

Quelle: LVZ

Leipzig. In Leipzigs Kommunalkonzern LVV rumort es. Viele Mitarbeiter der drei großen Tochterfirmen – Stadtwerke, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe – sind besorgt, weil in Kürze wichtige Entscheidungen über Einsparungen anstehen.

„Service 2017“ – so heißt das Projekt, über dessen konkrete Ausgestaltung seit Monaten diskutiert und neuerdings auch heftig gestritten wird. Nach LVZ-Informationen soll zum Beispiel der Abschied von Jan Fuhrberg-Baumann als Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter Netz Leipzig GmbH vor allem mit der Debatte um die richtige Strategie zusammenhängen.

Konsens ist, dass der Konzern mit 4600 Beschäftigten seine Kosten senken muss. Infolge der Energiewende der Bundesregierung brachen 2014 die Gewinne der Stadtwerke ein. Konventionelle Energieerzeugung lohnt sich immer weniger. Das gilt auch für das – ökologisch vorbildliche – Gas-Dampfturbinen-Kraftwerk an der Eutritzscher Straße, welches nur noch die Hälfte des Jahres überhaupt läuft.

Bliebe alles unverändert, hätte der Konzern ab 2018 ein Problem, heißt es intern. Dann könnte er nicht mehr seine Zusage an den Eigentümer Stadt Leipzig erfüllen, jährlich 45 Millionen Euro an Zuschüssen für die Verkehrsbetriebe bereitzustellen. Obendrein wollen alle Tochterfirmen umfangreiche Investitionsprogramme verwirklichen. Folglich muss intern gespart werden. Die Frage ist: wie?

Nun liegen annähernd zehn Modelle zum Projekt „Service 2017“ auf dem Tisch. Meist laufen sie darauf hinaus, die 800 bis 1000 Mitarbeiter der rückwärtigen Bereiche von allen Tochterfirmen zusammenzufassen: also etwa das Controlling, Ausbildung, Immobilienmanagement, Materialeinkauf. „Was wir zur Disposition stellen, folgt der Frage, ob wir wirklich vier oder fünf Personalabteilungen oder ebenso viele IT-Bereiche in einem Unternehmen brauchen“, hatte LVV-Finanzchef Volkmar Müller letzten Sommer in einem LVZ-Interview erklärt. „Wenn die Arbeitsabläufe anders organisiert werden, lässt sich im rückwärtigen Bereich die Stellenzahl erheblich reduzieren.“

Seit Herbst wird hinter den Kulissen darum gerungen, wie die neuen, zentralisierten Servicebereiche organisiert werden. Kommen alle 800 bis 1000 Mitarbeiter zu einer Tochterfirma? Und falls ja – zu welcher? Oder werden die vereinten Service-Bereiche gleich wieder auf mehrere Firmen verteilt? Das Ergebnis der Prüfungen lautet: Am meisten ließe sich sparen, wenn die neue Sparte direkt in der Holding (also der Konzernleitung) errichtet wird – wie das schon für die ganze Öffentlichkeitsarbeit geschah. Dagegen sprechen aber Vorgaben des Eigentümers, der die Holding als reines Steuerungs- und Kontrollinstrument festgeschrieben hat.

Die Konzernspitze bevorzugte deshalb zuletzt offenbar den Aufbau einer neuen Tochterfirma. Sie wäre den – dann jeweils etwas kleineren – Stadtwerken, Wasserwerken und Verkehrsbetrieben nahezu ebenbürtig. Als Sitz käme das Kraftwerksgelände an der Eutritzscher Straße infrage, lässt sich einem internen Papier der Planungsgruppen entnehmen, welches der LVZ vorliegt. Bei Mitnutzung des benachbarten Gasometer-Areals könnten dort eines Tages sogar alle Büro-Einheiten des Stadtkonzerns gebündelt werden.

Längerfristig sollen durch „Service 2017“ und weitere Maßnahmen konzernweit 200 bis 300 Stellen wegfallen, heißt es in dem Papier weiter. LVV-Sprecher Frank Viereckl wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Zahlen äußern. „Das können wir erst nach den Entscheidungen der zuständigen Gremien tun.“ Diese seien noch vor der Sommerpause zu erwarten. „Betriebsbedingte Kündigungen sind in jedem Fall ausgeschlossen“, versicherte er. Es gehe um das Nutzen natürlicher Fluktuation oder Alterszeit-Regelungen.

Vor allem bei Beschäftigten der Stadtwerke herrschen dennoch die Sorgen vor. Zum einen, weil dort bislang meist höhere Gehälter als bei den anderen Tochterfirmen gezahlt wurden. Hauptsächlich aber, weil dieses Unternehmen durch das Sonderprogramm „fit“ effizienter aufgestellt und zum Dienstleister für alle Energiethemen in Leipzig umgebaut werden soll. In wenigen Tagen sollen die Stadtwerke-Gremien über „fit“ entscheiden. Danach dürfte Genaueres zu erfahren sein.

Von Jens Rometsch

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