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Baupläne für den Leuschnerplatz: Architekten legen Gegenentwürfe vor

Baupläne für den Leuschnerplatz: Architekten legen Gegenentwürfe vor

Leipzigs Stadtrat steht jetzt vor einer schwierigen Entscheidung. Es geht um nicht weniger als die Bebauung der letzten riesigen Brachfläche, die unmittelbar neben der City seit über 70 Jahren existiert: den Wilhelm-Leuschner-Platz.

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Der Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Schon im März sollen sich die Stadtratsfraktionen positionieren, ob sie den Bebauungsplan-Entwurf der Verwaltung mittragen oder ob sie einen neuen Anlauf bevorzugen.

Zwar herrscht bereits allgemeine Zustimmung zur Absicht der Bauverwaltung, einen Teil des sechs Hektar großen Areals noch in diesem Frühjahr wieder für Veranstaltungen nutzbar zu machen (die LVZ berichtete exklusiv). Doch wo und in welcher Größe dauerhaft neue Häuser, Straßen und Plätze entstehen, darüber wird aktuell sehr intensiv hinter den Kulissen diskutiert. Schon im März sollen sich die Stadtratsfraktionen positionieren, ob sie den Bebauungsplan-Entwurf der Verwaltung mittragen oder ob sie einen neuen Anlauf bevorzugen.

Leipzig. Leipzigs Stadtrat steht jetzt vor einer schwierigen Entscheidung. Es geht um nicht weniger als die Bebauung der letzten riesigen Brachfläche, die unmittelbar neben der City seit über 70 Jahren existiert: den Wilhelm-Leuschner-Platz. Schon im März sollen sich die Stadtratsfraktionen positionieren, ob sie den Bebauungsplan-Entwurf der Verwaltung mittragen oder ob sie einen neuen Anlauf bevorzugen.

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Der Entwurf der Kommune sieht neue Häuser nur auf der Ostseite des Leuschnerplatzes vor. Am Ring könnten ein Hochhaus (50 Meter) und Bürogebäude (etwa für die Universität) entstehen. Zwischen der verlängerten Leplay- und Brüderstraße wäre Raum für einen Nachfolger von Leipzigs alter Markthalle (in der Grafik oben rot). Richtung Windmühlenstraße bliebe ein Baufeld vor allem für Wohnungen. Der Entwurf der Kommune basiert auf einem Workshop-Verfahren mit breiter Bürgerbeteiligung im Jahr 2011. Er trägt den Titel "Esplanade", weil er im Westteil des Leuschnerplatzes sehr viel freie Fläche für Veranstaltungen vorsieht. Ursprünglich sollte dort ein Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen. Nach dem Aus für dieses Projekt haben die Entwurfsverfasser - die Professoren Petr Pelcak (Brünn) sowie Andreas Wolf (Leipzig) - jedoch Aktualisierungen eingepflegt. So gäbe es vor der Stadtbibliothek nun einen kleinen Park.

Aus Sicht vieler namhafter Architekten ist die "Esplanade"-Idee aber nicht mehr zeitgemäß. "Leipzig gehört heute zu den am schnellsten wachsenden Städten in Deutschland", sagt Adalbert Haberbeck vom Bund Deutscher Baumeister (BDB). "Eine Freifläche von der Größe eines Zeppelinfeldes wäre nicht nur eine Vergeudung von Bauland, sie würde auch der Entfaltung von vielfältigem städtischem Leben in dem Viertel entgegenstehen." Obendrein würde die Chance vertan, eine urbane Verbindung zwischen Südvorstadt und City zu schaffen.

Bei einem Fachkolloquium und einem Workshop im vergangenen Jahr hatten die wichtigsten Verbände der Leipziger Architektenschaft nicht nur Kritik an den Plänen der Verwaltung geübt. Sie erstellten zudem in sechs Arbeitsgruppen eigene Entwürfe, die die Bandbreite der Möglichkeiten verdeutlichen (siehe Grafiken links). Die Ergebnisse wurden nun allen Stadtratsfraktionen übersandt.

Einige Elemente ziehen sich durch alle Gegenentwürfe. So soll das historische Königsplatz-Oval vor der Stadtbibliothek zurückkehren. Haberbeck: "Mit 8000 Quadratmetern wäre der Königsplatz ebenso groß wie der Leipziger Markt, für Veranstaltungen also völlig ausreichend." Zumal dann auf dem Leuschner-Areal noch kleinere Binnenplätze vom Format des Naschmarktes oder des Nikolaikirchhofes unterkommen könnten. Auch wollen alle Gegenentwürfe den City-Tunnel-Ausgang ins Innere eines neuen Gebäudes an dieser Stelle verlegen.

Natürlich koste ein Bauwerk über der Tunnel-Trasse etwas mehr Geld, so Ronald Wanderer, sächsischer Landesvorsitzender im Bund Deutscher Architekten (BDA). "Doch warum sollte etwas, das in Berlin üblich ist, nicht auch bald in Leipzig funktionieren." Einige positive Signale konnte die ehrenamtliche Initiative schon ausmachen. So habe das Rathaus deren Idee übernommen, das Markthallen-Gebäude nicht mehr als "Flachbau", sondern in der city-typischen Höhe zu errichten, sagt Wanderer. "Auch bat jetzt die Stadtbau AG als potenzieller Markthallen-Investor darum, ihr unsere Vorschläge zuzuschicken."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.02.2015

Jens Rometsch

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