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Lokales Beethovenstraße soll Leipzigs erste „Fahrradzone“ werden
Leipzig Lokales Beethovenstraße soll Leipzigs erste „Fahrradzone“ werden
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16:35 25.05.2018
Hier könnte Leipzigs erste „Fahrradzone“ entstehen: Die Beethovenstraße vor der Albertina soll für Autos gesperrt werden. Quelle: Christian Modla
Leipzig

 An warmen Tagen wie in dieser Woche geht es besonders hektisch zu zwischen der Albertina und dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum (GWZ) in der Beethovenstraße. Studenten hasten über die Straße, um pünktlich zum Seminar zu kommen oder sich in einer Kaffeepause einen Platz auf den Treppen der Uni-Bibliothek zu suchen. Radler kommen fast im Sekundentakt aus Richtung Clara-Zetkin-Park oder Harkortstraße gefahren. Dazwischen kreuzen Autos und immer mal wieder auch ein Stadtrundfahrtbus den Weg.

Noch ist die Beethovenstraße für alle frei befahrbar – das könnte sich bald ändern. In dem etwa 150 Meter langen Abschnitt zwischen Grassi- und Wilhelm-Seyfferth-Straße soll nach dem Willen des Stadtrats eine Art „Fahrradzone“ entstehen, die für Autos gesperrt ist. Es wäre das erste Projekt dieser Art in Leipzig. Eine entsprechende Prüfung, ob ein solcher „autofreier Platz“ straßenverkehrsrechtlich möglich ist, hat die Ratsversammlung in der vergangenen Woche auf Vorschlag der Grünen-Fraktion beschlossen.

Autoverkehr könnte über Mozartstraße rollen

Anlass für die Überlegungen ist die geplante Einrichtung von vier neuen Fahrradstraßen im Musikviertel, die das Jugendparlament im Frühjahr gefordert hatte. In Fahrradstraßen ungewandelt werden sollen die Beethovenstraße, die Straße des 17. Juni, die Wächterstraße und die Wilhelm-Seyfferth-Straße. Tritt die Änderung in Kraft, hätten dort Radfahrer künftig absoluten Vorrang. Sie dürften auch dann nebeneinander fahren, wenn Autos dadurch nicht mehr vorbeifahren können. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt generell 30 Kilometer pro Stunde. Ausnahme wäre die Beethovenstraße: Hier wären Autos komplett tabu.

Soll die Beethovenstraße vor der Albertina für Autos gesperrt werden?

Die Straßenverkehrsbehörde prüft derzeit, die Beethovenstraße zu einem „autofreien Platz“ zu machen.

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„Die Situation zwischen Universitätsbibliothek und dem Institutsgebäude ist so dominant von Fuß- und Radverkehr geprägt, dass eine Ausweisung einer Fahrradstraße bei gleichzeitigem Zulassen des Autoverkehrs widersinnig erscheint“, argumentiert die Grünen-Fraktion. Statt über die Beethovenstraße könnte der Verkehr über Alternativrouten geleitet werden, erklärte Daniel von der Heide, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, im Gespräch mit LVZ.de. Denkbar wäre zum Beispiel die Mozartstraße, welche südlich des GWZ verläuft. Die Einfahrt von der Harkortstraße ist dort für Abbieger bislang jedoch nicht möglich. Zudem ist die Fahrbahn durch parkende Autos stark eingeengt.

„Als Autofahrer nimmt man die Fahrradstraße gar nicht wahr“

Ein konkretes Konzept, wie der Verkehr im Musikviertel neu geordnet werden könnte, fehlt bislang aber noch. Die Beethovenstraße gilt als wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Kreisverkehr an der Karl-Tauchnitz-Straße und der B2. Über sie ist auch das Parkhaus am Bundesverwaltungsgericht erreichbar. Bereits vor einigen Jahren war vor der Albertina ein Tempolimit von 20 Kilometern pro Stunde angeordnet worden, um die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen. Immer wieder kam es dort in der Vergangenheit zu brenzligen Situationen.

Auch Stadtrundfahrtbusse touren durch die Beethovenstraße. Quelle: Christian Modla

Um die Fahrradstraße klarer zu kennzeichnen, fordern die Grünen im Musikviertel zusätzlich zur Beschilderung auch spezielle Markierungen auf dem Asphalt. Die Situation bei den bisher vier Fahrradstraßen in Leipzig sei besonders auf dem Oberen Dittrichring an der Thomaskirche „frustrierend“, kritisiert von der Heide. „Als Autofahrer nimmt man die Fahrradstraße gar nicht wahr und als Radfahrer merkt man, dass das nicht funktioniert“, so der Grünen-Stadtrat. Zu zweit entspannt nebeneinander zu fahren sei nicht möglich, berichtet von der Heide. „Wenn man das macht, wird man angehupt. Da sind Konflikte vorprogrammiert.“

Ergebnis soll im Juni vorliegen

Die Stadtverwaltung wurde auch beauftragt, die Ausweisung der Fahrradstraßen mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Nur so könnten diese „wirklich zu einem Erfolg werden“, ist von der Heide überzeugt. Der Ball liegt nun bei der Straßenverkehrsbehörde der Stadt. Diese hat angekündigt, bis Ende Juni ein Ergebnis ihrer Prüfungen vorzulegen. Ob dies auch schon die neue „Fahrradzone“ umfasst, bleibt jedoch abzuwarten.

Von Robert Nößler

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