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Aus freien Stücken im Leipziger Knast - Ehrung für Ehrenamtliche

Aus freien Stücken im Leipziger Knast - Ehrung für Ehrenamtliche

Erstmals gab es für sie einen Empfang in Dresden: Für Seelentröster, Sozialbetreuer, Straffälligenhelfer. Das Justizministerium dankte jetzt jenen, die sich ehrenamtlich beziehungsweise als Abgesandte von Vereinen um Häftlinge in den zehn Gefängnissen in Sachsen kümmern, darunter waren auch drei Geehrte aus Leipzig.

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Entsteht mit Hilfe Ehrenamtlicher: die Gefangenen-Zeitschrift Aufschluss.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Arnfried Flitsch ist als Steuerberater aktiv. Und ehrenamtlich als Seelsorgehelfer in der Leipziger Justizvollzugsanstalt (JVA) mit Haftkrankenhaus. Dass er regelmäßig mit Insassen das Gespräch sucht, begründet der 72-Jährige mit seinem christlichen Hintergrund. "In der Bibel werden wir aufgefordert, uns um Arme und Gestrauchelte zu kümmern." Einmal pro Woche geht Flitsch aus freien Stücken für einen halben Tag in den Knast an der Leinestraße. Seit nunmehr schon fünf Jahren unterstützt er dort die beiden Seelsorger Mike Bauer und Gotthard Moser. Über den evangelischen Pfarrer Bauer kam auch der Kontakt zur JVA überhaupt zustande. Die Veranstaltung vorige Woche in Dresden sei für ihn im Grunde zweitrangig gewesen. "Das Entscheidende für mich aber ist, dass meine Arbeit gewürdigt und geschätzt wird", freut sich Flitsch. Denn die Empfehlung komme ja von der JVA. Wie viele Häftlinge er mittlerweile betreut hat? "Gezählt habe ich nicht. Aber es sind ja immer mehrere parallel." Über Enttäuschungen spricht er nicht: "Es besteht immer die Hoffnung, dass jemand wieder Fuß fasst."

Vorgeschlagen hat die JVA-Leitung auch Regina Tschirner, Sozialbetreuerin vom Arbeitskreis Resiozialierung (ak reso). Die 58-Jährige bereitet Häftlinge auf ihre Entlassung vor. Dazu gehören Gruppenstunden mit Gefangenen in der Anstalt, wo es um verschiedene Themen, beispielsweise um das Wohnen in einem Projekt oder aber in den eigenen vier Wänden, geht. "Ich begleite Insassen dann auch zu Ämtern, ihren Familien oder bin bei Wohnungsbesichtigungen dabei." Keine Angst, dass dabei etwas passiert? "Wenn man Angst hat, darf man das nicht machen. Bislang waren immer alle nett und höflich. Sie wollen ja etwas von mir!"

"Die Lobby, die Gefangene haben, ist sehr klein"

Schon seit fast 15 Jahren engagiert sich Dieter Jungandreas ehrenamtlich in der Straffälligenhilfe. "Die Lobby, die Gefangene haben, ist sehr klein", meint der Senior. Zunächst als Betreuer von Insassen aktiv, leitet der frühere Deutschlehrer seit 2008 ein besonderes Projekt: die vom ak reso herausgegebene Knastzeitschrift Aufschluss. In den 22 Jahren seines Erscheinens drohte dem Blatt schon öfter das Aus, es konnte in letzter Minute immer abgewendet werden. Regelmäßig hält Jungandreas Redaktionssitzungen in der JVA ab - mit schreibenden Häftlingen. "Ich frage nie, was jemand auf dem Kerbholz hat. Bin ich länger mit ihm im Gespräch, erzählt er es von allein." Und macht er weiter? "Selbstredend", zumal er mit Ehrenamtlerin Carina Krause, einer Hirnforscherin, nun eine "tolle Unterstützung" habe.

Laut Justizministerium sind derzeit 438 Bürger ehrenamtlich in Sachsens Gefängnissen tätig, teils in Vereinen organisiert, teils ohne Trägerverein aktiv. "Zusätzlich eröffnen sie den Gefangenen mit ihren Lebenserfahrungen, ihrem Wissen sowie den eigenen Werten und Normen weitere Sichtweisen und neue Perspektiven", so Justizminister Jürgen Martens (FDP). 50 Personen wurden ausgewählt, die "bereits über längere Zeit regelmäßig und mit besonders hohem Zeiteinsatz im Justizvollzug mitarbeiten", so Ministeriumssprecherin Birgit Eßer-Schneider. Ihren Worten zufolge handelte es sich jetzt um "die erste offizielle Dankveranstaltung". Sie soll künftig alle drei Jahre stattfinden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.07.2014

Sabine Kreuz

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