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Belächelt, aber glücklich - Leipzigs erste Autoteiler starteten 1993 mit dem ersten Wagen

Belächelt, aber glücklich - Leipzigs erste Autoteiler starteten 1993 mit dem ersten Wagen

Was für verrückte Zeiten vor knapp einem Vierteljahrhundert. Während einerseits Autoverkäufer in hiesigen Breiten gar nicht schnell genug genügend Gebrauchte in die fünf neuen Länder transportieren konnten und beim Geldzählen wohl wunde Finger bekamen, suchten andere - mitten im Mekka der Gebrauchtwagenhändler - nach Alternativen.

Leipzig. Ein gutes Dutzend Leipziger teilte sich einige Zeit später das erste Auto.

"Wer die Idee letztlich hatte, ist nicht richtig bekannt", erinnert sich Rolf Buschner, ein Autoteiler der ersten Stunde. Die Familie mit zwei kleinen Kindern habe damals einen 17 Jahre alten Trabant besessen - "ein Montagsauto". Er war ständig kaputt. "Und eigentlich haben wir es nur einmal pro Woche für den Einkauf und einmal für den Besuch von Oma und Opa am Wochenende benötigt", so der Leipziger. So habe die Frage im Raum gestanden: "Es muss doch irgendwas geben zwischen ein Auto haben und kein Auto haben?" Eine Neuanschaffung sollte es aber definitiv nicht sein.

Leipzig. Was für verrückte Zeiten vor knapp einem Vierteljahrhundert. Während einerseits Autoverkäufer in hiesigen Breiten gar nicht schnell genug genügend Gebrauchte in die fünf neuen Länder transportieren konnten und beim Geldzählen wohl wunde Finger bekamen, suchten andere - mitten im Mekka der Gebrauchtwagenhändler - nach Alternativen. Ein gutes Dutzend Leipziger teilte sich einige Zeit später das erste Auto.

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Ein Beitrag übers Autoteilen habe die Buschners dann mit ein paar Leuten zusammengebracht, die ähnlich dachten, "ein bisschen auf dem Ökotrip waren". "Schließlich haben wir Kontakt zur 1990 gegründeten Carsharing-Genossenschaft in Frankfurt am Main aufgenommen und unser Projekt vorgestellt", berichtet Rolf Buschner. "Wir waren ja alles blutige Anfänger." Im Freundes- und Kollegenkreis sei die Initiative - "in einer Zeit, als jeder ein eigenes Auto haben wollte" - mehrfach belächelt worden.

Doch kurzum: Die von Frankfurt geforderte Mindestanzahl an Mitgliedern von zwölf Personen, mit denen sich das Projekt rechnen sollte, war irgendwann erreicht. "Die waren schwer zusammenzubekommen", sagt Gattin Adelheid Buschner. Letztlich sei das erste geteilte Leipziger Auto - ein Opel Astra Caravan - nach vielerlei Hürden am 1. April 1993 in Betrieb gegangen. 1000 D-Mark Einlage hatte jedes Mitglied zu erbringen. Der erste Stellplatz befand sich vor dem heutigen Bundesverwaltungsgericht.

"Viele wichtige Fragen mussten zuvor geklärt werden, beispielsweise die der Hinterlegung des Schlüssels", so die Leipzigerin. Ihr Ehemann ergänzt: "Problem war zudem, dass damals ja noch nicht jeder über ein Telefon verfügte. Es gab keine elektronische Sicherung des Wagens und keine Buchungszentrale." Der Beginn war abenteuerlich: In Papierlisten wurden die Wünsche der ersten Leipziger Autoteil-Gemeinde eingetragen. Eine mühselige Arbeit. Die Mitgliedsaufnahmen fanden im Wohnzimmer statt.

Die Suche nach einem rund um die Uhr geöffneten Büro oder Objekt, wo man die Zentrale mit andocken konnte, gestaltete sich ebenso schwierig. "Kurios: Zunächst hatten wir ein Bestattungsunternehmen mit 24-Stunden-Bereitschaft im Auge", erinnert sich Rolf Buschner schmunzelnd. Das habe man dann aber doch verworfen und letztlich die Alarmzentrale einer Schließgesellschaft gewinnen können.

Die weitere Geschichte ist schnell erzählt: Im Jahr 2000 entschied die Frankfurter Genossenschaft, unter anderem die Leipziger Dependance zu schließen. An ihre Stelle trat fast nahtlos der im nahen Halle 1992 zunächst als Verein gegründete Carsharing-Anbieter Teilauto. Heute nutzen rund 20.000 Kunden die 600 Fahrzeuge an 350 Stationen in 16 Städten.

Die Buschners haben seit damals kein eigenes Auto mehr besessen, auch wenn Ehemann Rolf als Außendienstmitarbeiter sein Geld verdient, "also passiv dabei ist", wie er augenzwinkernd sagt. Das von der Leipziger Volkszeitung initiierte ("Zweit-")Foto nach über zwei Dekaden sei jedenfalls für alle Beteiligten von damals ein schönes Wiedersehen gewesen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.04.2015

Martin Pelzl

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