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Behinderte Frauen und Männer organisieren Stolperschwelle am Ort der Euthanasie in Dösen

Behinderte Frauen und Männer organisieren Stolperschwelle am Ort der Euthanasie in Dösen

In der einstigen Heil- und Pflegeanstalt Dösen sind in der Nazizeit nachweislich 551 Kinder durch Euthanasie in den Tod geschickt worden. Vier behinderte Frauen und Männer wollen jetzt dort mit ihrer Betreuerin eine Stolperschwelle in den Boden bringen lassen.

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Steven Wallner, Katja Mieder, Stefanie Kretzschmann, Maik Tiedtke und Robert Fehrmann (von links).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ende 2015 soll die feierliche Verlegung erfolgen.

Fünf körperlich beeinträchtigte Frauen und Männer der Diakonie-Werkstätten Thonberg waren es, die sich im Vorjahr in die Leipziger Stolperstein-Erinnerungskultur einbrachten: Sie hatten vom Schicksal zweier behinderter Kinder erfahren, die hier in der Nazizeit Opfer der Euthanasie geworden waren - die kleine Ruth Kirschbaum wurde mit sieben, der kleine Arno Jörg mit vier Jahren ermordet. Damit auch sie nicht in Vergessenheit gerieten, klinkten sich die Diakonie-Mitarbeiter in das damals laufende Stolperstein-Projekt von Erich-Zeigner-Haus-Verein und Künstler Gunter Demnig ein, halfen, das nötige Geld zu sammeln.

Doch jetzt, wo es die kleinen, ebenerdig eingelassen Male für Arno und Ruth in Lindenau und Gohlis gibt, ist die Sache für die Diakonie-Leute nicht abgehakt. "Privat, auf eigene Faust, wollen sie weitermachen", freut es Frank Kimmerle vom Zeigner-Haus-Verein. Aus dem Ruth/Arno-Projekt entwickelten sie ihre "Initiative 551 Plus".

"Vier der vormaligen Projektteilnehmer sind nun seit August mit ihrer pflegerischen Betreuerin Stefanie Kretzschmann dabei, erstmals in Leipzig eine sogenannte Stolperschwelle in den Boden bringen zu lassen: Am Eingang eines der Hauptorte, an denen Euthanasie stattfand - vor dem alten Park-Krankenhaus, der einstigen Heil- und Pflegeanstalt Dösen. Nachweislich waren dort seinerzeit 551 Kinder in den Tod geschickt worden. Wobei eben alle Unterlagen dazu noch nicht ausgewertet sind - daher das ,551 Plus'", wie Henry Lewkowitz erklärt, der seitens des Vereins die Gruppe inhaltlich begleitet.

Zunächst ist es den Akteuren wichtig, sich einen genauen Überblick über jegliche Euthanasieverbrechen an der Pleiße zu verschaffen. Über die Infos, die sie so peu à peu zusammentragen, tauschen sie sich aller zwei Wochen aus - wofür ihnen auch das Soziokulturelle Zentrum "Die Villa" seine barrierefreien Räume öffnet. Der Gruppe ist aber auch daran gelegen, die Orte des einstigen Geschehens selbst in Augenschein zu nehmen - dieser Tage trafen sie sich daher in Dösen. Zudem grasen sie Archive nach entsprechenden Spuren und Hinweisen ab, studierten die Euthanasie-Ausstellung, die das Zeigner-Haus selbst beherbergt.

So eine Stolperschwelle kostet 1750 Euro. "Und weil neben den Kindern auch Erwachsene Opfer dieser Tötungsaktion damals waren - schätzungsweise wurden 1000 bis 1200 Erwachsene in Dösen zwangssterilisiert beziehungsweise ermordet - soll die Schwelle letztlich all diesen Menschen gewidmet sein", merkt Lewkowitz an. Als nächstes werde die Gruppe einen Werbeflyer erarbeiten und sich damit gleich Anfang nächsten Jahres öffentlich ans Spendensammeln machen. Eine Facebookseite hat sie eigens für ihre Initiative auch eingerichtet. Möglichst Ende 2015 soll die feierliche Verlegung der Stolperschwelle mit Künstler Demnig dann vorm alten Park-Krankenhaus in Dösen erfolgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.10.2014

Angelika Raulien

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