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Lokales Beim Neubau der Georg-Schwarz-Brücken läuft Leipzig die Zeit davon
Leipzig Lokales Beim Neubau der Georg-Schwarz-Brücken läuft Leipzig die Zeit davon
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06:03 09.07.2018
Die beiden Georg-Schwarz-Brücken sind dringend sanierungsbedürftig. Doch der Bau der neuen Konstruktion verzögert sich immer mehr. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Tauziehen um den Neubau der Georg-Schwarz-Brücken scheint entschieden zu sein. Die Stadtverwaltung hat jetzt in einem internen Gespräch allen Vereinen und Verbänden das 50-Millionen-Euro-Vorhaben vorgestellt. Die Botschaft: Es bleibt beim ursprünglichen Entwurf (die LVZ berichtete). Aber: Der wirkliche Baubeginn verschiebt sich weiter.

„Monströses Autobahnkreuz“

Die Forderungen des Umweltbundes Ökolöwe und des Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) nach einem deutlich kleineren Neubau werden nicht umgesetzt. Die beiden grünen Vereine nennen das Projekt „ein monströses und überteuertes Autobahnkreuz mitten in der Stadt“ und fordern, es zu stutzen und zu stoppen. „Der Entwurf sprengt sämtliche städtebaulichen Maßstäbe“, meint Christoph Waack, Vorsitzender des ADFC Leipzig. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) Sachsen begrüßt die Planungen dagegen als „ausreichend, um den Zukunftsverkehr zu bewältigen“. Gleichzeitig kritisiert er aber, dass sich der Baubeginn des Großprojekts immer weiter verzögert.

Die Stadt schiebt die Erneuerung der maroden Georg-Schwarz-Brücken bereit seit zehn Jahren vor sich her. Inzwischen sind die beiden 1964 und 1978 errichteten Überführungen verschlissen; für die südöstliche Konstruktion gilt seit Ende 2017 eine Lastbeschränkung auf 3,5 Tonnen, auch die Fahrspuren wurden dort reduziert. Die Betriebsgenehmigung für dieses Teilstück läuft bereits im Dezember 2022 aus.

„Ein Baubeginn 2024 ist viel zu spät“

Das Rathaus will deshalb die Detailplanungen forcieren. Mit Hochdruck werden eine Umweltverträglichkeitsstudie sowie Fachgutachten für das Großprojekt erstellt. Auch eine Beteiligung der Öffentlichkeit inklusive Workshops wird es geben, bevor in der Landesdirektion das noch erforderliche Planfeststellungsverfahren startet. Als offizieller Baubeginn für die „Komplexmaßnahme“ nennt das Rathaus aktuell das Jahr 2021, doch damit sind hauptsächlich vorbereitende Arbeiten gemeint. Denn die Ratsversammlung wird laut Zeitplan erst im Oktober 2022 den Bau- und Finanzierungsbeschluss für den Neubau fassen können; der eigentliche Neubau der beiden Brücken soll dann erst von August 2024 bis März 2030 ablaufen, weil die Arbeiten noch ausgeschrieben werden müssen. „Das ist viel zu spät“, meint Helmut Büschke, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik im ADAC Sachsen. Er stellt auch infrage, dass die beiden maroden Brückenkonstruktionen noch so lange durchhalten.

Ähnliche Befürchtungen gibt es offenbar auch in der Stadtverwaltung. Sie will deshalb die Lebensdauer der besonders stark verschlissenen südöstlichen Konstruktion durch Arbeiten an ihrem Überbau verlängern. Diese sollen von Mai bis September 2021 ablaufen, wurde den Teilnehmern des Fachgesprächs signalisiert. Also kurz vor dem Auslaufen der aktuellen Betriebsgenehmigung. Für den Umleitungsverkehr sollen noch vor Baubeginn die Franz-Flemming- und die Burgauenstraße ertüchtigt werden.

Mehr Autoverkehr prognostiziert

Der ADAC begrüßt, dass die Stadt trotz der Forderungen des Ökolöwen und des Radfahrer-Clubs an ihrer Vorzugsvariante festhalten will. „Hier entsteht keine Stadtautobahn, die Stadt schafft nur gute Verkehrsverhältnisse“, sagt ADAC-Vorstandsmitglied Büschke. Er verweist darauf, dass für den Autoverkehr nur ein durchgehender 3,25 Meter breiter Fahrstreifen pro Richtung sowie Abbiegespuren an den Kreuzungen vorgesehen sind. Angesichts der Verkehrsprognosen für die angrenzenden Straßen sei dies gerechtfertigt. So soll der Autoverkehr laut der aktuellen Verkehrsprognosen in der Ludwig-Hupfeld-Straße von aktuell 11 500 Fahrzeugen bis zum Jahr 2025 auf 16 400 Autos wachsen; Am Ritterschlösschen sollen dann statt aktuell 16 400 Fahrzeuge 22 900 unterwegs sein.

„Hinter der Forderung nach einer deutlich kleineren Brücke steckt eine Ideologie“, meint Büschke. „Man hat geglaubt, dass Verkehr verhindert werden kann, indem man ihn langsamer macht. Das funktioniert aber nicht.“ Es sei illusorisch zu glauben, dass in Leipzig künftig weniger Menschen mit dem Auto unterwegs sind. Denn mit dem Bevölkerungswachstum steige auch die Zahl der Autos. „Auch das autonome Fahren – das keine Utopie mehr ist – wird mehr Verkehr in die Stadt bringen“, warnt der Leipziger. „Wir würden es bitter bereuen, wenn wir jetzt unser Straßennetz kleiner und schmaler machen. Ich hoffe, dass dieses Projekt nicht wieder zerredet wird.“ Die Staus an den Brücken würden zeigen, dass die neue Konstruktion dringend benötigt wird. Diese Brückenkonstruktion sei auch Bestandteil des Mittleren Rings Nordwest, der den Autoverkehr flüssiger machen und Wohngebiete von Verkehr entlasten soll.

Mehr Radwege gefordert

Im Gegensatz zu den Kritikern des Projekts begrüßt der ADAC die geplante Anbindung der Heinrich-Heine-Straße an die neue Konstruktion. „Diese Anbindung wird dringend benötigt“, betont Büschke. Sie sei für Böhlitz-Ehrenberg unverzichtbar. Ob sich die vom ADFC geforderten zusätzlichen Radverkehrswege im Umfeld der Brücke bauen lassen, müsse aber geprüft werden. Der Radfahrer-Club hat beispielsweise einen bahnbegleitenden Radweg unter der großen Georg-Schwarz-Brücke gefordert, der künftig Rückmarsdorf mit Gohlis verbinden soll.

Wie bereits berichtet, soll das Herzstück der neuen Konstruktion eine Haltestelleninsel im Rampenbereich nördlich der Philipp-Reis-Straße werden, an der LVB-Straßenbahnen halten sollen. Für sie sind auf dem neuen Bauwerk auch teilweise separierte Gleise in der Mitte der Georg-Schwarz-Straße vorgesehen. Für Busse sind sogenannte barrierefreie Haltestellenkaps am Straßenrand geplant.

Von Andreas Tappert

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