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Lokales Berggorillas vermeiden Inzucht beim Sex
Leipzig Lokales Berggorillas vermeiden Inzucht beim Sex
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Berggorilla-Gruppe in Ruanda, wo die Leipziger Forscher das Paarungsverhalten der Menschenaffen untersuchten. Quelle: Martha Robbins, Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie
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Leipzig.

Beim Sex haben Berggorillas in freier Wildbahn Strategien entwickelt, um Inzucht zu vermeiden. So wandern rund die Hälfte der Weibchen aus ihrer angestammten Gruppe ab, wenn sie geschlechtsreif sind. In einer aufwendigen Studie konnten Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie (Eva) nun weitere pikante Details des Paarungsverhaltens aufdecken. Das Team um Linda Vigilant von der Eva-Abteilung für Primatologie nutzte dabei Kotproben von Menschenaffen, aus denen genetische Informationen über die Vaterschaft von 97 Berggorillas in Ruanda gezogen wurden. Sie waren seit 1999 gesammelt worden, das machte Abstammungsaussagen über Generationen hinweg möglich.

 Ergebnis: 72 Prozent der Nachkommen einer Gruppe, in der sich mehr als ein Männchen befand, wurden zwar vom Alpha-Tier gezeugt. Doch in keinem Fall vergriff sich der Leitgorilla an einer eigenen Tochter, um Nachwuchs in die Welt zu setzen. Theoretisch hätte der dominante Anführer reichlich Gelegenheit, eine seiner Töchter zu schwängern, denn während seiner Amtszeit erreichen viele Weibchen die Geschlechtsreife. Warum die Alpha-Tiere bei ihnen nicht zum Zuge kommen, erklären Vigilant und ihre an der Untersuchung beteiligten Kollegen unter anderem mit einem Verhaltensmuster der Weibchen.

 Obwohl sie viel kleiner sind als die männlichen Gorillas, spielen sie bei der Partnerwahl eine aktive Rolle - und die Initiative zum Sex geht oft von ihnen aus. Dabei zeigen die Töchter der Leitgorillas ihren Erzeugern aber die kalte Schulter und wenden sich in Liebesdingen jüngeren Männchen zu. Andererseits sind die altgedienten Silberrücken vorrangig an reiferen, auch in der Mutterschaft erfahrenen Damen interessiert.

 Bleibt die Frage, woher eigentlich Väter und Töchter von ihrer Blutsverwandtschaft wissen. Vigilant vermutet ein familiäres Gespür: Der relativ lange Zeitraum, den der Nachwuchs - bevor er flügge wird - in der Gesellschaft der dominanten Männchen verbringt, helfe ihm letztlich, den biologischen Vater zu erkennen. Zusammengenommen führe all das dazu, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fortpflanzung von Alpha-Männern mit ihren Töchtern "gleich Null ist", so Vigilant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.05.2015
Mario Beck

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