Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Babyboom sorgt für Warteschlangen bei Leipziger Kinderärzten
Leipzig Lokales Babyboom sorgt für Warteschlangen bei Leipziger Kinderärzten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:41 04.04.2018
Kinderarzt Michael Rohlfing (34) untersucht den kleinen Nico, der mit seiner Mutter Doreen Maier (32) zur Unter­suchung gekommen ist. Wie überall in Leipzig herrscht auch in der Kinderarztpraxis von Dr. Teichmann in der Riebeckstraße 65 Hochbetrieb. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

 In Leipzig kommen immer mehr Babys zur Welt: 6976 Kinder wurden vergangenes Jahr hier geboren – 103 mehr als 2016 und so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Eine Folge dieser erfreulichen Entwicklung sind rappelvolle Wartezimmer bei den Kinderärzten. Rechnerisch ist die Versorgung ausreichend, doch die Praxis sieht anders aus.

Statistik trifft auf Realität

Der Versorgungsgrad wird nach einem Schlüssel ermittelt, den der Gemeinsame Bundesausschuss festlegt. In ihm sind Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und die gesetzlichen Krankenkassen vertreten. So liegt der Versorgungsgrad bei den Kinderärzten in der Stadt bei knapp über 110 Prozent. Ab 110 Prozent ist von Überversorgung die Rede; es werden keine neuen Kinderärzte zugelassen. „Das rechnerische Ergebnis spiegelt sich so leider in keiner Weise in der Realität wider“, sagt Marcus Langhammer, Vorsitzender des Leipziger Vereins Kinderärztenetz. Wer im August entbindet, muss sich in seiner Praxis bereits jetzt für die folgenden Vorsorgeuntersuchungen des Säuglings anmelden, berichtet der Kinderarzt. Es gebe aber auch Kollegen, die gar keine neuen Patienten mehr aufnehmen können.

Säuglinge brauchen mehr Sprechstundenzeit

Mehr zum Thema

Termin-Stau in der Kinderarzt-Praxis

Die Engpässe entstehen, weil durch die vielen Geburten mehr Säuglinge und Kleinkinder in die Praxen kommen. Die brauchen mehr Zeit, weil sie öfter krank werden und mehr Vorsorgen und Impfungen als Ältere erhalten. Auch der starke Zuzug junger Familien sorgt für Nachfrage. Ein Teil der Praxen sei durch eine Spezialisierung zudem kaum oder gar nicht an der Grundversorgung beteiligt, erklärt Langhammer. Diese Spezialsprechstunden seien notwendig, da die Kliniken den Bedarf nicht decken könnten, andererseits würden diese Praxen aber voll der Grundversorgung zugerechnet. Schließlich seien die Aufgaben für niedergelassene Kinderärzte „deutlich gestiegen“: durch mehr Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen oder geforderte Gesundschreibungen durch Kindergärten. Schließlich seien mehrere Kinderarztsitze zentralisiert in Medizinischen Versorgungszentren zusammengefasst, worunter die flächendeckende Versorgung in der Stadt gelitten habe.

Kassenärztliche Vereinigung schafft 1,25 zusätzliche Stellen

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) ist das Problem bekannt, wie der Vorstandsvorsitzende Klaus Heckemann erklärt. Noch zum 1. Januar habe der Versorgungsgrad bei 108,6 Prozent gelegen. Daraufhin seien 1,25 Kinderarztstellen neu dazugekommen – und der Versorgungsgrad auf knapp über 110 Prozent gestiegen. Damit ist das Fenster für weitere Zulassungen wieder zu. Die Vorgaben zur Zulassung seien verbindlich und könnten nur durch den Bundesausschuss oder den Gesetzgeber geändert werden. Mit den Kassen sei aber bereits eine zusätzliche Honorierung der ersten Neugeborenen-Untersuchungen vereinbart worden. Ziel sei, dass Kinderärzte mehr Zeit für Kleinkinder zur Verfügung stellen. Es sei vertretbar, wenn ältere Kinder auch schon vor dem 18. Lebensjahr durch Hausärzte behandelt würden. Heckemann räumt ein, dass in Leipzig wegen der Geburtenentwicklung ein „wirkliches Sonderproblem“ vorliege. Die Größe dieser Patientengruppe sei aber unbeständig, daher könne man nicht einfach mehr Stellen schaffen. Wenn dann die Geburtenzahl wieder sinke, hätte man mit Überkapazitäten zu tun.

Von Björn Meine

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Robert-Schumann-Gymnasium ist jene Leipziger Bildungsstätte, für die sich die meisten Fünftklässler fürs kommende Schuljahr angemeldet haben. Am 24. Mai erhalten die Eltern Bescheid, an welcher Schule ihr Kind unterrichtet wird. Die LVZ zeigt, welche Bildungseinrichtungen am beliebtesten sind. 

06.04.2018
Lokales Deutschlandweites Ranking - Leipzigs Stadtkonzern nur im Mittelfeld

Wir sind groß, wir sind stark – so etwa sich Leipzigs Stadtkonzern LVV. Doch die stadteigene Holding ist nur Mittelmaß. Das geht aus einem internen Vergleich hervor, den die LVV bislang unter Verschluss hält. Das brisante Papier liegt der LVZ exklusiv vor.

06.04.2018

Leipzig wächst zu Lasten des Hinterlands. Die HTWK Leipzig ist mit dem Projekt „Smart Osterland“ in die Finalrunde des Wettbewerbs „WIR – Wandel durch Innovation in der Region“ eingezogen. In dem Projekt sollen die Beziehung zwischen Leipzig und der umgebenden Region besser gestaltet werden.

04.04.2018