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Lokales Ausfall der Anzeigetafeln am Hauptbahnhof Leipzig wegen Cyber-Attacke
Leipzig Lokales Ausfall der Anzeigetafeln am Hauptbahnhof Leipzig wegen Cyber-Attacke
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09:58 13.05.2017
Auf dem Leipziger Hauptbahnhof sind die Anzeigetafeln ausgefallen. Quelle: dpa
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Leipzig - 

Die weltweiten Cyber-Attacken haben am Hauptbahnhof Leipzig für einen Ausfall der digitalen Anzeigetafeln gesorgt. Das sogenannte Reiseinformationssystem war am Samstagmorgen nahezu vollständig betroffen. Nur der Hinweis „Bitte Aushangfahrplan beachten“ war auf den sonst blauen Tafeln zu lesen. Zudem informierte die Bahn mit Lautsprecherdurchsagen die Reisenden über eine „technische Störung“. Einschränkungen im Zugverkehr gab es nach Angaben der Deutschen Bahn nicht. Der Nah- und Fernverkehr sowie die S-Bahnen rollten planmäßig, sagte ein Bahnsprecher am Samstag.

Videoüberwachung auch betroffen

Der Angriff hat auch die Technik der Deutschen Bahn zur Videoüberwachung getroffen. Dies teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage in Berlin mit. Die Bahn stellt diese Technik für die Bundespolizei bereit. Die Computernetze der Bundespolizei selbst waren nach Angaben des Sprechers von den Angriffen aber nicht betroffen. Auch für die Bundesregierung und andere Bundesbehörden sei dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt auszuschließen, hieß es.

Ein Trojanerangriff im Bereich der DB Netz AG hatte für Systemausfälle in verschiedenen Bereichen gesorgt, wie die Bahn in einer am frühen Morgen verbreiteten Mitteilung erklärte. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die Störung zu beheben. Noch bis zum Nachmittag könne es zu Beeinträchtigungen kommen.

Seit Freitag waren weltweit Zehntausende Computer von einer groß angelegten Attacke mit sogenannten Erpressungstrojanern betroffen. Die Schadsoftware verschlüsselt die Rechner und fordert Lösegeld, um sie wieder freizugeben.

Forscher stoppt die Attacke

IT-Forscher haben in der Nacht zu Samstag eine weitere Verbreitung des Trojaners gestoppt. Der Betreiber des Blogs „MalwareTech“ fand nach eigenen Angaben einen Web-Domainnamen im Computercode der Schadsoftware und registrierte ihn. Offensichtlich sei die Domain von den Angreifern als eine Art Notbremse für ihre Software gedacht gewesen, erklärte Ryan Kalember von der IT-Sicherheitsfirma Proofpoint der Zeitung „Guardian“. Die Registrierung durch „MalwareTech“ dämmte die Attacke ein, auch wenn sich damit für bereits befallene Rechner nichts änderte.

Auch die IT-Sicherheitsfirma Malwarebytes stellte fest, dass mit der Anmeldung der Domain die Ausbreitung des Erpressungstrojaners gestoppt wurde. Der Sicherheitsforscher von „MalwareTech“ selbst räumte ein, dass ihm anfangs nicht bewusst gewesen sei, dass er mit dem Schritt die Attacke abwürgen würde. Er sei ein „Held durch Zufall“, erklärte auch Kalember von Proofpoint.

Von LVZ

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