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Beirat für neue Schau im Stasi-Kino: Gebäude ist nicht Teil der „Runden Ecke“

Disput in Leipzig Beirat für neue Schau im Stasi-Kino: Gebäude ist nicht Teil der „Runden Ecke“

Der hochkarätig besetzte wissenschaftliche Beirat des Schulmuseum setzt sich für eine neue Ausstellung im ehemaligen Stasi-Kinosaal am Goerdelerring ein und warnt vor einer Vereinnahmung der Räume durch die „Runde Ecke“.

Blick in die seit sieben Jahren laufende Sonderausstellung des Bürgerkomitees im Stasi-Kinosaal.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Im Diskurs über die Nutzung des ehemaligen Stasi-Kinosaals in Leipzig hat sich nun der wissenschaftliche Beirat des Schulmuseums zu Wort gemeldet und sich dabei klar für eine neue Ausstellung in den Räumen ausgesprochen. In einer veröffentlichten Stellungnahme wirft das hochkarätige besetzte Gremium – zu dem der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Volker Rodekamp und mehrere Uni-Professoren gehören – dem Mieter regelrechten Wort- und Rechtsbruch vor. Rodekamp und Co. kritisieren dabei auch, dass der Eindruck vermittelt werde, die Erinnerung an die Friedliche Revolution sei gefährdet.

Seit sieben Jahren wird der ehemalige Stasi-Kinosaal vom Bürgerkommitee für eine Sonderschau zur SED-Diktatur genutzt. Die Ergänzung zur Ausstellung in der "Runden Ecke" soll nun aber weichen, weil der Hauseigentümer die Kommune und das Schulmuseum dort eine Schau über Muslime in Deutschland zeigen wollen, die von der Bundeszentrale für politische Bildung zusammengestellt wurde. Dagegen wehrt sich das verantwortliche Bürgerkommitee um „Runde Ecke“-Chef Tobias Hollitzer allerdings seit einigen Wochen vehement.

Verträge über gleichberechtigte Nutzung des Kinosaals

Völlig zu Unrecht, finden Rodekamp und Co. Denn der Stasi-Kinosaal gehöre nicht allein dem Bürgerkomitee. „Der Wissenschaftliche Beirat wendet sich entschieden gegen die Vereinnahmung des städtischen Gebäudes Goerdelerring 20 als Teil des Museums in der ‚Runden Ecke‘. Das Gebäude wird seit 1999 durch das Schulmuseum genutzt, seit 2000 sind Verwaltungsflächen in der ersten Etage durch die Stadt an das Bürgerkomitee Leipzig e. V. vermietet“, schreibt der Wissenschaftliche Beirat und erinnert daran, dass die gleichberechtigte Nutzung seit 2003 auch vertraglich geregelt und überhaupt Grundlage der Zusammenarbeit beider Museen sei.

Die nun geplante neue Schau sei dabei auch kein Schnellschuss, sondern bereits seit Anfang des Jahres angekündigt. Das Bürgerkomitee habe ursprünglich auch eine Zusage gegeben, den Saal dafür freizuräumen. „Angesichts der klaren und frühzeitigen Positionierung der Stadt ist es geradezu absurd, dass vom Bürgerkomitee Leipzig e. V. nun der Eindruck vermittelt wird, in einer Nacht- und Nebelaktion solle die seit fast sieben Jahren laufende Sonderausstellung ‚Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution‘ beseitigt und dem Bürgerkomitee die Nutzung des Saals generell entzogen werden“, so Rodekamp und Co. weiter.

„Friedliche Revolution als Deckmantel“

Angesichts der Erklärungen von „Runde Ecke“-Chef Hollitzer dazu in den vergangenen Tagen, kritisiert der Beirat auch die vermeintliche Vereinnahmung der Ereignisse aus dem Herbst 1989: „Es ist nicht hinzunehmen, dass die Friedliche Revolution durch das Bürgerkomitee Leipzig e. V. als Deckmantel für den seit Jahren anhaltenden Bruch von Vereinbarungen und Entscheidungen städtischer Gremien instrumentalisiert wird. Es wäre ein verheerendes Signal für die politische und demokratische Kultur in unserer Stadt, wenn dieser Rechtsbruch, kaschiert durch die Vereinnahmung des Herbstes ‚89 weiter folgenlos bliebe“, heißt es dazu in der Stellungnahme.

Nicht zuletzt, empfinden die Unterstützer des Schulmuseums die ausgelöste Debatte um die Nutzung des Ausstellungssaals auch als schädlich für das Ansehen der Messestadt: „Die unwürdige Debatte um ein Hin- und Hergeschiebe fest vereinbarter Ausstellungen und Veranstaltungen gefährdet die Reputation unserer Stadt gegenüber diesen wichtigen Partnern und Förderern.“

Hollitzer verwundert über “verkürzte Darstellung“

 „Runde Ecke“-Chef Tobias Hollitzer reagierte am Donnerstag mit Verwunderung auf die Wortmeldung des wissenschaftlichen Beirates des Schulmuseums. „Das ist schon eine sehr verkürzte Darstellung der Dinge“, so Hollitzer gegenüber LVZ.de. Seinen Angaben zufolge sei die aktuelle Diskussion um die Ausstellung im Stasi-Kinosaal nur die Spitze eines Eisberges. „Im Grunde geht es hier doch um die Zukunft der gesamten ’Runden Ecke’. Wenn die Ausstellung aus dem Kinosaal verschwindet, wird irgendwann auch die gesamte Ausstellung zur friedlichen Revolution verschwinden“, so der Vorstand des Bürgerkomitees weiter.

Zudem behauptet Hollitzer, dass ein von der Stadtverwaltung unterstützter SPD-Antrag den originalen Stasi-Kinosaal der Gedenkstätte dauerhaft entziehen wolle. Laut ihm soll im Saalbau künftig ein „Zentrum für demokratische Bildung“ mit dem Jugendparlament arbeiten. Eine Bestätigung dafür gibt es bisher nicht.

Die Wander-Ausstellung „Was glaubst Du denn?! Muslime in Deutschland“ der Bundeszentrale für politische Bildung soll vom 17. Oktober bis zum 30. November 2016 in Leipzig Station machen.

http://www.wasglaubstdudenn.de/

Von Matthias Puppe

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