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Lokales Betreuungsplätze: Leipziger Familien schildern ihre Probleme bei Kita-Suche
Leipzig Lokales Betreuungsplätze: Leipziger Familien schildern ihre Probleme bei Kita-Suche
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00:00 08.04.2013

LVZ-Online hat sich unter Betroffenen umgehört und ihre Erfahrungen zusammengetragen. Sechs Familien berichten von ihrer Situation und den vielfältigen Problemen, die sich auf der bislang erfolglosen Suche nach Betreuungsmöglichkeiten ergeben haben.

Susan Danke

(26, Lehramts-Referendarin in Mittweida/derzeit in Elternzeit) und

Florian Danke

(26, Ingenieur bei Dow Chemical in Schkopau) aus Gohlis: "Gleich nach der Geburt unseres Sohnes Johan Emil im September 2012 haben wir alle Kitas in der näheren Umgebung abtelefoniert. Insgesamt waren es an die 30, von denen viele auf das Portal verwiesen und andere uns auf ihre 200 bis 300 Plätze umfassende Warteliste gesetzt haben. Von den Kitas, auf deren Wartelisten wir stehen, hat sich noch keine gemeldet. Das Portal hilft auch nicht weiter. Ich habe mich auf die Suche nach einer Tagespflegeperson begeben, doch auch das sieht nicht gerade rosig aus. In Gohlis sind die meisten Tagesmuttis bis 2014 voll. Es ist sehr deprimierend. Ich habe einen Schulwechselantrag von Mittweida nach Leipzig gestellt, der jetzt bewilligt wurde. Meine neue Ausbildungsschule ist in Taucha. Wenn ich zur ersten Stunde Unterricht habe, muss ich um 7 Uhr zur Vorbereitung dort sein. Bei meinem Mann sind die Arbeitsszeiten ähnlich. Auch die Abholzeit von 16 Uhr ist oft nicht zu realisieren, wenn mein Mann länger arbeiten muss und ich Lehrerkonferenzen habe. Die Omas und Opas von Johan wohnen in Zwickau und Lutherstadt Wittenberg, sodass für uns keiner einspringen kann. Mein Arbeitgeber will wissen, ob ich im August den Platz in Taucha antrete. Jedoch kann ich ihm noch keine Auskunft geben, da dies vom Erhalt eines Betreuungsplatzes abhängt."

Leipzig. Leipziger Eltern beklagen einen eklatanten Mangel an Betreuungsplätzen für den Nachwuchs in der Stadt. Immer mehr Familien verzweifeln bei der Suche. Dahinter stehen oft ganz persönliche Gesichter und Geschichten. LVZ-Online hat sich unter Betroffenen umgehört und ihre Erfahrungen zusammengetragen. Sechs Familien berichten von ihrer Situation und den vielfältigen Problemen.

Kathrin Voigt (32) und Christian Adolf (37)

aus dem Zentrum: "Wir suchen für unseren Sohn Pepe (2) einen Kindergartenplatz. Derzeit wird er bei einer Tagesmutter betreut - aber nur noch bis zum dritten Lebensjahr. Wir sind beide Bankangestellte, allerdings bei unterschiedlichen Instituten, und der Papa pendelt täglich nach Erfurt. Im Juli kommt ein Geschwisterchen für Pepe, und es wäre wirklich schön, wenn wir nicht nächstes Jahr für beide Kinder gleichzeitig einen Platz suchen müssten."

Romy Schildhauer

(32, Diplom-Betriebswirtin) und

René Emrich

(30, Ingenieur) aus Dölitz: "Unsere Tochter Clara (4,5 Monate) soll ab Dezember in die Kita gehen. Seit Januar sind wir auf der Suche, bisher ohne Erfolg. Die erste Enttäuschung war, dass die meisten Einrichtungen per E-Mail gar nicht und telefonisch auch nur sehr schlecht erreichbar sind. Wir sind auch zu den Kitas in unserer Nähe gefahren, um direkt mit den Leiterinnen zu sprechen. Es wurde uns gleich gesagt, dass es keine freien Plätze gibt. Wir sind ratlos."

Mandy Jauch

(29, Krankenschwester) und

David Rödel

(27, Kundenbetreuer bei Kabel Deutschland) aus Dölitz: "Wir suchen schon seit Ende letzten Jahres einen Betreuungsplatz für unsere Tochter Lina, die am 28. August ein Jahr alt wird. Es ist einfach nur frustrierend; man wird bei vielen Kitas schon an der Tür abgefangen und wieder weg geschickt. Wir wissen nicht mehr weiter, haben uns jetzt der Kita-Initiative angeschlossen, aber das ist nicht die Lösung unseres Problems."

Katrin Sieber

(28, Polizeimeisteranwärterin) und

Harry André Klempert

(42, Assistent der Niederlassungsleitung Reha aktiv 2000 GmbH) aus Altlindenau: "Paul ist seit dem 4. Februar drei Jahre jung. Wir sind glücklich, dass die Stadt wenigstens eine Übergangsregelung mit Tagesvätern und -müttern geschaffen hat. Aber: Unser Sohn spielt schon lange mit wesentlich jüngeren Kindern, was ihn in der Entwicklung hemmt. Ein Platz im Kindergarten ist nicht in Sicht. Wir sind beide vollzeit-berufstätig. Eine drohende Arbeitslosigkeit wegen eines fehlenden Kita-Platzes ist für uns undenkbar - in einer familienfreundlichen Stadt wie Leipzig."

Christoph Chodura

(27, Rettungsassistent/Krankenträger im St. Georg) und

Melanie Mälzer

(28, Kauffrau) Schönefeld: "Meiner Partnerin wurde in einer Einrichtung gesagt, dass wir keinen Platz-Anspruch für unsere Tochter Tamara Frances (8 Monate) hätten, weil meine Partnerin in keinem Arbeitsverhältnis steht und auch keine Aussicht darauf hat. Doch wie soll man an einen Arbeitsvertrag herankommen, wenn man keinen sicheren Betreuungsplatz hat? Es ist ein endloser Teufelskreis, in dem wir uns gerade befinden. Meine Partnerin möchte so gerne wieder arbeiten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2013

Björn Meine / Felix Kretz

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