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Lokales Bands verlassen Hupfeld-Center - Leipzigs größtes Probenzentrum aufgelöst
Leipzig Lokales Bands verlassen Hupfeld-Center - Leipzigs größtes Probenzentrum aufgelöst
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23:34 17.01.2010
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Leipzig

Lautsprecher, Verstärker, Gitarren, Schlagzeug: Die "Dark Suns" haben an diesem Wochenende ihr Equipment in etliche Koffer und Kisten verstaut. Und das Hupfeld-Center verlassen. "Dabei waren wir die erste Band, die hier vor acht Jahren einen Probenraum bezogen hat", erzählte der Sänger Nico. "Doch auf einmal die doppelte Miete zu zahlen, das können wir uns nicht leisten."

Die "Dark Suns" haben einen neuen Probenraum in der Saarländer Straße gefunden. Doch etliche andere der rund 50 Leipziger Bands, die in der 100 Jahre alten Fabrik in Böhlitz-Ehrenberg jeweils nach 18.30 Uhr den Verstärker aufdrehen konnten, wissen noch nicht, wie es weitergeht. "Alle haben zum 1. Februar die Kündigung erhalten", berichtete Jürgen Kasek, Stadtsprecher der Grünen, der im Hupfeld-Center abends Bass spielte. Mit der Band "Mourning Rise", die jetzt ebenfalls das Weite suchen muss. "Es ist wirklich schade, denn hier konnten viele junge Musiker nicht nur ungestört proben. Im Laufe der Zeit entstand auch ein reger Austausch zwischen den Bands. Außerdem existieren im Objekt mehrere gute Tonstudios. Etwas Vergleichbares wird sich in der Stadt nicht so schnell wieder finden."

Für zwei Zimmer zahlte "Mourning Rise" 160 Euro Miete im Monat - inklusive Heizung und Strom. Wenn Kaseks Band das neue Angebot akzeptiert hätte, wären es ab Februar 350 Euro "Grundmiete" gewesen. Dabei sind die jungen Leute, die dort abends Rock, Metal, Punk oder Ska üben, in aller Regel so knapp bei Kasse, dass sich zwei Bands einen Probenraum (plus Nebenraum als Lager und Schallschutz) teilten.

Ausgelöst wurden die Probleme durch die Pleite der traditionsreichen Klavierfabrik Pianoforte im vergangenen Jahr (die LVZ berichtete). Zwar gelang es Insolvenzverwalter Friedbert Striewe inzwischen, sämtliche Rechte und Patente zu den Marken Rönisch und Hupfeld an die Leipziger Klavierbauerfamilie Blüthner-Haessler zu verkaufen. "Gemeinsam mit meinen Bruder habe ich dafür eine neue Gesellschaft - die Karl Rönisch Pianoforte Manufaktur - gegründet", bestätigte Christian Blüthner-Haessler. "Diese Firma hat schon gut die Hälfte der Mitarbeiter aus Böhlitz-Ehrenberg eingestellt und wird in Störmthal weiter Instrumente unter dem Markennamen Rönisch fertigen." 1845 in Dresden gegründet und 1918 durch den Leipziger Unternehmer Ludwig Hupfeld übernommen, sei Rönisch heute immerhin die älteste Klavierbaumarke Sachsens.

Doch für die Eigentümer der riesigen Industriebauten an der Ludwig-Hupfeld-Straße, die 800 Räume und 19 000 Quadratmeter Fläche umfassen, versiegte mit der Pianoproduktion auf 5000 Quadratmetern auch die letzte große Einnahmequelle. "Mit der Miete von Pianoforte haben wir die Bands subventiert", erklärte Klaus Stuck vom bisherigen Eigentümer des Grundstücks, der es 1992 von der Treuhand erworben hatte. "Das mit den Bands hat auch uns viel Spaß gemacht. Zumal sich die IG Pop hier sehr engagierte. Doch letztlich war es für das riesige Objekt immer nur eine Notlösung, die nicht mal die Betriebskosten für Heizung und Strom deckte."

Ende Oktober 2009 haben Stuck und ein Mitgesellschafter das Hupfeld-Center verkauft. Neuer Eigentümer ist der Syrer Hamid Darwisch, der in Leipzig schon einige Immobilien besitzt. Alle Bands hätten die Kündigung erhalten und zugleich das Angebot für einen neuen Mietvertrag, sagte ein Mitarbeiter Darwischs der LVZ. Die neue Miete sei doppelt so teuer. "Auch das gilt aber nur für eine Übergangszeit von zwei Jahren. Wir müssen für das Objekt neue, gewerbliche Mieter finden. Die laute Musik würde dabei auf Dauer doch nur stören."

Jens Rometsch

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