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Berolina darf nur noch einmal seine Elefanten in Leipzig tröten lassen

Areal am Cottaweg Berolina darf nur noch einmal seine Elefanten in Leipzig tröten lassen

Nach der Einschränkung von Auftrittsmöglichkeiten für Zirkusbetriebe in Leipzig schlagen die Wellen hoch. Das Marktamt teilte am Freitag auf LVZ-Anfrage mit, dass vorerst nur noch ein Gastspiel mit Elefanten auf dem kommunalen Gelände am Cottaweg stattfinden darf – und zwar das von Berolina. Mehrere Zirkus-Firmen kündigten Klagen gegen den neuen Kurs der Stadt an.

Ein Elefanten-Frühstück vor dem Neuen Rathaus? Nach dem jüngsten Stadtratsbeschluss dürfte es das bald nicht mehr in Leipzig geben. In drei Wochen darf der ostdeutsche Traditionsbetrieb Berolina – von dem diese Dickhäuter stammen – noch einmal seine Zelte am Cottaweg aufschlagen. Danach gilt ein weitreichendes Wildtierverbot für alle Manegen, die auf kommunalen Flächen stehen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nach der Einschränkung von Auftrittsmöglichkeiten für Zirkusbetriebe in Leipzig schlagen die Wellen hoch. Das Marktamt teilte am Freitag auf LVZ-Anfrage mit, dass vorerst nur noch ein Gastspiel mit Elefanten auf dem kommunalen Gelände am Cottaweg stattfinden darf.

„In drei Wochen schlägt dort Berolina seine Zelte auf“, sagte Marktamtsleiter Walter Ebert. „Dieser Pachtvertrag ist bereits rechtskräftig und wir haben keine Möglichkeit, ihn ohne Schaden aufzulösen.“ Das Berliner Traditionsunternehmen (gegründet 1935) dürfe dann auch noch mal seine Tierdressuren mit Elefanten oder auch einer Giraffe zeigen. Vielleicht zum letzten Mal in Leipzig, wie Ebert einräumte. „Weitere Verträge mit Zirkusunternehmen, die Wildtiere mitbringen wollen, haben wir bislang nicht.“

Das Marktamt werde nun schnellstens prüfen, wie es mit einem Stadtratsbeschluss vom Mittwoch umgeht. Die Mehrheit dieses Gremiums hatte nach langer Debatte für einen Kompromissvorschlag der SPD gestimmt. Demnach darf die Stadt Leipzig keine kommunalen Flächen mehr an Zirkusbetriebe verpachten, die Affen, Elefanten, Großbären, Nashörner, Flußpferde oder Giraffen mit sich führen.

Anlass war eine Petition von Tierrechtlern, die noch etwas weiter reichte und 3600 Unterstützer-Unterschriften erhielt. Demnach sollten kommunale Flächen in der Messestadt künftig für Zirkusbetriebe mit jeglicher Art von Wildtieren tabu sein. Petentin Judith Gromeyer begründete ihr Anliegen unter anderem damit, dass Krankheiten und Verhaltensstörungen aus „dauerhaftem Zwang, unnatürlichen Bewegungen, der Haltung in engen Käfigen, Wagen und kleinen Zelten sowie dem Transport“ folgen könnten.

Bereits 40 Städte in Deutschland hätten deshalb ähnliche Regelungen getroffen, erklärte Franziska Berninger von den Grünen nach der Entscheidung: „Nach monatelanger Hinhaltetaktik der Verwaltung ist es erfreulich, dass dem Tierschutz in Leipzig endlich Raum gegeben wird.“

Allerdings war die Petition sogar im Tierschutzbeirat der Stadt umstritten. Dessen Vorsitzende Sabine Heymann (CDU) sprach sich noch in der Ratsversammlung gegen ein Wildtierverbot im Zirkus aus – unter anderem wegen rechtlicher Bedenken. Die Kommunen hätten keine gesetzliche Grundlage für einen solchen Eingriff, hatte das Ordnungsdezernat zuvor in einem Verwaltungsstandpunkt dargelegt. Laut Paragraf 11 Absatz 4 des Tierschutzgesetzes dürfe allein der Bund entsprechende Regelungen erlassen, habe das bisher aber nicht getan. In Gerichtsurteilen aus München, Darmstadt und Chemnitz seien Kommunen, die dennoch Verbote erließen, zurückgepfiffen worden.

Marktamtsleiter Ebert erläuterte am Freitag, in Leipzig gebe es nur eine einzige kommunale Fläche für Zirkus-Gastspiele: das Areal am Cottaweg. „Pro Jahr wird dort zwei bis dreimal eine Manege aufgestellt. Wir müssen die Gesetze einhalten, andererseits nun auch den neuen Rahmen des Stadtrates beachten.“ Da sei er schon froh, dass seine Behörde zurzeit in engen Verhandlungen mit einer neuen, spektakulären Weihnachtszirkus-Show stehe, die ganz auf Tiere verzichten will.

Bei den meisten betroffenen Unternehmen gibt es allerdings keine Bereitschaft, bestimmte Tiere bei künftigen Gastspielen am Cottaweg im Winterquartier zu lassen. „Tierdarbietungen bestimmen etwa 40 Prozent des Programms – das kann man nicht herausschneiden“, sagte Dieter Seeger vom namhaften Zirkus Charles Knie aus Niedersachsen. „Wir können mit wissenschaftlichen Gutachten beweisen, dass die Vorwürfe der Tierrechtler zu Haltung und Transport von Tieren im Zirkus Unfug sind.“ Wegen des Washingtoner Artenschutzabkommens gebe es hierzulande ohnehin keine in Freiheit geborenen Tiere mehr – sie stammten aus dem Zoo, von Farmen oder aus Safariparks.

Deutschlands größter Zirkus Krone aus München, der erst 2015 in Leipzig gastiert hatte, kündigte an, gegen eine Verweigerung von Gastspielen am Cottaweg vor Gericht zu ziehen. „Dieser Eingriff in die Berufsfreiheit wäre klar rechtswidrig. Unsere Tiere sind bereits im Zirkus aufgewachsen und werden bestens versorgt und betreut“, so Sprecher Frank Keller. Ein Verbot könnte auch den Tieren schaden, sagte Melanie Spindler, Sprecherin bei Berolina: „Wenn man unsere Elefanten aus ihrem gewohnten Umfeld reißen würde, hätte das negative Folgen für sie. Kein Zirkus vernachlässigt seine Tiere, wir sind auf sie angewiesen.“ Auch Berolina werde deshalb notfalls klagen.

Von Evelyn ter Vehn, Sarah-Maria Köpf, Jens Rometsch

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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