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Lokales Ausstellung in Leipzig: Schöner, als die DDR jemals war
Leipzig Lokales Ausstellung in Leipzig: Schöner, als die DDR jemals war
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08:11 18.07.2016
Im letzten Raum des Museums haben die DDR-Größen ihren letzten großen Auftritt. Auch Stasi-Parolen und Propaganda-Material werden gezeigt. Erklärungen oder Einordnungen aber fehlen.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Einen eigentümlichen Blick auf die DDR wirft eine Schau, die am Sonnabend in Steibs Hof in der Nikolaistraße 28-32 ihre Pforten öffnete: Neben einer Fülle von DDR-Alltagsgegenständen sind auch Kampflosungen der Stasi, Uniformen und Auszeichnungen von Grenzsoldaten sowie DDR-Propaganda zu sehen – alles unkommentiert. Die Inhaberin des neuen Nostalgie-Museums betont, dass dies gewollt ist. „Wir sortieren nichts aus“, sagt Nancy Häger. „Wir zeigen alles, was es in der DDR gab.“

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30.000 Exponate, vom Reinigungsmittel bis zur Honecker-Biografie: In der Leipziger Nikolaistraße hat am Sonnabend eine Ausstellung eröffnet, die den Blick auf den Alltag zu DDR-Zeiten wirft.

Bis kurz vor der Eröffnung wurde noch eifrig an dem Museum gearbeitet. Familienmitglieder der Inhaberin waren aus ganz Deutschland angereist, um die Übersiedlung der 30 000 Exponate aus Brandenburg an der Havel in Steibs Hof möglich zu machen. Als die Pforten pünktlich um 14 Uhr öffneten, war das Museum binnen kurzer Zeit gut gefüllt.

Die Besucher werden gleich hinter der Kasse von alten Motorrollern aus den 50er- und 60er-Jahren empfangen, die das Herz jedes Oldtimer-Fans höher schlagen lassen. Daneben gibt es DDR-Plakate, die zu hohen Leistungen aufrufen, Fotos von alten Straßenzügen und Dokumente aus DDR-zeiten – zum Beispiel kleine vorgedruckte Aus- und Einreiseformulare. Mancher Besucher reibt sich verblüfft die Augen. War das Aus- und Einreisen in der DDR wirklich so ein Kinderspiel gewesen? Erklärungen dazu gibt es nicht. Auch Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl werden nicht thematisiert.

Wer ins Untergeschoss hinabsteigt, reibt sich erneut überrascht die Augen: Die Fülle von Spielgeräten – vom Raupenschlepper bis zum Spielzeug-Indianer – ist atemberaubend. Auch mehrere NVA-Panzer recken ihre Plastikkanonen in die Höhe. DDR-Kinder müssen gar nicht gewusst haben, womit sie zuerst spielen sollen.

Bei den Haushaltsgegenständen ist ebenfalls fast alles zu sehen, was es in der DDR gab – vom Reinigungsmittel ATA über Waschmaschinen bis hin zur elektrischen Kaffeemühle. DDR-Mopeds, MZ-Motorräder und eine Schau aus Fotokameras runden die Etage ab. „Ihr hattet doch alles“, kommentiert eine Frau aus Westdeutschland verblüfft die Sammlung. Erläuterungen zur Mangelwirtschaft in der DDR? Fehlanzeige.

Wer sich in den letzten Raum des kleines Museums vorgearbeitet hat, wird vollends in eine unwirkliche Welt versetzt: Erich Honecker, Walter Ulbricht und andere Polit-Größen lächeln huldvoll auf lebensgroßen Farbfotos; wer will, kann in Honeckers selbst geschriebener Kämpfer-Biografie „Aus meinem Leben“ blättern. Und über ein Dutzend DDR-Uniformen – zum Beispiel von Grenzsoldaten und Kampfgruppen-Männern – hängen blitzsauber und mit akkurat geputzten Schützen-Auszeichnungen auf Kleiderständern. Auch große Warnschilder sind zu sehen, auf denen „Halt, Staatsgrenze“ steht oder „Sperrgebiet, Unbefugten ist das Betreten, Befahren und die bildliche Darstellung verboten“. Erklärungen oder Einordnungen? Fehlanzeige.

An der gegenüberliegenden Wand senden sogar Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit einen letzten Gruß an uns Heutige: „Vorwärts mit neuen Tschekistischen Taten zum X. Parteitag der SED“ ist dort zu lesen.

Die meisten Besucher stört dies am ersten Öffnungstag nicht sonderlich. „Das gehörte doch auch zur DDR“, meint zum Beispiel die 66-jährige Sabine Rabe aus Leipzig. Die Parole der Stasi-Leute hatte sie gar nicht wahrgenommen. „Wer waren denn Tschekisten?“, fragt sie. Im Museum wird auch das nirgendwo erklärt.

Nancy Häger, die Ausstellungsmacherin, weiß, wer die Tschekisten waren. Sie zeige diese Dinge deshalb auch nicht im Eingangsbereich ihres Museums, sondern in dessen letztem Raum, sagt die
32-Jährige. Aber eigentlich gehe es in ihrer Schau „gar nicht um politische Themen“. Deshalb stehe auch nirgends, ob sie etwas gut oder schlecht finde. „Mir geht es auch nicht um die Sehnsucht nach der DDR“, betont die private Museumsbesitzerin. „Ich will nur bewahren, wie es früher in der DDR aussah.“ Besucher sollten Dinge entdecken, an die sie schon gar nicht mehr gedacht haben.

Von Andreas Tappert

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