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Lokales Ausstellung eröffnet: Asisi zeigt Titanic-Wrack in 3800 Metern Tiefe
Leipzig Lokales Ausstellung eröffnet: Asisi zeigt Titanic-Wrack in 3800 Metern Tiefe
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12:06 30.01.2017
Yadegar Asisi vor dem neuen Titanic-Panorama. Quelle: Kempner
Leipzig

Das Wasser konnte gewissermaßen gleich drin gelassen werden im früheren Gasometer, doch sonst ist alles anders: Vom Great Barrier Reef im warmen Pazifik geht es diesmal in den eiskalten Nordatlantik, von wenigen Metern unterm Meeresspiegel ganz hinunter zum Meeresgrund in 3800 Metern Tiefe. Dorthin, wo seit 1912 die Titanic liegt – zerbrochen in zwei Stücke. Schöpfer Yadegar Asisi will im Rundbild und der Rahmenausstellung zwei Gegensätze zusammenbringen: Euphorie und Tragödie der Moderne, menschliche Selbstüberschätzung und die Urgewalt der Natur, die darauf mit einem müden Lächeln antwortet. Denn sie verleibt sich das gescheiterte technische Wunderwerk in aller Stille ein, nicht anders als ein Walskelett.

Menschen werden nicht gezeigt, Tote gibt es nirgends zu sehen. Die Musik des Londoner Komponisten Eric Babak – eine fünfzehnminütige Schleife – lässt erahnen, dass der Dampfer für kurze Zeit ein Ort fröhlicher Geselligkeit war, mit Partygeplauder, Kinderstimmen und Gläserklirren. Dann kommt der große Rumms, und danach folgen Melancholie und mystische Klänge. Eingespielt wurde die Musik von einem Orchester in Mazedonien. Dazu werden verschiedene Lichtstimmungen erzeugt, werden Details für einige Momente herausgehoben.

„Vor sechs oder sieben Jahren kam ich auf die Warteliste, um mit einem russischen U-Boot zum Wrack zu tauchen“, erzählt Asisi. Doch seitdem fanden keine Tauchfahrten mehr statt. Somit hat der 61-jährige Maler und Architekt das Wrack nie mit eigenen Augen gesehen. Das macht aber nichts: Mit Hilfe von „abertausenden Fotos“, mit Original-Bauzeichnungen aus dem Reederei-Archiv in Belfast (die erstmals veröffentlicht werden) und mit Titanic-Experten weltweit baute sein Team ein 3D-Modell am Computer nach. Auf dieser Grundlage entstand das Rundbild. Der Schöpfer erlaubte sich den Kunstgriff, eine Fläche von etwa 500 Quadratmetern auf dem Meeresgrund zu beleuchten, wo es eigentlich stockfinster ist.

Titanic - neue Ausstellung im Panometer

Der Betrachter sieht das Wrack von außen. Seit dem Untergang sind Jahrzehnte vergangen. Der Luxusdampfer ist verwittert, von Plankton überzogen, versandet und in den Meeresgrund eingesunken. Im weiten Kreis verstreut liegen herausgerissene Teile: Lukendeckel, Anker, Kessel, Turbine, Gitter. Auf der untersten Ebene erkennt man auch persönliche Dinge: einen Schuh, mehrere Ledertaschen, Teile einer Puppe, Tellerstapel, einen Kochtopf, eine Gabel. Alles ein wenig unscharf, denn im Wasser sieht man keine klaren Bilder. Verblüffender optischer Effekt übrigens: Das Gasometer-Gebäude ist nach außen gewölbt, das Schiffswrack wirkt auf dieser Unterlage aber nach innen gewölbt.

Rund um das Wrack allerdings, und das ist bei Asisis Panoramen ungewohnt, ist: viel Nichts. Wasserbläschen (woher kommen die eigentlich in dieser Tiefe?), die man meditativ betrachten kann, aber nicht muss. Erstmals füllt das Objekt nur einen Teil des Bildes aus. Der Künstler spricht davon, hier ein „neues Kapitel der Panoramen“ zu beginnen, einen Zustand des Innehaltens zu erzeugen. So ein Gewusel wie beim Völkerschlacht-Panorama, das mit all seinen Geräuschen und seinem Licht fast schon wie ein Bewegtbild wirkte, gibt es hier nicht.

Sehen Sie hier Bilder von der Eröffnung des "Titanic"-Panoramas im Panometer Leipzig und blicken Sie in die begleitende Ausstelllung.

Yadegar Asisi will in den nächsten fünf Jahren noch einige gegensätzliche Themen umsetzen: den 11. September, ein Naturpanorama aus der Antarktis und nicht zuletzt das Kreuchen und Fleuchen in einem Leipziger Garten – in Carolas Garten, gewidmet einer verstorbenen Mitarbeiterin.

Die Ausstellung „Titanic – das Versprechen der Moderne“ startet am 28. Januar 2017. Panometer Leipzig, Richard-Lehmann-Straße 114.

Kerstin Decker

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