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Bayerischer Bahnhof: Portikus reist zurück

Bayerischer Bahnhof: Portikus reist zurück

Der Portikus am Bayerischen Bahnhof bricht am Freitagmittag zu seiner Rückreise auf. Gegen 13 Uhr wollen Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Bahn-Konzernbevollmächtigter Artur Stempel den Startknopf drücken.

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Tag und Nacht werden zurzeit alle Vorbereitungen für die grosse Rückckfahrt des Portikus an seinen alten Platz am Bayrischen Bahnhof getroffen.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Anschließend muss der 2800-Tonnen-Koloss gut 30 Meter in Richtung Westen zurücklegen. Dann steht das 166 Jahre alte Tor wieder an seinem alten Platz neben der ehemaligen Bahnhofshalle und heutigem Gasthaus.

Kaspar Bartl senior erwartet einen Rücktransport ohne Komplikationen. Der 59 Jahre alte Bayer aus der Nähe von Bad Tölz ist Experte für das Verschieben von Bauwerken. Jahrelang war er Fachmann beim Bauriesen Holzmann. Nach der Pleite des Unternehmens machte er sich selbstständig und verrückte fortan vorrangig Brücken Meter für Meter. Der Protikus bereitet Bartl senior keine Probleme. "Mein Sohn ist bereits seit Montag in Leipzig und trifft die Vorbereitungen", berichtet der Fachmann.

 

Wie schon beim Hintransport im April 2006, um Baufreiheit für den City-Tunnel zu schaffen, werden wieder zwei mit Teflon beschichtete Gleitbahnen errichtet. Darauf werden alle zehn Meter Widerlager aus Stahl eingebaut. Daran werden vier Zylinderpressen installiert, die das Schwergewicht ziehen sollen. Diese Widerlager müssen für eine freie Bahn mit Schneidbrennern abgebrochen werden, sobald der Portikus sie erreicht hat. Während der Arbeiten wird das Bauwerk mit Messsensoren überwacht, um bei Schräglagen schon von wenigen Zentimetern schnell reagieren zu können.

Bartl senior rechnet mit einer Fahrtgeschwindigkeit von vier Metern pro Stunde. Heikel könnte nur der letzte von vier Abschnitten werden. Dann soll der Portikus genau an die Stelle wieder angeschlossen werden, an der er vor gut drei Jahren vom Brauhaus abgesägt wurde. Der Firmenchef gibt sich gelassen und rechnet auch bei dieser Millimeterarbeit mit keinen Komplikationen. Ein besonderes Spektakel verspricht Jörg Puchmüller bei der Ankunft des Portikus unter Flutlicht. "Dann gibt es ein Feuerwerk", verrät der Sprecher bem Sächsischen Wirtschaftsministerium. Er rechnet damit zwischen 19 und 20 Uhr. Zuvor dürfen Interessenten die Fahrt des Riesen auf einer Fläche neben der Bahnhofsgaststätte verfolgen. "Wir verteilen dort auch Flyer mit Informationen zum Citytunnel und zum Bayerischen Bahnhof", sagte Puchmüller. Unklar sind noch immer die Kosten für den City-Tunnel. „Nach aktuellen Berechnungen kostet der Tunnel 893 Millionen Euro.“ Das sagte der damalige sächsische Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Mangold vor sechs Wochen. Doch das ist überholt. Denn nun ist eingetreten, was Mangold und die Verantwortlichen des Projektsteuerers Deges im September als schlimmsten Fall befürchtet hatten. Am letzten Tag der Widerspruchsfrist hat ein unterlegener Bieter Beschwerde zu einem Großauftrag beim Innenausbau der Stationen eingelegt. „Die Sache liegt jetzt beim Oberlandesgericht in Düsseldorf“, so Puchmüller. Das Mega-Projekt sollte ursprünglich 572 Millionen Euro kosten und im Dezember 2009 eröffnet werden. Vor vier Wochen informierten die Bauherren jedoch über enorme Kostensteigerungen und erklärten zugleich, dass der (schon mehrfach verschobene) Fertigstellungstermin im Dezember 2012 womöglich ins Wanken gerät. Grund dafür sei eine Auftragsvergabe „im zweistelligen Millionenbereich“, die zum Beispiel Fliesen, Fahrstühle und Rolltreppen betrifft, so Deges-Geschäftsführer Dirk Brandenburger, der das Projekt steuert. Ein unterlegener Bieter hatte hierzu einen Nachprüfungsauftrag bei der Vergabekammer des Bundeskartellamtes eingereicht. „Falls die Entscheidung zu unseren Gunsten ausfällt, hängt anschließend alles davon ab, ob die Gegenseite vor Gericht zieht“, sagte Brandenburger. Wenn das passiere, sei der Termin Ende 2012 geplatzt. Dann könnten die ersten Züge erst im Dezember 2013 durch Leipzigs neue U-Bahn brausen. Tatsächlich ist es nun genau so gekommen. Zwar wies die Vergabekammer in Bonn das Ersuchen der leer ausgegangenen Firma in vollem Umfang zurück. Doch dieses Unternehmen zog 13 Tage später vor Gericht. Die Deges kann daher den Auftrag zum Stationsausbau nicht mehr „bis Anfang Oktober“ auslösen, was bislang als letzte Chance für 2012 galt.

Matthias Roth / Jens Rometsch

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