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Lokales Ausbau des Lindenauer Hafens in Leipzig wird teurer – bisher kein Grundstück verkauft
Leipzig Lokales Ausbau des Lindenauer Hafens in Leipzig wird teurer – bisher kein Grundstück verkauft
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15:58 05.05.2015
Blick auf die Großbaustelle am Lindenauer Hafen in Leipzig. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Deshalb müsse etwa eine Million Euro mehr ausgegeben werden. Auch bei der Entschlammung des 70 Jahre alten Hafenbeckens traten unvorhergesehene, kostspielige Probleme auf. Nicht zuletzt hat sich auch beim Verkauf der Grundstücke im neuen Stadtteil bisher offenbar nicht den gewünschten Erfolg eingestellt. Eine neue Marketingoffensive soll aber die Wende bringen.

Mehr als 19 Millionen Euro wird der Umbau des Hafens zu einem exponierten Umfeld für 500 Wohnungen, Gastronomie und Gewerbe nach aktuellen Berechnungen des Dezernats von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) wohl insgesamt kosten. Ein Großteil der Arbeiten ist bereits bezahlt, gut ein Drittel des Geldes kam aus Fördertöpfen von Bund und EU. Zuletzt wurde der Karl-Heine-Kanal ans Gewässer angeschlossen, seit Anfang des Jahres wird geflutet, im Sommer soll der Hafen dann auch per Boot erreichbar sein.

60.000 Tonnen Ablagerungen – Schadstoffe im Boden

Aufgrund instabiler Bodenverhältnisse waren Durchstoß und Verlegung der Leitungen aber offensichtlich komplizierter als gedacht. Spundbohlen gingen im Morast verloren, dafür fanden die Bauarbeiter ungeahnte Betonfundamente. Den größten Anteil der Zusatzkosten verursachten aber etwa 60.000 Tonnen Ablagerungen im Erd- und Wasserreich – darunter Bahnschwellen, Dachpappen und Rückstände von Heizöl, Lösungsmitteln und Kraftstoffen. Das Gefundene muss umweltgerecht entsorgt werden – und das kostet extra. Dass letztlich nur knapp eine Million Euro zusätzlich notwendig werden, daran haben Einsparungen beim Bau der Brücke ihren Anteil, heißt es.

Leipzig. Der Umbau des Lindenauer Hafens wird für die Stadt Leipzig teurer als geplant. Laut Stadtverwaltung verläuft die Anbindung des Gewässers an den Karl-Heine-Kanal nicht ohne Schwierigkeiten. Deshalb müsse etwa eine Million Euro mehr ausgegeben werden. Auch beim Verkauf der Grundstücke im neuen Stadtteil hat sich bisher nicht der gewünschten Erfolg eingestellt.

Die belasteten Untergründe im zwischen 1932 bis 1943 angelegten Hafenbereich verdoppeln zudem auch die Kosten der Entschlammung des Beckens – damit hier künftig auch die kleine Marina angesteuert werden kann. Auf einer Fläche von gut 2700 Quadratmetern vis-à-vis zum „Leikra“-Silo wurden diverse Schadstoffe analysiert, die nun gehoben und entsorgt werden müssen. Weil im Hafenbecken auch Rückstände aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden, müssen die im April begonnenen Baggerarbeiten durch Kampfmittelexperten begleitet werden. Darüber hinaus leben im Hafenwasser offenbar schützenswerte Tiere, wie Flusskrebse und Muscheln. Diese müssten nun händisch geborgen werden, so die Stadtverwaltung. Damit das finanzielle Mehr in diesem Bereich nicht auch noch auf die Stadtkasse drückt, wird der Straßenbau zur Marina vorerst ausgesetzt.

Verhandlungen mit Investoren vorerst geplatzt – neues Marketingbudget

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben – so lautet offenbar auch die Devise bei den kommunalen Einnahmen im Stadtteil. Laut der ursprünglichen Pläne sollten 2015 bereits die ersten Grundstücke verkauft sein und so 1,5 Millionen Euro in die Stadtkasse wandern. Bisher konnte aber noch kein Geschäft abgeschlossen werden. „In den Verhandlungen hat es sowohl schnell Rücktritte einzelner Investoren gegeben als auch Bieter, die über lange Zeit nicht konstruktiv an den Vertragsinhalten mitgearbeitet haben, sodass die Stadt die Verhandlungen abbrechen musste“, so die Stadtverwaltung.

Als Grund für das Scheitern werden im Neuen Rathaus auch vermeintlich hohe Anforderungen an die Käufer genannt. Denn nach dem Willen der Kommune soll sich der neue Premium-Stadtteil im Westen Leipzigs neben qualitativ hochwertiger Architektur, Nachhaltigkeit und Energieeffizient auch durch ein hohes Maß an Vielfalt auszeichnen. Unter anderem werden deshalb auch Gespräche mit Selbstnutzern geführt – und das gefällt offenbar nicht jedem Großinvestor.

Mit leicht veränderten Ansprüchen hofft die Kommune, bis 2020 doch noch alle Grundstücke am Hafen verkaufen zu können. Insgesamt 7,7 Millionen Euro sind bereits fest eingeplant. Damit der Rubel baldigst rollt, soll eine neue Vermarktungsoffensive nun auf die Tube drücken – die kostet 1,5 Millionen Euro. Beteiligt werden am Vermarkten auch Experten der französische Geschäftsbank „BNP Paribas“ mit Sitz in Frankfurt/Main. Denn schließlich seien auch bisher einige der potentielle Käufer schon überregional gefunden worden.

Das Interesse sei zumindest nicht rückläufig, auch die aufgerufenen Verkaufspreise hätten die bisherigen Interessenten nicht als zu hoch eingestuft, hieß es. Mittlerweile liegen laut Dezernat von Dorothee Dubraufür für zwei Flächen unterzeichnete Reservierungsvereinbahrungen vor, für zwei weitere seien Verträge in Vorbereitung. Sollte der nun eingeschlagene Weg trotzdem wieder scheitern, soll nach dem 30. Juni 2016 über eine grundsätzliche Änderung der Strategie nachgedacht werden. Am 20. Mai dieses Jahres hat zumindest der Stadtrat noch das Wort. Die Ratsdamen und -herren beraten dann über die aktuelle Entwicklung.

Matthias Puppe

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