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Ausflüge in die Geburtsstadt

Ausflüge in die Geburtsstadt

Bombenangriffe auf Wohn -und Industriegebiete im Leipziger Westen und Süd Westen am 20. Februar 1944 verschonten auch die Könneritzstraße nicht. Zwischen 3.15 und 4.20 Uhr warfen rund 700 Bomber etwa 2300 Tonnen Bomben ab, wobei das Nebenhaus meiner Eltern getroffen wurde.

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Wolfgang Börner mit Schwester Marita im Juli 1955 auf der Weißen Elster in Leipzig.

Quelle: Privat

Leipzig. Und auch das etwa 100 Meter Luftlinie gelegene "Häuschen" meiner Großeltern in der Pistorisstraße schien nicht den nötigen Schutz für mich zu bieten.

Und so kam es, dass ich zu meinen Großeltern mütterlicherseits auf das Land, einem Dorf im heutigen Burgenlandkreis gelegen, gebracht wurde. Hier wuchs ich auf und hier begann mein Lebensweg. Leipzig - meine Geburtsstadt - allerdings, prägte doch für mich eine glückliche Kindheit und die Erinnerungen an damals.

1946 konfiszierte die sowjetische Militäradministratition den Pkw meines Großvaters. Ich saß mit in diesem Auto, als man uns auf der Elsterbrücke aussteigen ließ. Wir sahen das Auto nie wieder. Meine Großeltern betrieben in Schleußig einen "Gemüseladen". Behütet auf dem Lande mit ausreichend Nahrung aus Hof und Garten meiner dortigen Großeltern, fiel es mir nicht schwer, meinem "Leipziger Opa" hin und wieder in die Markthalle zum Heranschaffen des täglichen Obstes und Gemüses zu begleiten. Ein Dreirad (Fahrzeug auf drei Rädern) diente als Transportmittel. Und mit diesem fuhren wir auch aufs Land, um Obst und Gemüse aufzukaufen. Beeindruckend war schon dabei die Besieglung eines Kaufpreises mit Handschlag. Aber auch, dass oft Waren mit Hausrat (Bettwäsche und Kleidungsstücken) bezahlt wurden.

Als "Nicht-Städter" hatte ich in Leipzig auch Freunde, wahrscheinlich deshalb, weil es im Gemüseladen immer etwas zu essen gab. Dennoch, wir spielten auf der Pistorisstraße Hasche und Verstecken in Häuserruinen, bestritten Rollerrennen am Scheibenholz und verdienten uns etwas Taschengeld in der Sportanlage Pistorisstraße als "Balljungen" beim dortigen Tennis-Club.

Neu war für mich das Straßenbahn- und Omnibusfahren. Deshalb, weil der Fahrer der Straßenbahn mit seinem rechten Fuß die "Bimmel" zur Ankündigung der Fahrt bediente. Und die "Schaffnerin" drängelte sich mit ihrer "Kassierertasche" umgehängt durch die überfüllte Bahn und kündigte die "nächste Haltestelle" an. Im Omnibus auf der Linie Antonienstraße-Kurt-Eisner-Straße durfte ich manchmal stundenlang neben dem Fahrer stehen, er war schließlich mein Onkel Arthur. Auch nach "dreimal donnern" und danach barfuß laufen, gehörte für uns Kinder in der Stadt zum Alltag.

Der Tauchsche, ein Stadtfest im nahen Taucha, bei dem man sich verkleidet zeigen konnte und das seine Wurzeln im Mittelalter hatte und an den Pflaumenmarkt um 1600 erinnerte, war für mich "Dorfjungen" ein besonderes Erlebnis. Ich als Trapper angezogen konnte an so einem Umzug teilnehmen, der stets am letzten Wochenende im August stattfand.

Auch Jungenstreiche gehören zur Erinnerung an damals. Wir Jungen besuchten einmal das Fischgeschäft Ratzmann in Schleußig. Auf die Frage "Haben Sie Eisbeine?" und die Antwort "Nein!" folgte unsere Antwort "Dann ziehen Sie warme Schuhe an". Prompt wurden wir aus dem Laden gejagt. Zoobesuche in den späteren Jahren, auch mit meiner Schwester Marita, gehörten dann schon zu den "gesitteten" Ausflügen in die Stadt Leipzig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2014

Wolfgang Börner

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