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Lokales Bauboom in der Prager Straße: Diese Projekte gehen an den Start
Leipzig Lokales Bauboom in der Prager Straße: Diese Projekte gehen an den Start
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00:17 08.06.2016
So soll künftig das Technische Rathaus aussehen. Quelle: Homuth und Partner
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Leipzig

Die entscheidende Idee für das große neue Bauensemble am Ostplatz hatte der Leipziger Architekt Peter Homuth „etwas geklaut“. Das gibt er offen zu. Als vor drei Monaten die Londoner Stararchitektin Zaha Hadid verstarb (von ihr stammt in Leipzig das BMW-Werk), weilte Homuth gerade in Peking. Prompt fuhr er dort in den Osten der Metropole, wo Hadid eine öffentliche Platzfläche geschaffen hatte, indem sie einen Teil der Nutzungen unter die Erde verlegte und drei freistehende Häuser zur Begrenzung festlegte. „Das bunte Leben, dass ich auf diesem Platz gesehen habe, war einfach großartig.“

Homuth, dessen Büro in Connewitz steht, dürfte die Reise nun zu einem Hattrick verhelfen. Für die in Berlin und Leipzig ansässige CG-Gruppe, welche derzeit bundesweit Bauprojekte im Umfang von 1,8 Milliarden Euro entwickelt, kann er damit schon das dritte Großvorhaben entlang der Prager Straße verwirklichen. Alle drei befinden sich direkt nebeneinander. Jüngst fertiggestellt wurde das LKG-Carré in der Prager Straße 10-16 (335 Wohnungen plus Gewerbe, 63 Millionen Euro Investitionsvolumen). Nachdem die CG-Gruppe soeben mit der Stadt handelseinig über den Ankauf einer kleinen, aber wichtigen Arrondierungsfläche wurde, will sie in Kürze den Bauantrag für die Umgestaltung des früheren Technischen Rathauses einreichen, erklärt Vorstandschef Christoph Gröner. Gleichfalls nach einem Entwurf des Büros Homuth + Partner sollen dort ab Ende des Jahres vier Wohntürme herausgeschnitten werden (296 Wohnungen mit einem neuartigen Service-Konzept; Dienstleister, Handel und Gewerbe im Sockelbereich, 75 Millionen Euro Investitionsvolumen). Für den einstigen Speisesaal in dem benachbarten Quader arbeitet Gastronom Dietrich Enk an einem besonderen Konzept.

Als dritter Streich sind nun drei neue Häuser zwischen dem Quader sowie dem Ostplatz (Ecke Johannisallee) vorgesehen. Wie sich nach Abschluss des anonymisierten Architekturwettbewerbs mit fünf Büros herausstellte, hatte die Jury lange zwischen den Entwürfen von Kadawittfeld aus Aachen und Homuth geschwankt. „Die meisten anderen Arbeiten setzten auf eine ebenerdige Einkaufspassage“, berichtet der Leipziger Baumeister. Bei dem geplanten Drogerie- und Discountmarkt hätte das aber sicher triste Schaufensterfronten ergeben. „Deshalb haben wir auf dem Höhenniveau der Prager Straße einen öffentlichen Platz vorgesehen, der sich in Richtung der denkmalgeschützten Kleingartenanlage im Johannistal öffnet.“ Die zwei Märkte sollen ins Untergeschoss, das auf dem Höhenniveau der Kleingärten liegt. Dort habe die Kundschaft auch kurze Wege zur Tiefgarage.

Begrünte Dachterrassen für die künftigen Bewohner des Elf-, Sieben- und Fünfgeschossers sind weitere Merkmale des neuen Ostplatz-Ensembles, das 200 bis 250 Wohnungen und viel Gewerbe erhält (90 Millionen Euro Investitionsvolumen).

Daneben gibt es noch viele kleinere oder mittlere Projekte anderer Investoren. „An der zentralen Achse zwischen Stadtzentrum und Alter Messe erhalten jetzt viele Brachflächen eine neue Nutzung“, freut sich Baubürgermeisterin Dorothee Durbau (parteilos). Grundlage sei nach wie vor der erste Bebauungsplan, den der Stadtrat Anfang der 90-er Jahre nach bundesdeutschem Recht beschlossen hatte. Allerdings entstanden an der zu DDR-Zeiten völlig ruinierten Leninallee zunächst fast nur Büro-Häuser. Die Bautätigkeit verebbte, als der Büroleerstand überhand nahm.

Heute setze die Kommune stärker auf Wohnungen, eine urbane Mischung und mehr Grün. Zum Beispiel startet in der Prager Straße 27 jetzt gerade der Neubau eines kriegszerstörten Flügels vom Commerzbank-Haus (einst Sitz des Buch- und Kartenverlags Velhagen & Klasing). Dort errichten Schweizer Investoren 24 Wohnungen, so Architekt Manfred Denda. An der Ecke zur Talstraße baut die Leipziger Firma Wincon ab Juli 28 Wohnungen auf einer Brache des früheren Papierhandels „Sieler & Vogel“. Auf einer schon gerodeten Brachfläche am Abzweig zur Mühlstraße wollen Investoren aus Karlsruhe „ab diesen Sommer“ mehr als 350 privat bewirtschaftete Studentenapartments samt großzügiger Gemeinschaftsräume schaffen, erklärt ihr Sprecher Jan Herrmann. Zudem gibt es aktuelle Wohnungsbaupläne für mindestens drei weitere Brachflächen. In etwa fünf Jahren, so heißt es im Stadtplanungsamt, könnte der zentrumsnahe Bereich der Magistrale wieder geschlossen sein.

Jens Rometsch

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