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Lokales Benefiz-Kabarett bei der LVZ: Erlös für Leipziger Verband Alleinerziehender bestimmt
Leipzig Lokales Benefiz-Kabarett bei der LVZ: Erlös für Leipziger Verband Alleinerziehender bestimmt
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07:00 28.11.2016
Beim Benefizabend auch mit dabei: das Team vom Centralkabarett.Foto: Quelle: André Kempner
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Leipzig

Leipzigs Kabaretts halten an ihrem Engagement für hilfsbedürftige Kinder fest – und laden in Kooperation mit der Leipziger Volkszeitung für den 19. Dezember wieder zu einem außergewöhnlichen Benefiz-Ereignis ein. Wem der Erlös dieses Abends zugute kommen soll – darauf hatten sich die Initiatoren im Vorfeld schnell geeinigt: Der in Leipzig gegründete und ansässige sächsische Landesfamilienverband „Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA)“, der inzwischen auch der federführende Verband der Landesarbeitsgemeinschaft aller Familienverbände im Freistaat (LAGF) ist.

Dass Geschäftsführerin Brunhild Fischer und ihre Mitstreiter (neben 25 Ehrenamtlichen gehört ein fester Mitgliederstamm von 63 Frauen und Männern dazu) bei solch‘ Aussichten auf eine Finanzspritze einen kleinen Jubelschrei loslassen, mag nur all zu verständlich sein. Seit 25 Jahren engagieren sie sich leidenschaftlich und ehrenamtlich politisch und praktisch für Ein-Eltern-Familien und ihre Kinder. Also für eine Bevölkerungsgruppe, von der die kürzlich erschienene Studie der Bertelsmann Stiftung sagt, sie trage in Deutschland das höchste Armutsrisiko; ihre Kinder gehörten zu den Ärmsten. Und eine Gruppe, von der Fischer auch von vor Ort zu sagen weiß: „Leipzig hat die meisten Alleinerziehenden in Sachsen. Hier leben 15 000. 7500 von ihnen beziehen ALG II. Laut Jobcenter sind 70 Prozent aller Langzeitarbeitslosen alleinerziehende Mütter oder auch Väter.“ Es seien vor allem die gesetzliche Bestimmungen, die die Ein-Eltern-Familien diskriminieren, sagt Fischer. Sie zog selbst zwei Söhne solo groß, arbeitet beruflich als freie Künstlerin und Musikerin. Durch ihre langjährige Verbands- und Gremienarbeit sieht sie sich immer wieder mit den gesellschaftlichen, finanziellen, arbeitsmarkt- und familienpolitischen Grenzen für Alleinerziehende konfrontiert.

Dabei gebe es mitunter ganz einfache Dinge, die Betroffenen helfen würden, gibt sie zu bedenken. „Warum gibt es zum Beispiel in Sachsen noch keine ,Kleine Familienkarte‘ für einen Erwachsenen und zwei, drei Kinder zum ermäßigten Besuch öffentlicher Einrichtungen? Bislang gibt es lediglich die Familienkarte für zwei Erwachsene plus Kids. Oder nehmen wir das Thema familiengerechte Arbeitszeiten: Für uns heißt das auch, Alleinerziehende nicht in Schichtdienste einzuteilen. Und wenn von den berufstätigen alleinerziehenden Eltern jemand sagt ,Ich kann wegen meiner Kinder und ihrer Betreuung nicht auch noch nachts arbeiten’, dann darf das kein Kündigungsgrund sein. Das müsste endlich mal gesetzlich festgeschrieben werden.“

Für Alleinerziehende sei es überhaupt schwer, einen existenzsichernden, versicherungspflichtigen Job zu bekommen. „Sie erhalten eigentlich nur Arbeitsangebote unterhalb des Lohnniveaus, was Alleinerziehende – zu 90 Prozent sind es die Mütter – in die ALG II-Falle und später wiederum in die Rentenarmut treibt“, so Fischers Erfahrung. Sie könnte noch zig weitere Ungerechtigkeiten aufzählen: Kindergeld etwa, das auf jegliche Grundsicherungsleistung angerechnet wird und von dessen Erhöhungen die bedürftigsten Kinder nie profitierten. Das Steuerrecht, das Alleinerziehende fast wie Singles besteuert. Ein nicht wirklich bedarfsgerechter Kindesunterhalt… Aktueller Höhepunkt für Fischer: Das Land Sachsen beziehungsweise der sächsische Städte- und Gemeindetages würde die Umsetzung des neuen Unterhaltsvorschussgesetzes für die ärmsten Kinder Alleinerziehender aufschieben wollen. Und das nach einem 15-jährigen, zähen Kampf.

Alles Dinge, deren bittere Auswirkungen immer die Kinder zu spüren bekommen. „Sie wachsen oft in sehr beengten Wohnverhältnissen auf. Sie erleben – gegenüber wohlsituierteren Altersgefährten – Ausgrenzung und Stigmatisierung. Sie haben ungleiche Bildungschancen und ungleiche Bildungsteilhabe-Möglichkeiten“, fasst die Geschäftsführerin zusammen. Ihr Verein versucht zu helfen – mit großen und kleineren Projekten: Sachsenweit wurden Netzwerke für Alleinerziehende geknüpft. Erst diesen Sonntag gab es beim Verein am Roßplatz 10 einen „Vernetzungscafé“-Treff für Interessierte. Auch die finanzielle Urlaubsunterstützung für Ein-Eltern-Familien durch den Freistaat wird bei SHIA ausgezahlt. Der Verein bietet kostenfreie Familien-, Arbeits- und Sozialrechtsberatung an. Ebenso werden Gratis-Kultur- und Freizeitangebote für Familien mit schmalem Geldbeutel initiiert sowie Freizeitangebote für Alleinerziehende und deren Kinder aufgetan. Einmal wöchentlich lädt SHIA zum Erstkontakt- und Infotreffen für Alleinerziehende ein. „Manche dieser Projekte werden vom Freistaat mit bis zu 80 Prozent gefördert, den Rest müssen wir – um die Gelder dann wirklich abrufen zu können – selbst erwirtschaften. Bloß wie – wenn man wie wir im Non-Profit-Bereich arbeitet? Insofern sind wir auf Spenden angewiesen“, erklärt Fischer.

Der SHIA-Landesfamilienverband ist nicht zuletzt über zig externe Arbeitsgruppen- und Netzwerkpartnerschaften regional und landesweit aktiv und wird von verschiedenen Gremien, studiendurchführenden Unis und politischen Entscheidungsträgern regelmäßig konsultiert. „Die politische Mitarbeit ist der einzige Weg, um eine Gleichstellung und Anerkennung Alleinerziehender als Ein-Eltern-Familie gegenüber anderen Familienformen zu erreichen“, sind Fischer plus Thomas Brönner und Gitta Teubner-Mangue vom SHIA-Kernteam überzeugt.

Die vier Leipziger Kabaretts Academixer, Centralkabarett, Funzel und Sanftwut laden gemeinsam mit der Leipziger Volkszeitung für den 19. Dezember zum Benefiz-Kabarettabend in die Kuppel des LVZ-Verlagshauses ein (Peterssteinweg 19). Einlass ist ab 17 Uhr, wo die Möglichkeit für einen kleinen Imbiss besteht. Zwischen 18 und 19.15 Uhr zeigen die Humoristen einen Mix aus ihren Programmen. Für 19.15 bis 19.45 Uhr ist eine Autogrammstunde und ein „Meet & Greet“ angesagt. Die Tickets kosten für LVZ-Abonnenten 17,90 Euro und 19,90 Euro für Nicht-Abonnenten. Im Ticketpreis ist die CD „Sterneanzünder“ enthalten. Die Einnahmen gehen komplett an den Shia e.V. Erhältlich sind die Eintrittskarten im LVZ MediaStore/Höfe am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen sowie über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050.

www.shia-sachsen.de

Von Angelika Raulien

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