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Baustart auf der Alten Messe: Sowjetischer Pavillon wird Leipzigs neues Stadtarchiv

Für 14 Millionen Euro Baustart auf der Alten Messe: Sowjetischer Pavillon wird Leipzigs neues Stadtarchiv

Nach mehr als zehn Jahren mit verschiedenen gescheiterten Ideen beginnt in diesem Monat der Bau des neuen Leipziger Stadtarchivs. Dafür wird zunächst ein Teil des Sowjetischen Pavillons auf der Alten Messe abgerissen. Anschließend entsteht dort ein hochmodernes Depot, das mindestens bis 2030 reichen soll.

Der Sowjetische Pavillon erhält einen nichtöffentlichen Teil mit dem Magazin (blau) sowie einen öffentlichen Teil (grün). Im Foyer (rechts) sollen künftig einige historische Kunstwerke des Baus zu sehen sein.

Quelle: Entwürfe ARGE Pfau Architekten/F29 Architekten

Leipzig. Nach der langen Vorgeschichte grenzt es schon an ein Wunder, dass in Leipzig jetzt wirklich eine neue Hülle für das Gedächtnis der 1000 Jahre alten Stadt entsteht. Seit 2005 galten die Räume des Stadtarchivs in der Torgauer Straße 74 als viel zu klein. Drei Ratsbeschlüsse folgten: Erst sollte eine alte Druckerei an der Salomonstraße die Lösung bringen, später ein Gebäude in der Albert-Schweitzer-Straße gemietet werden. Schließlich entschied sich die Kommune für einen Neubau auf dem Barnet-Licht-Platz, der 19,1 Millionen Euro kosten sollte. Doch alles das wurde nichts. Stattdessen beginnt nun ab Mitte Juni der Umbau des Sowjetischen Pavillons auf der Alten Messe. Dieser steht seit 20 Jahren leer.

Zunächst werde der hintere Teil des Portikus abgerissen, erläutert Reinhard Wölpert. Er ist Chef der Kommunal-Firma LEVG, der die historische Halle 12 – eröffnet 1924 als damals größte Ausstellungshalle der Welt – gehört. Weil das 8000 Zuschauer fassende Gebäude jenseits der Messe-Tage für Sportveranstaltungen wie Radrennen genutzt wurde, erfolgte 1927 der Einbau einer runden Arena mit antiken Säulen. Und zwar genau in dem Bereich, der nun Platz für ein hochmodernes Magazin macht (im Modell in Blau gekennzeichnet). Nach der Übernahme des Gebäudes 1950 richteten die Sowjets in der Arena eine Ruhmeshalle mit Stalin-Denkmal, riesigen Mosaiken und Wandbildern ein.

Blick ins Innere des Sowjetischen Pavillons: Das Gebäude steht seit 20 Jahren leer und ist dringend sanierungsbedürftig.

Quelle: Jens Rometsch

Laut Wölpert wäre es unvertretbar teuer geworden, ein völlig fensterloses High-Tech-Magazin für die aktuell zwölf Kilometer langen Archivbestände – darunter 4000 Pergamenturkunden, 300 000 Fotos sowie 85 000 Karten und Pläne – in den Baubestand einzupassen. Schließlich müsse der Raum für die Leipzig-Zeugnisse vom 11. Jahrhundert bis zur Gegenwart komplett schadstofffrei sein, eine konstante Temperatur von etwa 20 Grad ohne Heizung gewährleisten und hohen Sicherheitsanforderungen genügen. Um die immensen Lasten des 35 Meter breiten und 80 Meter langen Heiligtums sicher zu gründen, werden nach dem Abriss etliche Betonbohrpfähle auch durch ein Braunkohleflöz getrieben, das 14 Meter unter dem Pavillon beginnt.

Bis 2018 werden 14 Millionen Euro investiert

Das Magazin erhält auf beiden Etagen besonders platzsparende Rollschränke, wie sie auch in der Deutschen Nationalbibliothek – gleich neben dem Messeareal – zum Einsatz kommen. „Die Kapazität reicht für 19,2 Kilometer oder anders gesagt: bis zum Jahr 2030“, so Architekt Peter Zirkel vom Dresdner Büro F29. „Im angrenzenden Teil der Halle 12 werden Flächen für spätere Erweiterungen frei gehalten.“ Zudem gebe es Ideen, dort eines Tages noch das Sächsische Staatsarchiv oder ein zentrales Depot für Leipzigs überfüllte Museen einzuquartieren.

Wenn das neue Magazin steht, werden ringsum die historische Fassaden wieder nachgebaut. Wölpert: „Um die alten Propotionen zu erhalten, möchten wir über dem Magazin noch zwei Büroetagen für Firmen oder Ämter schaffen.“ Dies sei aber noch nicht sicher, gehöre auch nicht zu den Gesamtbaukosten von knapp 14 Millionen Euro für das neue Stadtarchiv.

Dessen Büros und Arbeitsräume ziehen hauptsächlich in das schon 2004 teilsanierte Vestibül (im Modell oben grün). Glanzstück unter der Blattgoldspitze und dem roten Stern wird ein zehn Meter hoher Lesesaal – mit großem Sowjetwappen aus Metall an der Decke. „Sowohl drinnen als auch an der Fassade werden alle Zeitschienen der Baugeschichte wieder sichtbar“, verspricht Architekt Zirkel. Eröffnungstermin ist der 1. Oktober 2018.

Jens Rometsch

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