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Lokales Bedarf für Kinderbetreuung steigt: Leipzig muss 30 Kitas in den nächsten Jahren bauen
Leipzig Lokales Bedarf für Kinderbetreuung steigt: Leipzig muss 30 Kitas in den nächsten Jahren bauen
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20:09 09.11.2011
2010 wurd die Kita "Zwergenland" in Plagwitz eröffnet. In den nächsten Jahren braucht Leipzig rund 30 neue Kindertagesstätten. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Fazit: Rund 25 bis 30 Einrichtungen muss Leipzig in den nächsten fünf bis sechs Jahren bauen. Der Investitionsbedarf wird auf 54 Millionen Euro geschätzt. Gesichert ist aber nur, was Eingang in die Haushaltsplanung findet.

Seit 2007 hat die Stadt Leipzig 23 Kindertageseinrichtungen neu gebaut, dazu kommen elf Ersatzbauten für alte Kitas, die nicht mehr genutzt werden konnten. Die Bevölkerungsprognose bis 2025 zeigt, dass einige Stadtviertel besonders von der Kita-Platznot betroffen sind. So fehlen im Versorgungsraum "Innerer Westen" mit den Ortsteilen Lindenau, Altlindenau, Plagwitz und Schleußig bereits heute 880 Plätze für Kinder bis zu sechs Jahren. Im Jahr 2015 werden 1.226 Plätze fehlen, würde nicht gegengesteuert. "Wir müssen in dem Tempo der vergangenen Jahre weiter bauen", sagte Fabian.

Zur Kita nicht durch die ganze Stadt chauffieren

Wohnortnah einen Betreuungsplatz finden - das wünschen sich die meisten Eltern. Quelle: Dirk Knofe

Im Süden, zu dem die Stadtteile Zentrum Südost, Südvorstadt und Connewitz gezählt werden, fehlen derzeit 439 Kita-Plätze, 2015 könnten es schon 1.631 sein. Und auch der "Innere Osten" mit den Vierteln Anger-Crottendorf und Reudnitz ist unterversorgt. Aktuell fehlen dort 656 Plätze, 2015 wären es schon fast doppelt so viele. Auch im Norden mit den Ortsteilen Gohlis-Süd, Gohlis-Mitte und Zentrum Nord sehen die Planer Handlungsbedarf. Genau diese Gebiete rund ums Zentrum will die Stadt mit Neubauten stärken. So sollen auch Puffer für angrenzende Stadtteile geschaffen werden, damit Eltern ihre Kinder nicht von einem Ende der Stadt zum anderen zur Kita chauffieren müssen.

Denn nicht überall stehen die Eltern an den Kitas Schlange, um einen Platz zu ergattern. Im Nordosten und Westen, zu dem auch Grünau zählt, bleibt so manches Kindergartenbettchen frei. Die Stadt geht in diesem Bereich von einem Überangebot von rund 800 Plätzen aus. "Damit wir die anderen Stadtteile mitversorgen können, werden in Grünau auch nicht so schnell Plätze abgebaut, wie es mal geplant war", sagte Heike Förster vom Amt für Jugend, Familie und Bildung.

182 Millionen Euro gibt die Stadt Leipzig 2012 für den Kita-Bereich aus, so Sozialbürgermeister Fabian. Rund 100 Millionen Euro bringt die Stadt auf, der Rest wird vom Land und durch Elternbeiträge finanziert. "Wir brauchen eine höhere Kita-Pauschale vom Freistaat", forderte Fabian. Die stagniere seit Jahren bei 1875 Euro pro Betreuungsplatz. Dass die Elternbeiträge 2012 steigen werden, dafür wirbt Fabian um Verständnis. Auch wenn das in Einzelfällen hart sei, sei es notwendig, um die Finanzierung der Kitaplätze zu sichern.

Elterninitiativen rufen zu Protesten auf

2012 will die Stadt die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung in Leipzig anheben. Quelle: Dirk Knofe

Gegen die Erhöhung, über die am 17. November der Stadtrat entscheiden soll, rufen Elterninitiativen zu Protesten auf. Besonders die Elternschaft der Einrichtungen Freier Träger ist in Sorge. Ein Kritikpunkt: Um den Bedarf an Kindergartenplätzen 2012 zu sichern, sollen bis zu 800 Plätze über einen Teil des Jahres als Kindergartenplätze genutzt werden. Auch darüber soll der Stadtrat am 17. November als Teil der Kita-Bedarfsplanung 2012 entscheiden. "Die Stadt darf auf gar keinen Fall an die Krippenplätze rangehen", sagte Gismara Ujlakan aus der Elternschaft der Kita Sonnenwinkel auf Anfrage von LVZ-Online.

Der Jugendhilfeausschuss wird dem Stadtrat nun einen Änderungsantrag vorlegen. Danach sollen die Freien Träger die Möglichkeit haben, im Laufe des Jahres im Einvernehmen mit der Verwaltung die Belegung der Krippenplätze zu erhöhen, falls der Bedarf da ist. "Die meisten Freien Träger wissen um die finanziellen Nöte der Stadt und wollen Verantwortung übernehmen", sagte Wolfgang Menz gegenüber LVZ-Online. Doch seiner Ansicht nach gibt es "zu wenig Krippenplätze am richtigen Ort." Menz ist Mitglied im Jugendhilfeausschuss und Bereichsleiter beim Freien Träger Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte.

"Wir müssen uns an den Freistaat wenden"

Vor allem wünscht sich Menz mehr Planungssicherheit für die 60 Freien Träger in der Stadt. Immerhin seien zwei Drittel der Kitas in Leipzig in der Hand Freier Träger. "Damit hat die Stadt auch ein erhebliches Stück Risiko und Leistung ausgelagert", sagte er. Da die Kassen der Kommunen aber nun mal leer seien, "müssen wir anfangen, uns an den Freistaat zu wenden". Die Elternproteste betrachtet er als  "Paukenschlag, nach dem alle Beteiligten über das zentrale Anliegen Kinderbetreuung wieder ins Gespräch kommen sollten."

Evelyn ter Vehn

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