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Lokales Baustopp auf ehemaligem jüdischem Sportplatz in Leipzig
Leipzig Lokales Baustopp auf ehemaligem jüdischem Sportplatz in Leipzig
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11:41 03.03.2016
Auf dem ehemaligen Gelände des SK Bar Kochba standen zuletzt jede Menge Bäume. Quelle: Kempner
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Leipzig

 Auf Teilen des früheren Sportplatzes des SK Bar Kochba in Leipzig-Eutrizsch ist am Donnerstag ein Baustopp verhängt worden. Wie LVZ.de erfuhr, betrifft das Verbot aus dem Baudezernat von Dorothee Dubrau (parteilos) jene Teile des Geländes, auf denen zuletzt die Überreste des jüdischen Fußballvereins vernichtet worden waren. Die Arbeiten für einen Autohaus-Parkplatz auf einem anderen Teilstück können dagegen weitergehen, hieß es.

Der Besitzer der Brachfläche, auf der zuletzt noch Reste der sogannten „Judenmauer“ standen und auch ein Relief mit Davidstern und Inschrift zu finden war, hat bei seinen Planierarbeiten offenbar widerrechtlich gehandelt. „Es gab keine Genehmigung für die Arbeiten“, sagte Dezernatssprecher Roland Quester am Donnerstagmorgen. Denn bei der Beräumung der Brachfläche wurden auch Dutzende Bäume gefällt. Dafür hätte es zuvor eine Genehmigung zur Umwandlung der Fläche geben müssen, die aber nicht beantragt wurde, so Quester weiter. Die Stadtverwaltung prüfe nun weitere Sanktionen gegen den Grundstückseigner.

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Nähere Angaben zum Besitzer wurden nicht gemacht. Erst vor kurzem wurde das ursprünglich der jüdischen Gemeinde gehörende und in den 1990er Jahren an eine Berliner Immobilienfirma verkaufte Gelände in Teilstücke aufgeteilt und an verschiedene neue Eigentümer veräußert. Neben dem benachbarten Autohaus, das Anfang der Woche mit dem korrekt beantragten und genehmigten Bau von Parkplätzen begonnen hat, sind andere Fragmente des ehemaligen jüdischen Sportplatzes auch an einen Immobilienentwickler gegangen. Nach Informationen von LVZ.de sollen auf diesem Teilstück sogenannte Boarding-Häuser entstehen, die möbliert auf bestimmte Zeit gemietet werden können.

Warum die Beräumungsarbeiten nun offenbar kurzfristig und ohne Umwidmungsantrag beim Leipziger Baudezernat begonnen haben, darüber lässt sich nur spekulieren. Zumindest ist das Fällen von Bäumen laut Bundesnaturschutzgesetz und Baumschutzsatzung der Stadt Leipzig in der Zeit vom 01. März bis zum 30. September eines jeden Jahres grundsätzlich verboten. Auf dem bis vor kurzem noch von einer Vielzahl von Bäumen bewachsenen früheren Areal des SK Bar Kochba wurden nun vor Ablauf der Frist offenbar Tatsachen geschaffen.

Zwischen 1922 und 1938 trug der SK Bar Kochba auf dem Gelände an der Ecke Delitzscher Straße seine Spiele aus. Danach wurde der Verein von den Nationalsozialisten verboten, viele der Spieler starben in Konzentrationslagern. Nach einer Weiternutzung als Sportplatz bis zur Wende, verödete das Gelände in den vergangenen Jahren. Im November 2013 organisierten Leipziger Fußballenthusiasten ein Gedenkspiel an der früheren Wirkungsstätte. Danach wurde von der Stadtverwaltung beim zuständigen Landesamt eine Aufnahme in den sächsischen Denkmalschutz beantragt. Die Prüfung kam bisher zu keinem Ergebnis.

Von Matthias Puppe

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