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Lokales Beliebtes Badeparadies – doch am Nordstrand könnte mehr angeboten werden
Leipzig Lokales Beliebtes Badeparadies – doch am Nordstrand könnte mehr angeboten werden
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06:02 31.07.2018
Badegäste am Nordstrand des Cospudener Sees. Für jenen Teil hat Leipzig das Sagen. Doch die Infrastruktur am See ist ein wenig in die Jahre gekommen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Sumpfzypresse, amerikanischer Tulpenbaum oder Magnolien wurden am ehemaligen Waldbad Lauer einst angepflanzt. Jener „Tertiärwald“ gehörte zum Expo-Projekt 2000, mit der Leipzig den Wandel der einstigen Tagebaulandschaft zum Erholungsgebiet Cospudener See zeigt. 18 Jahre später ist der „Cossi“, wie ihn viele seiner Fans nennen, ein wenig in die Jahre gekommen. Jener Tertiärwald ist kaum noch zu erkennen. Vieles ist einfach zugewuchert. Und auch Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linie) ist mit dem Zustand des Nordstrandes Cospuden, für den die Stadt Leipzig zuständig ist, nicht so recht zufrieden.

Seebetreiber Pier 1 bemüht sich zwar, für Ordnung zu sorgen. Doch die Infrastruktur ist – von der für Hochzeitsfeiern und Firmenjubiläen genutzten Hacienda Cospuden abgesehen – mittlerweile recht abgenutzt. Das ehemalige Expo-Gebäude am Parkplatz Brückenstraße/Ziegeleiweg ist verwaist, der Kiosk geschlossen. Der Shuttle, der Leute zum etwa 1,2 Kilometer entfernten See brachte, ist seit Jahren eingestellt.

Parken bleibt vorerst kostenlos

„Der Parkplatz wird gut angenommen – an der kostenfreien Bereitstellung der Stellflächen halten wir zunächst fest“, sagt Rosenthal. Gemeinsam mit Markkleeberg und Zwenkau wird seit längerem ein Verkehrskonzept für den Cospudener See erstellt, das eigentlich schon vor zwei, drei Jahren vorliegen sollte. Die Untersuchungen sind aber immer noch nicht abgeschlossen.

„In Markkleeberg wird derzeit im Stadtrat intensiv die Erweiterung von Parkplätzen am Zöbigker Winkel diskutiert. Da gibt es verschiedene Varianten, die Auswirkungen aufs gesamte Verkehrskonzept haben“, begründet Rosenthal. Leipzig könnte dann schauen, ob der Parkplatz wieder bewirtschaftet wird. Daran sind allerdings schon zwei Betreiber gescheitert, weil viele Autofahrer nicht bereit waren, eine moderate Gebühr zu entrichten. „Einnahmen aus der Bewirtschaftung des Parkplatzes helfen uns aber, das Areal zu pflegen und mehr Serviceleistungen bereitzustellen“, betont Rosenthal. Ziel sei es, das Eingangstor zum See über die Kelchsteinlinie zu ertüchtigen.

Caravaning-Park ist eine Idee

Eine Idee wird weiterhin verfolgt: Auf dem westlichen Teil des Parkplatzes am Nordstrand könnte ein Camping-Caravaning-Park eingerichtet werden. Das ehemalige Expo-Gebäude könnte dann zur Servicestation werden. Allerdings: Der Zweckverband Kommunales Forum Südraum erarbeitet gerade für das komplette Neuseenland-Areal ein Konzept für Caravaning-Stellplätze außerhalb von Campingplätzen. „Dem Ergebnis wollen wir nicht vorgreifen und wahllos Infrastruktur aufbauen. Das muss im Südraum abgestimmt sein.“ Da die Nachfrage gerade am Stadtrand erheblich ist, sei dieses Areal aber geeignet.

Möglich wäre auch, eine größere Gaststätte in Seenähe zu errichten, die das ganze Jahr über offen ist. Dafür gab es bislang aber noch keinen Interessenten. Eine der Servicestationen, die ebenfalls in die Jahre gekommen sind, soll aber durch einen Neubau ersetzt werden. Was fehlt, sind ordentliche Toilettenanlagen. Die in den Kiosken wie Strandblick oder Beachlounge sind an heißen Tagen trotz moderater Gebühr dem Ansturm kaum gewachsen.

Rosenthal: Mit Qualität des Gesamtbereichs nicht zufrieden

Mittlerweile hat die Stadt Geld investiert, um die Holzsteganlagen zu erneuern. Doch das ist zunächst gestoppt. Bis auf die Grundmauern brannte Mitte Dezember 2017 eine der vier Servicestationen nieder. „Das ist ein Versicherungsfall. Mit dem Pächter ist abgestimmt, dass sie wieder aufgebaut und dann ab dem Frühsommer 2019 betrieben wird“, so Rosenthal. Die Station ist umzäunt, mit ihrem Wiederaufbau wird der Rest der Steganlagen erneut.

„Mit der Qualität des Gesamtbereiches können wir nicht zufrieden sein“, sagt Rosenthal. So müsse über die Wegebeziehungen, die Beseitigung von Abfall oder Park- und Anfahrtwege neu nachgedacht werden. Den Parkplatz im Erholungsgebiet dichter an den See zu legen, ist für den Umweltbürgermeister dabei keine Alternative.

„Wir wollen die Ursprungsidee eines Natur- und Landschaftsparkes mit See aufrechterhalten.“ Deshalb müsse das Leitbild und die Qualität der Pflege – auch gemeinsam mit dem Pächter – erörtert werden. Und es soll mit mehr Sand, gepflegter Wiese, maritimen Servicestationen „ein bisschen mehr Ostsee-Feeling“ entstehen. „Es geht um die Seen-Infrastruktur unserer Stadt. Da müssen wir überlegen, wie die attraktiver wird“, betont der Bürgermeister.

Nutzungsintensität hat Grenze erreicht

Die Stadt wird einen Masterplan für das Gebiet erstellen und künftig wohl auch in die Entwicklung des Nordstrandes investieren müssen. Vom Zeitrahmen wird aber vor 2021 kaum Geld im Haushalt vorhanden sein. Im kommenden Jahr wird der Stadtforst sich den Wald vornehmen, um die Idee des Landschaftsparkes wieder sichtbarer zu machen.

Der „Wasserspielplatz“ – das prägende Element der Erlebnisachse in Nähe der Schleuse – wurde bereits erneuert. „Die Nutzungsintensität am See, auch die hohe Frequenz von Radfahren, Skatern und Fußgängern, hat eine Grenze erreicht. Da müssen wir schon überlegen, wie wir allen gerecht werden.“ Im Gespräch ist ein zweiter Weg.

Ehemaliger Elsterstausee wird Offenland

Parallel werde ebenfalls an Ideen zur Entwicklung des Areals des ehemaligen Elsterstausees gearbeitet, wo der erholungssuchende Fußgänger Vorrang haben wird. Offenland ist dabei das Ziel. Wie es vorangeht, hängt auch mit der Entscheidung zusammen, ob der Westdamm für den Hochwasserschutz an der Weißen Elster ertüchtigt wird oder wegkommt.

Von Mathias Orbeck

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