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Lokales Kunst und Kitsch für neue Kirchenglocken
Leipzig Lokales Kunst und Kitsch für neue Kirchenglocken
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22:02 04.11.2018
Auktionator Martin Koenitz mit einem Ölgemälde von Claus Müller-Schloen bei der Benefiz-Kunstauktion für die Glocken der Nikolaikirche im Hotel Steigenberger. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Von der filigranen Radierung bis zum Riesenschinken, von der 400 Jahre alten Pergament-Handschrift bis zur knapp 40 Jahre alten Steinzeug-Vase: 103 Kunstwerke aus zweiter Hand kamen am Sonntagnachmittag im Steigenberger Grandhotel unter den Hammer. Ihre Wertigkeit reichte von Kunst bis Kitsch. Auktionator und Kunsthändler Martin Koenitz ließ bei fast allen Arbeiten den Hammer schon deutlich unter dem Schätzpreis fallen, denn sämtliche Stücke waren ihm kostenlos überlassen worden. Von ihren bisherigen Besitzern, die sich davon trennten. Darunter die Witwen von Arno Rink und von Niels Gormsen.

Mit der Auktion leistete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einen kleinen Beitrag, um Geld für die Sanierung des Nikolaikirchen-Geläuts aufzubringen. „Wenn man nicht genug Geld hat, muss man sich etwas einfallen lassen. Und von ihrem Geld trennen sich die Leute schwerer als von Gegenständen“, weiß Kunsthändler Koenitz. Deshalb stellte er diese Kunstauktion aus zweiter Hand auf die Beine –im Vertrauen auf die Ausstrahlungskraft der Nikolaikirche.

„Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“ hieß es bei Arbeiten von Max Liebermann, Max Schnabel, Arnd Schultheiß, A.R. Penck, Rosa Loy oder Michael Fischer-Art. Rund 70 Kunstfreunde im Saal brachten 7255 Euro Erlös sofort in die Kasse. Was nicht wegging, konnte in der Nachbesichtigung noch einmal unter die Lupe genommen werden. So wie das zwölfteilige französische Limoges-Speiseservice mit Rosenmuster und viel Gold aus dem Jahr 1890. Eine 83-jährige Leipzigerin aus Lößnig stellte es zur Verfügung: „Mein verstorbener Mann hatte es von seinem Patenonkel geerbt. Wir haben es vielleicht einmal zu Weihnachten benutzt, ansonsten war es viel zu schade.“

Auch Nikolaikirchen-Pfarrer Bernhard Stief verfolgte die Auktion. 650 000 Euro kostet das Gesamtprojekt, das die Erneuerung und Ergänzung der Glocken sowie die Sanierung des Glockenstuhls in St. Nikolai umfasst. Die Finanzierungstöpfe füllen sich allmählich –und hinter den Kulissen steht bereits alles in den Startlöchern. Anfang des Jahres sollen die sechs neuen Glocken gegossen werden, Ende Juni werden alle acht Glocken im Nikolaikirchhof aufgestellt, und am 9. Oktober 2019, zum 30-jährigen Jubiläum der friedlichen Revolution, soll ihr Geläut erstmals in der Stadt erklingen.

Von Kerstin Decker

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