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Lokales Bei der Jagd aus Versehen erschossen: Schütze will Freispruch
Leipzig Lokales Bei der Jagd aus Versehen erschossen: Schütze will Freispruch
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16:30 19.05.2015
Der Schütze schützt sich. Quelle: Andreas Döring

Denn seiner Ansicht nach kann er für den Tod eines Hundeführers bei der Treibjagd vom 26. November 2011 in Leipzig nicht verantwortlich gemacht werden. So räumte der 69-Jährige zwar auch gestern wieder die tödliche Schussabgabe auf Dirk H. im nordwestlichen Auwald ein. Doch der 40-jährige Mann sei ihm in die Schusslinie gelaufen, so der Angeklagte. Grund für ihn, gegen das Urteil des Amtsgerichtes Berufung einzulegen. Wie berichtet, hatte es wegen fahrlässiger Tötung acht Monate Haft auf Bewährung verhängt.

Die Erstinstanz war der Ansicht, dass Pflichtverletzungen von Reiner K. ursächlich für den tödlichen Unfall nahe Schlobachshof gewesen seien. So habe er während der Jagd den Hochsitz verlassen, um ein vom ihm angeschossenes Wildschwein zur Strecke zu bringen, obwohl das untersagt war. Aber auch schon der vernünftige Menschenverstand hätte dem Beschuldigten sagen müssen, dass man nicht schießen dürfe, wenn sich Personen in unmittelbarer Nähe befinden, hatte es in der Urteilsbegründung im Oktober 2012 geheißen. Dirk H. befand sich nur fünf, sechs Meter vom Angeklagten entfernt, als er von einem Schuss in den Bauch getroffen wurde und zusammenbrach. Keine Maßnahme hätte laut Rechtsmedizin das Leben des Familienvaters retten können. Eine Hauptschlagader war getroffen worden.

Allerdings beharrte der Angeklagte gestern darauf, dass Opfer Dirk H. "den eigentlichen Ausgangspunkt" für die Tragödie gesetzt habe. "Er hätte sich nicht aus der Treiberkette entfernen dürfen. Er hätte mich nicht als Schützen in seine Dienste nehmen dürfen. Er hätte mich nicht zum Verlassen des Hochstandes veranlassen dürfen", zählte K. auf. Dass er den Hochstand normalerweise nicht verlassen dürfe, sei ihm klar gewesen. Dirk H., der sich mit seinen Hunden an dem verletzten Wildschwein befand, habe ihn aber zum Schießen aufgefordert. "Ich ging von einer Notsituation aus." Er habe angenommen, dass der Hundeführer in dem Moment über die Rechte eines Jagdleiters verfügte. Seine Position trug der promovierte Sportwissenschaftler und -lehrer gestern mit immer lauter werdender Stimme vor. Wurde ihm im Verhandlungssaal nicht die hundertprozentige Aufmerksamkeit aller Anwesenden zuteil, reagierte er unbeherrscht. Um Ruhe einzufordern, klopfte er mit einem Stift auf den Tisch. Beim Erstprozess war ihm sogar die Verhängung eines Ordnungsgeldes angedroht worden, weil er Oberstaatsanwalt Gerald Weigel, als dieser auf "schuldig" plädiert hatte, immer wieder ins Wort gefallen war.

Als Ziel des dreitägigen Berufungsprozesses nannte Verteidiger Kay Polster gestern Freispruch: "Mein Mandant hat alle Sorgfaltspflichten beachtet." Rechtsanwalt Torsten Seiffert - er vertritt die Interessen der Lebensgefährtin des Opfers und des gemeinsamen drei Jahre alten Sohnes - war gegenteiliger Auffassung. Er hielt K. für schuldig. Laut Seiffert hat die Haftpflichtversicherung des Jägers inzwischen Schadenersatz gezahlt. Das Landgericht, das bis 22. Juli noch zwei Prozesstage anberaumte, erwägt auch eine Rekonstruktion des Tatablaufs.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.07.2013

Kreuz, Sabine

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