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Lokales Belantis wird verkauft – neue Eigentümer kommen aus Spanien
Leipzig Lokales Belantis wird verkauft – neue Eigentümer kommen aus Spanien
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11:54 07.03.2018
Die Achterbahn gehört im Freizeitpark Belantis zu den beliebtesten Fahrgeschäften. Der neue Eigner aus Spanien soll nun Geld für neue Attraktionen mitbringen.  Quelle: Foto: dpa
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Leipzig

 Paukenschlag im Belantis: Der Freizeitpark im Süden von Leipzig steht vor dem Verkauf. Der spanische Branchenriese Parques Reunidos will als Investor einsteigen – und den 2003 eröffneten Park offenbar komplett übernehmen. Beim Bundeskartellamt in Bonn haben die Spanier jetzt den „mittelbaren Kontrollerwerb“ angemeldet, bestätigte Behördensprecher Michael Detering der LVZ. Der Antrag sei vor einer Woche eingegangen. Die Entscheidung der Behörde steht aber noch aus. Erst nach deren Freigabe kann der Verkauf vollzogen werden.

Details wollte Detering nicht nennen. Klar sei aber, dass die Spanier nicht nur als Anteilseigner einsteigen, sondern die Kontrolle übernehmen wollen. Details könne das Amt zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen. Mehr war auch den Beteiligten selbst nicht zu entlocken. Belantis-Sprecher Andre Hoffmann sagte gestern nur: „Belantis äußert sich dazu nicht.“ Aus Madrid kam auf Anfrage der LVZ nur die Auskunft, dass dazu nichts verkündet werde. „Das Unternehmen analysiert verschiedene Möglichkeiten und kommentiert diese nicht“, teilte Sprecher José María Nogueira per E-Mail mit.

Nach LVZ-Informationen sind sich beide Seiten aber längst einig. „Die Spanier haben den Vertrag für den Kauf der Anteile unterschrieben“, heißt es aus Kreisen der Parkgesellschaft. Es fehle nun nur noch die Freigabe durch das Kartellamt. Dem Vernehmen nach soll die Firma sogar komplett den Eigentümer wechseln: „Es geht um alle Anteile.“

Mehrheitsgesellschafter der Belantis-Betreibergesellschaft ist bisher Park-Gründer und Geschäftsführer Erwin Linnenbach (56). Hinter den Kulissen wurde beim Betreiber, der Event Park GmbH & Co KG, aber schon länger mit dem Gedanken an den Verkauf von Anteilen gespielt. An Interessenten habe es nicht gemangelt, so ein Insider. „Drei bis vier konkrete Anfragen hatten wir allein in den letzten paar Jahren“, sagte er. In dem Maße, wo der Erfolg von Belantis auch nach außen hin immer sichtbarer wurde, habe sich die Branche auch mehr für den Park interessiert.

Belantis wurde 2003 eröffnet, verzeichnete in seiner 15. Saison im Vorjahr nach eigenen Angaben seine beste Saison, konnte ein Umsatzplus von 15 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2016 mit seinen 600 000 Besuchern einfahren – trotz des schlechten Wetters und weniger Gästen als 2016. Belantis hatte 2017 vor allem um mehr Besucher aus Berlin, aus Brandenburg und Tschechien geworben, auch seine Ticketstruktur 2016 geändert, verkauft inzwischen mehr als ein Drittel seiner Eintrittskarten online übers Internet.

Trotz des tollen Ergebnisses von 2017 reiche es aber nicht für größere Investitionen, heißt es im Park. Die Margen im Freizeitparkgeschäft seien einfach zu klein. Wachstum sei aber nötig in der Branche. Daher habe es schon seit längerem die Idee gegeben, einen Branchenriesen mit ins Boot zu nehmen, um längerfristig und dauerhaft investieren zu können.

Von einem Komplettverkauf war aber bislang keine Rede. Offenbar war Parques Reunidos aber nur unter dieser Bedingung zu einem Einstieg bereit. Die Spanier sind einer der größten Freizparkbetreiber der Welt und in Eurpoa die Nummer 2. Gegründet wurde die seit 2016 börsennotierte Firma 1967, um den damals neuen Vergnügungspark im Madrider Stadtteil Casa de Campo zu betreiben. Ab 2004 war das Unternehmen dann weltweit auf Einkaufstour gegangen, betreibt inzwischen 60 Parks in 14 Ländern. In Deutschland sind die Spanier bisher nur mit einem Park vertreten: Dem Movie Park in Bottrop, den sie 2010 übernommen hatten.

Mit Belantis würden die Spanier ihr Engagement in Deutschland nun deutlich ausbauen. Die Besucher und auch die Beschäftigten würden wahrscheinlich von dem Wechsel in diesem Jahr gar nichts merken, sagte der Insider. Die Spanier seien bekannt dafür, dass sie eine hohe regionale Eigenständigkeit wollten und keine Zentralisierung. Außerdem seien acht Wochen vor dem Saisonstart auch zu wenig Zeit, um vorher noch große Veränderungen durchzuführen.

Unklar ist, welche Rolle der bisherige Mehrheitseigner und Geschäftsführer Linnenbach künftig spielen wird. Ende der 90er-Jahre hatte er, damals noch Geschäftsführer bei Radio PSR, die Idee des Freizeitparks selbst entwickelt, sich nach seinem Rückzug von der PSR-Spitze 2012 dann ganz dem Belantis gewidmet. Welche Rolle er künftig spielen wird, ist unklar. Ob er mit dem Verkauf seiner Anteile auch seine Rolle als treibende Kraft hinter dem Park abgibt oder als angestellter Geschäftsführer der Spanier weitermacht, war gestern nicht zu erfahren. Linnenbach, als früherer Radio-PSR-Chef ein gewiefter Medienprofi, äußerte sich nicht.

Von Jörg ter Vehn und Frank Johannsen

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