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Lokales Bei Karstadt läuft Abverkauf – und am Arbeitsgericht rollt Prozesswelle an
Leipzig Lokales Bei Karstadt läuft Abverkauf – und am Arbeitsgericht rollt Prozesswelle an
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07:02 08.10.2018
Kommen und Gehen bei Karstadt: In der Filiale in der Leipziger Innenstadt läuft bereits der große Abverkauf. Darauf weisen Schilder am Gebäude und innerhalb des Warenhauses hin. Ein Teil der zum 31. März 2019 gekündigten Belegschaft klagt gegen den Rauswurf vor Gericht. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Großer Abverkauf“ und „Alles muss raus“: Mit großen Plakaten weist Karstadt gerade überall am Neumarkt 30 auf den voraussichtlichen Anfang vom Ende des Warenhauses in der Leipziger City hin. Rund 400 Mitarbeiter erhielten Ende August die Kündigung – einige wehren sich mit Klagen am Arbeitsgericht. „Bei uns sind 54 Verfahren anhängig“, sagt Rüdiger Köhne, Direktor des Gerichtes, auf Anfrage. Die ersten Prozesse laufen bereits.

Im Kaufhaus lassen sich die Mitarbeiter nichts anmerken. Sie versuchen es zumindest. „Es ist anstrengend, weil uns auch viele Kunden immer wieder fragen. Und wir wollen ja trotzdem freundlich bleiben“, sagt am Samstag eine junge Verkäuferin lächelnd. Großer Andrang herrscht etwa in der Frauen- und Herrenschuh-Verkaufsabteilung. Ein Teil der Preise ist dort sowieso schon herabgesetzt, zudem gibt es extra noch zehn Prozent Rabatt. Darauf weisen jede Menge Schilder hin. An der Kasse bildet sich Schlange um Schlange.

Klagen in Drei-Wochen-Frist

Nicht überall sind die Preise gesenkt – die Rabattaktionen betreffen bestimmte Sortimente, manchmal auch nur Waren bestimmter Anbieter. Koffer, Taschen und Reisegepäck sind am Samstag darunter. „Ist halt Saisonende“, mutmaßt ein Kunde, der sich sichtlich über satte Rabatte freut.

Vor allem Auswärtige dürften die Hintergründe nicht kennen. Seit Monaten streitet Karstadt mit dem Vermieter Even Capital über dessen Mietforderungen für die Immobilie zwischen Neumarkt und Petersstraße. Wie berichtet, handelt es sich dem Leipziger Karstadt-Chef Michael Zielke zufolge um eine fast 70-prozentige Mieterhöhung, die „wirtschaftlich die Luft zum Atmen“ nehme. Weil sich die Parteien nicht einigen konnten, kündigte der Vermieter die Filiale mit Wirkung zum 31. März 2019. Daraufhin entließ wiederum Karstadt Ende August die Beschäftigten.

Dagegen geht nun ein Teil der Belegschaft juristisch vor. Laut Arbeitsgerichtschef Köhne handelt es sich um Änderungskündigungen aus betrieblichen Gründen, gegen die 54 Betroffene binnen der vorgeschriebenen Drei-Wochen-Frist Kündigungsschutzklage einreichten.

Gerichtsentscheidungen erst 2019

Mit der Entlassung waren den Mitarbeitern zwar neue Arbeitsplätze in anderen Filialen angeboten worden – dem Vernehmen nach aber oft in weiter Ferne. Von München, Duisburg, Berlin, Dresden, Dessau und Erfurt ist die Rede. Noch ist unklar, wie viele Beschäftigte dieses Angebot angenommen haben. „Wenn man nicht binnen drei Wochen darauf reagiert, ist die Kündigung wirksam“, so Köhne. Die Kläger halten sich daher alle Optionen offen – möglicherweise auch, um eine Abfindung zu erstreiten.

Wie im Arbeitsgerichtsprozess üblich, gibt es zunächst Güteverhandlungen. Die ersten sind bereits gelaufen, von Montag an folgen die nächsten. Dabei wird ausgelotet: Gibt es Verständigungsmöglichkeiten? Wenn ja, zu welchen Bedingungen? Scheitern diese Gespräche, folgen die Kammersitzungen. Mit Entscheidungen rechnet der Gerichtschef nicht mehr in diesem Jahr. „Ich gehe von Februar oder März nächsten Jahres aus“, sagt Köhne.

Von Sabine Kreuz

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