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Lokales Bei Entdeckertagen zeigt der Leipziger Zoo, wie sich Tierarten retten lassen
Leipzig Lokales Bei Entdeckertagen zeigt der Leipziger Zoo, wie sich Tierarten retten lassen
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09:41 16.05.2018
Grauer Kleideraffe mit Jungtier in einer Schutzstation im vietnamesischen Cuc-Phuong-Nationalpark. Der Leipziger Pfleger Timo Geßner hat die vom Aussterben bedrohte Tierart dort besucht.   Quelle: Foto: Zoo Leipzig
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Leipzig

Ohrenbetäubend fiept eine Gruppe junger Schopf-Gibbons in einer Auffangstation im Cuc-Phuong-Nationalpark in Vietnam. Im Taï-Park an der Elfenbeinküste singt eine Theatergruppe aus Dorfbewohnern immer wieder dieselbe Zeile: „Die Schimpansen sind unsere Cousins!“ Ein Nashorn badet im Bundesstaat Sabah auf Borneo im Schlamm und singt dabei fast wie ein Wal. Ein Nasenfrosch, fingernagelklein, piept im Terrarium einer Zuchtstation in Chile, als wäre er ein Vögelchen. In einer mongolischen Provinzhauptstadt hat eine Künstler eine Skulptur aufgestellt; sie zeigt einen Schneeleoparden, dessen linkes Vorderbein sich in einer Schlagfalle verfangen hat.

Mit 628 000 Euro haben die Leipziger Zoo-Besucher im vergangenen Jahr solche Tierprojekte unterstützt. Das Geld stammt aus dem freiwilligen Artenschutz-Euro, den man seit Januar 2017 beim Kauf einer Eintrittskarte spenden kann. „Wir sind stolz und dankbar, dass die Menschen so sehr einverstanden sind mit unserer Arbeit“, sagt Zoodirektor Jörg Junhold. Bei gut zwei Drittel der Ticketkäufe sei der zusätzliche Euro bezahlt worden. 1,65 Millionen Besucher gingen 2017 durch die Drehkreuze, davon allerdings viele mehrmals mit ein- und derselben Jahreskarte.

„Wir spielen weltweit in der Oberliga“

Zusammen mit Dritt- und Eigenmitteln sowie Personalkosten beziffert Junhold den Leipziger Beitrag zum Artenschutz momentan jährlich auf rund eine Million Euro. „Wir spielen weltweit in der Oberliga“, sagt er, „auf Deutschland bezogen noch weiter vorn: in der Bundesliga“. Den Welt-Artenschutztag, am 3. März 1973 mit dem Washingtoner Artenschutzabkommen eingeführt, weitet der Zoo Leipzig auf das ganze Wochenende aus. Bei Entdeckertagen zum Thema bieten Tierpfleger, Naturschützer und Wissenschaftler Führungen, an Ständen Informationen und Mit-mach-Aktionen an.

So wird etwa der Leipziger Tierpfleger Timo Geßner von den Schopfgibbons im Cuc-Phuong-Park berichten, die im Morgengrauen lautstark fiepend ihr Revier markieren. Nachdem Geßner 2009 bereits ein ganzes Jahr lang in Vietnam mitgeholfen hat, beschlagnahmte Affen auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten, war er vergangenes Jahr erneut für zwei Monate dort. „Es sind nicht nur bedrohte, sondern für mich mit die schönsten und buntesten Lebewesen, die es gibt“, schwärmt er. „Wenn ich sie da draußen klettern sehe – mit dem Wissen, dass sie ausgewildert wurden –, dann weiß ich, dass sich die Arbeit lohnt.“ Auf der vietnamesischen Insel Cat Ba möchte der Zoo Leipzig darüber hinaus ein Freilandschutzprojekt übernehmen. Dort leben die letzten etwa 60 Goldschopf-Lamuren.

Vom Sabah-Nashorn gibt es weniger als fünf Tiere

Mit solchen Beispielen, aber auch mit alarmierenden Zahlen sollen die Entdeckertage die Zoo-Besucher für die Bedeutung des Artenschutzes sensibilisieren. Von 93 000 Gattungen, die eine Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation erfasst, gelten momentan 26 000 als gefährdet – fast ein Drittel. Besonders dramatisch ist die Situation des Sabah-Nashorns auf Borneo. Forscher gehen davon aus, dass sich der Bestand dort auf weniger als fünf wildlebende Tiere minimiert hat. Der Zoo Leipzig unterstützt daher vor Ort ein Zuchtprojekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Die Biologin Petra Kretzschmar vom IZW macht Palmöl-Plantagen verantwortlich dafür, dass sich geschlechtsreife Tiere nicht mehr finden. Damit sie überhaupt eine Chance dazu bekommen, soll das Geld aus Leipzig nun einen Korridor für Nashörner zwischen den Anbauflächen mitfinanzieren.

Auch für westafrikanische Schimpansen ist der Rückgang des Lebensraums das größte Problem. Um 20 Prozent sei ihr Verbreitungsgebiet in 40 Jahren ge-schrumpft, rechnet Roman Wittig vor, Direktor des Taï-Projekts der Stiftung zum Schutz wildlebender Schimpansen (WCF). Die Population habe sich dadurch um 80 Prozent auf rund 35 000 Tiere verringert – in nur einer Schimpansen-Generation. Die Förderung der WCF hat der Zoo Leipzig am Freitag von 25 000 auf 40 000 Euro jährlich aufgestockt und um drei Jahre verlängert. Mittel, die auch in die Aufklärung der Menschen fließen. Mit den Bonobos gelten die Schimpansen als nächste Verwandte des Homo Sapiens – „unsere Cousins!“, wie die Theaterleute in einem Dorf an der Elfenbeinküste singen. „Die Kinder im Publikum trällern das nach einer Vorführung noch wochenlang vor sich hin“, ist Wittig sicher.

Team Leopard Leipzig

International rückt der diesjährige Artenschutztag insbesondere Großkatzen in den Fokus. Arnulf Köhncke vom World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland sieht die Zoos doppelt in der Pflicht: „Als Arche für aussterbende Arten, vor allem aber als Schaufenster der Biodiversität, die es zu erhalten gilt.“ Großkatzen kommt als sogenannten „Regenschirmtieren“ am Ende der Nahrungskette eine besondere Bedeutung zu: Wer sie schützen will, muss sich zuerst um den Fortbestand ihrer Beutetiere sorgen; und um die von deren pflanzlicher Nahrung.

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Eine Großkatze, die mittlerweile auch im Leipziger Zoo heimisch ist, ist der Schneeleopard. In Freiheit wird die Bestandszahl der Spezies gegenwärtig weltweit auf 2500 bis 10 000 geschätzt, in der Mongolei leben vermutlich zwischen 500 und 700 von ihnen. Um ihr Überleben zu sichern, haben WWF und Zoo das „Team Leopard Leipzig“ gegründet, das sich bei den Entdeckertagen ebenfalls vorstellt. Mit sieben Euro im Monat kann man Teammitglied werden – „und Verantwortung für den frei lebenden Wildbestand übernehmen“, so Zoodirektor Junhold – wie bereits mit dem Artenschutz-Euro. Damit vom Aussterben bedrohte Tiere auch weiterhin fiepen oder piepen oder singend in einer Schlammbadewanne sitzen.

Von Mathias Wöbking

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