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Lokales Baden, Segeln, Fischen – die Geschichte des Elsterstausees
Leipzig Lokales Baden, Segeln, Fischen – die Geschichte des Elsterstausees
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10:03 05.12.2018
Die erste Badesaison nach Eröffnung des Strandbades 1947. Das Bild stammt aus dem neuen Buch "Der Leipziger Elsterstausee" von Pro Leipzig. Quelle: Pro Leipzig
Leipzig

Als Gewässer ist er längst beerdigt. 2007 beschloss der Stadtrat sein endgültiges Aus, bevor er zuvor bereits viele Jahre trocken lag. Wo der Elsterstausee zum Baden und Fischen einlud, entsteht künftig ein land- und forstwirtschaftlich geprägter Natur- und Erholungsraum. Damit scheiterten auch die Bemühungen des Fördervereins, diesen einst beliebten Leipziger See zu retten. Erzählt wird seine facettenreiche Historie nun im neuen Buch „Der Leipziger Elsterstausee – Seine Geschichte vom Anfang bis zum Ende“, das der Verein Pro Leipzig gemeinsam mit dem Förderverein herausgegeben hat.

Erstflutung im Dezember 1937

Für viele Leipziger war der Elsterstausee das Ziel ihrer „maritimen Wünsche“, bevor im Jahr 1973 der Kulkwitzer See und nach der Expo 2000 auch der Cospudener See und die weiteren Tagebauseen hinzukamen. Begonnen hat die Geschichte des künstlich angelegten Sees 1929. Warum der gebraucht wurde, um den damals „verwilderten“ Elsterlauf zu regulieren und Sand- und Geschiebemassen zu minimieren, beschreibt Thomas Nabert, einer der Autoren, ausführlich. Die Erstflutung war übrigens am 19. Dezember 1934. Die gigantische Flussreinigungsanlage für die Elster – ein Projekt aus dem Ruhrgebiet stand quasi Pate – funktionierte.

Der künstlich angelegte Elsterstausee ist Geschichte. Ein neues Buch von Pro Leipzig und vom Förderverein Elsterstausee erinnert an Anfänge und Rettungsversuche.

Ausflügler kamen in Scharen, um sich zu erholen. Doch es dauerte, bevor Bänke aufgestellt wurden und eine Gaststätte öffnete. Die Eröffnung des Strandbades folgte erst nach dem Krieg – was angesichts vieler Großprojekte im Nationalsozialismus wie Elster-Saale-Kanal mit Lindenauer Hafen oder Wagner-Nationaldenkmal auch am fehlenden Geld lag. Im Frühsommer 1937 siedelten sich allerdings die ersten Segler an.

Erste Badesaison im Sommer 1947

Die Bilder von der ersten Badesaison im Sommer 1947 zeigen, dass es die Leipziger zuhauf in diese Naturoase gezogen hat. Auch später gab es bei den Segelregatten sowie beim Besteigen des Passagierschiffs „Freundschaft“ viel Gedränge. Und der See schrieb auch Lyrikgeschichte, bei einer illegalen Lesung am 26. Juni 1968 nach der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli.

Erstaunlich: die Geschichte der Fischzucht ab 1940. So sind zu DDR-Zeiten jährlich beispielsweise 250 bis 300 Tonnen Karpfen gefangen worden. Zwischen 1976 und 1982 wurde der Stausee regelrecht halbiert – für die Ausbreitung des Braunkohlentagebaus Zwenkau. Mittels eines Dammes wurde die südliche Hälfte abgetrennt. Der See verlor seinen Elsterzufluss und war fortan auf eine Wassereinspeisung aus dem Tagebau angewiesen.

Menschenkette als Rettungsversuch

Das wurde ihm später zum Verhängnis, 2003 zog sich die Stadt Leipzig wegen zu hoher Kosten als Betreiber zurück. Bis 2008 sprang die Gemeinschaft der Angler und Fischer ein. Erzählt wird in dem reich bebilderten Buch auch, wie Mitstreiter des Fördervereins Elsterstausee um die Sicherung des Wasserzuflusses kämpften. So gab es im Juni 2008 eine Menschenkette, rund 200 Helfer schafften Eimer für Eimer Wasser aus der Weißen Elster in den See. Und es bleibt Wehmut und Schmerz, dass er aufgegeben wurde.

Buchpremiere im Gemeindehaus

Das Buch (168 Seiten, 240 Abbildungen) kostet 24 Euro. Premiere ist am 6. Dezember, 19 Uhr im Gemeindehaus der Kirchgemeinde Knauthain, Seumestraße 129.

Von Mathias Orbeck

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